+
Senioren genießen die Sonne auf Mallorca. Die Rente mit 63 eignet sich besonders für Akademiker. 

Bilanz der Reform

Rente mit 63: So kommen Sie früher in die Rente - ohne Abzüge

  • schließen

Rente mit 63: das ist der Traum von vielen Arbeitnehmern. So können Sie ohne Abzüge mit 63 Jahren in Rente gehen.

Am Anfang stand der Dachdecker. Als die große Koalition 2006 beschloss, das Renteneintrittsalter zwischen 2012 und 2029 in Schritten auf 67 Jahre anzuheben, erkor der damalige SPD-Vorsitzende Kurt Beck den Dachdecker zum Symbol für all jene Arbeitnehmer, die aufgrund ihrer schweren Arbeit nicht so lange würden durchhalten können.

In der Folge beschloss die Bundesregierung eine Ausnahme für Beschäftigte mit besonders langer Lebensarbeitszeit: Wer mindestens 45 Beitragsjahre in der Rentenversicherung vorweisen kann, solle auch fürderhin bereits mit 65 Jahren abschlagsfrei in den Ruhestand treten dürfen.

In den Koalitionsverhandlungen 2013 nahm die SPD diesen Faden erneut auf und setzte für langjährige Versicherte die abschlagsfreie Rente mit 63 durch. Im Gegenzug durfte die Union ihr Herzensanliegen – die Mütterrente – in den Vertrag schreiben. Die dazugehörigen Reformen traten, begleitet von vielstimmiger Kritik, am 1. Juli 2014 in Kraft.

Rente mit 63 - So können Sie ohne Abzüge eher aufhören zu arbeiten

Bereits 2015 zeigte eine erste Bilanz, dass diese Kritik nicht unberechtigt war. Von der Mütterrente profitieren zwar theoretisch alle neun Millionen Frauen, die vor 1992 ein Kind zur Welt brachten. Sie erhalten für jedes Kind einen Rentenentgeltpunkt zusätzlich, vom 1. Juli 2015 an sind diese monatlich 29,21 Euro im Westen und 27,05 Euro im Osten.

Aktuelles: Immer mehr alte Menschen in Hessen sind von Armut bedroht

Ausgerechnet Frauen mit besonders kleiner Rente, die auf die Grundsicherung im Alter angewiesen sind, haben aber nichts davon: die Mütterrente wird nämlich mit der Grundsicherung verrechnet.

Auch Frauen, die kurz nach der Geburt wieder berufstätig waren, gehen oft leer aus, da sie bereits über ihr Arbeitseinkommen viele Rentenpunkte gesammelt hatten. Davon sind besonders ostdeutsche Frauen betroffen, die von jeher viel häufiger im Beruf standen als im Westen. Hauptprofiteure der Mütterrente sind daher westdeutsche Hausfrauen, die selbst zwar tatsächlich nur geringe Rentenansprüche haben, über ihre Ehegatten aber meist gut versorgt sind. Sozialpolitisch betrachtet sind 6,7 Milliarden Euro, die die Mütterrente pro Jahr kostet, also nicht sonderlich zielgenau eingesetzt.

Rente mit 63: Beschäftigte mit körperlich belastenden Tätigkeiten profitieren nicht 

Das trifft auch auf die Rente mit 63 zu, die zwischen Juli 2014 und Ende April 2015 bundesweit 300 000 Beschäftigte beantragt hatten. Eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass nicht unbedingt Beschäftigte mit körperlich besonders belastenden Tätigkeiten oder geringen Einkommen zu den Nutznießern zählen

Mit 58 aus dem Berufsleben aussteigen: Wir sagen Ihnen, was Sie dabei beachten sollten - und wie der frühe Ruhestand gelingen kann. Allerdings hat die Bundesbank gerade die Rente mit 69 gefordert.

So erfreut sich die Frührente insbesondere in der Öffentlichen Verwaltung großer Beliebtheit. Knapp ein Drittel der Verwaltungen gab in einer IAB-Umfrage an, dass Mitarbeiter die Rente mit 63 beantragt hätten oder dies in den kommenden drei Jahren tun werden. In Durchschnitt aller Branchen trifft dies nur auf 11,4 Prozent der Betriebe zu.

Diese 5 Fakten über die Rente sollte jeder kennen

Außerdem konterkariere die Rente mit 63 laut IAB den politisch erwünschten Trend zu einer längeren Lebensarbeitszeit und verschärfe den Fachkräftemangel. Überdurchschnittlich häufig nutzen nämlich Facharbeiter und Akademiker die abschlagsfreie Frührente, drei Viertel der Antragsteller sind Männer.

Weit vorne liegen gut bezahlte Industriezweige wie Chemie und Kunststoffe, Maschinenbau, Elektrotechnik und Fahrzeugbau, in denen mehr als ein Viertel der Betriebe von der Rente mit 63 betroffen sind. Nutznießer der Rente mit 63 sind also vor allem gutverdienende Männer in florierenden Industriebranchen sowie Verwaltungsbedienstete. Vor allem bei Jüngeren wird die gesetzliche Rente im Alter jedoch nicht reichen - sie sollten sich frühzeitig mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigen.

Leitartikel zur Rente: Die Rente muss anders angepackt werden: Bei der Wirtschaft

Der FR-Newsletter

Das Wichtigste des Tages direkt aus der FR-Redaktion per Mail: Erhalten Sie eine Auswahl der spannendsten Texte und der wichtigsten Themen, ergänzt mit Analysen und Kommentaren unserer Autorinnen und Autoren – kostenlos. Jetzt den täglichen Newsletter abonnieren unter www.FR.de/newsletter

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare