Altersvorsorge

Ist die Rente klimasicher?

In der privaten Vorsorge braucht es mehr Transparenz. Einer erster Schritt ist jetzt getan.

Von Rolf D. Häßler

In 1986 war sich Dr. Blüm im Wahlkampf sicher, dass auch die Rente dies sei. Bei den Bundesbürgern ist die Sicherheit dagegen weniger groß, weshalb viele über die gesetzliche Rente hinaus eine Lebens- oder Rentenversicherung abschließen. Und während die gesetzliche Rente darauf basiert, dass ausreichend Einzahler für die Renten einstehen, sammelt sich in der privaten Vorsorge das Kapital auf Konten und in Depots an.

Der WWF weist nun in einer aktuellen Meldung darauf hin, dass auch diese Anlagen nicht sicher sind und hat hier die Risiken im Blick, die mit dem Klimawandel und der Klimaschutzpolitik einhergehen. Wie der WWF erkennen immer mehr Anleger, dass die in Paris vereinbarten Klimaziele die Wirtschaft in vielfältiger Hinsicht beeinflussen. In einigen Branchen, etwa der Kohleverstromung, steht das Geschäftsmodell der Unternehmen auf der Kippe, in anderen Branchen haben zumindest die heute genutzten Technologien keine Klimazukunft. Man denke nur an das Auslaufmodell fossiler Verbrennungsmotoren.

Diese Entwicklungen beeinflussen die Geschäftstätigkeit der Unternehmen und damit auch ihre Ertragsaussichten, ihren Aktienkurs und ihre Fähigkeit, Dividenden und Zinsen zu zahlen. Wer im Rahmen seiner Altersvorsorge in Aktien und Anleihen klimaunsicherer Unternehmen investiert, dem droht eine Dürre im Depot.

Endlich hat nun auch der Gesetzgeber erkannt, dass hier für Millionen von Versorgungsempfängern in Deutschland Risiken drohen. Die europäische „Richtlinie über die Tätigkeiten und die Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung“ (EbAV II) enthält erstmals klima- und nachhaltigkeitsbezogene Anforderungen. Der unlängst veröffentlichte Referentenentwurf aus dem Bundesfinanzministerium, durch den die europäische Richtlinie in nationales Recht umgesetzt wird, greift die Anforderung der Richtlinie umfassend auf. Danach müssen ausgewählte Versorgungseinrichtungen – das sind Pensionsfonds und -kassen – zukünftig unter anderem Versorgungsanwärter und Leistungsempfänger darüber informieren, inwieweit klimarelevante, aber auch andere ökologische, soziale und die Unternehmensführung betreffende Aspekte in der Kapitalanlage berücksichtigt werden.

Transparenz ist der erste Schritt, um Versicherten die Möglichkeit zu geben, aktiv nach der Klimasicherheit ihrer Altersversorgung zu fragen.

Der Autor ist Geschäftsführer des Instituts für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI).

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