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Rente mit 70: Fachleute unterstützen Vorstoß zu höherem Renteneintrittsalter

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Von: Moritz Serif, Florian Dörr

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Rüstiger alter Mann mit grauen Haaren sitzt im Garten auf einer Bank, die Kamera nimmt ihn von hinten auf.
Bald Rente mit 70? Geht es nach Wirtschaftsexperten in Deutschland, könnte das bald zur Realität werden. (Symbolbild) © Imago/Frank Hoermann/SVEN SIMON

Geht es nach Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf, soll das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre steigen. SPD-Fraktionschef Mützenich lehnt das ab.

Update vom Mittwoch, 3. August, 11.30 Uhr: In der Debatte über ein höheres Rentenalter hat SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich eine weitere Anhebung auf 70 Jahre abgelehnt. „Die Diskussion ist hinter der Zeit. Wer länger als bis 67 arbeiten will, kann das bereits tun“, sagte Mützenich der Rheinischen Post (Mittwoch). „Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, das Instrument der Flexi-Rente zu stärken.“ Einer faktischen Rentenkürzung, die eine allgemeine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 bedeuten würde, werde die SPD-Fraktion jedoch nicht zustimmen. 

Rente mit 70: Fachleute unterstützen Vorstoß zu höherem Renteneintrittsalters

Update vom Dienstag, 2. August, 10.00 Uhr: In der Debatte um eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre hat Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf Unterstützung von Wirtschaftsexperten erhalten. „Der Vorschlag ist richtig und wichtig: Denn er hilft gegen Altersarmut und entlastet zudem die Rentenkasse, die vor dem Kollaps steht“, sagte der Ökonom Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg der Bild.

Auch die „Wirtschaftsweise“ Monika Schnitzer zeigte sich für ein höheres Renteneintrittsalter offen: „Um die Rente auch in Zukunft zu sichern, gibt es drei Stellschrauben: Renteneintrittsalter, Beitragshöhe und Rentenhöhe. Man wird nicht umhinkommen, an allen drei Schrauben zu drehen, wenn wir die künftigen Generationen nicht überlasten wollen», erklärte die Münchner Wirtschaftsprofessorin der Funke Mediengruppe.

Zur Erinnerung: Aktuell ist geplant, die Altersgrenze für die Rente ohne Abschläge bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahre anzuheben. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) lehnt eine weitere Erhöhung des Eintrittsalters zuletzt ab. Denn bereits im Mai hatte er nach einem Vorstoß von Ökonomen zur Rente mit 70 erklärt: „Wir haben in der Koalition vereinbart, dass wir das gesetzliche Renteneintrittsalter nicht erhöhen. Und daran wird sich nichts ändern.“ Auch in der Union stößt die Rente mit 70 auf Ablehnung: „Für die Anhebung der Regelaltersgrenze gibt es keinen akuten Handlungsbedarf“, sagte etwa der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der CDU/CSU, Stephan Stracke, dem RND.

Rente mit 70: Arbeitgeberverband fordert höheres Eintrittsalter

Erstmeldung vom Montag, 1. August, 7.44 Uhr: Stefan Wolf, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, hat sich für eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre ausgesprochen. „Schaut man sich die demografische Entwicklung und die Belastungen der Sozial- und Rentenkassen an, dann sind die Reserven aufgebraucht. Wir werden länger und mehr arbeiten müssen“, sagte Wolf den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

„Stufenweise werden wir auf das Renteneintrittsalter von 70 Jahren hochgehen müssen – auch weil das Lebensalter immer weiter steigt“, sagte der Gesamtmetall-Chef. Ansonsten werde das System mittelfristig nicht mehr finanzierbar sein. Nach aktueller Rechtslage wird die Altersgrenze für die Rente ohne Abschläge bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben.

Bundesbank forderte ebenfalls höheres Renteneintrittsalter

Auch die Bundesbank sprach sich kürzlich für ein höheres Renteneintrittsalter aus, um die gesetzliche Rente zu sichern. Die Bundesregierung könne sich an anderen Ländern orientieren und die Lebenserwartung an den Beginn des Ruhestandes koppeln, schlug sie vor.

Stefan Wolf, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, fordert die Rente mit 70
Stefan Wolf, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, fordert die Rente mit 70. (Archivfoto) © Marijan Murat/dpa/picture alliance

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil lehnt hingegen eine weitere Anhebung ab. Bereits im Mai hatte er nach einem Vorstoß von Ökonomen zur Rente mit 70 erklärt: „Wir haben in der Koalition vereinbart, dass wir das gesetzliche Renteneintrittsalter nicht erhöhen. Und daran wird sich nichts ändern.“

„Mit Rentenkürzungen gegen Inflation vorzugehen, ist wirtschaftspolitischer Irrsinn“

„Mit Rentenkürzungen gegen Inflation vorzugehen ist wirtschaftspolitischer Irrsinn und klingt, als ob sich die Ökonomen soziale Verwerfungen geradezu wünschen“, schreibt Janine Wissler, Linken-Chefin, in einer Pressemitteilung. Viele Menschen würden bereits massiv unter Preissteigerungen leiden.

„Ihnen auch noch die Rente zu kürzen, denn nichts anderes bedeutet ein höheres Renteneintrittsalter, verschlimmert ihre Lage“, heißt es weiter. „Menschen, die in der Pflege, im Handwerk, auf dem Bau und in anderen Bereichen körperlich hart arbeiten, können nicht bis 67 oder 70 arbeiten. Sie gehen dann in Rente, wenn sie nicht mehr arbeiten können - oft mit hohen Abschlägen“, führt Wissler weiter aus. Die Rente müsse den Lebensstandard sichern und vor Armut schützen. Jeder solle ab 65 Jahren abschlagsfrei in den Ruhestand gehen können. (mse/dpa)

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