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Rente: Hohe Inflation kann die private Altersvorsorge in Deutschland gefährden

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Von: Isabel Wetzel, Natascha Terjung

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Die Energiepreise sind angestiegen, die Inflation belastet zusätzlich. Jetzt könnte die Geldentwertung auch noch zum Problem bei der privaten Rente werden.

Frankfurt – Wer derzeit auf seine Energiekosten und die Preise im Supermarkt schaut, bekommt ein mulmiges Gefühl: Vieles wird teurer, nur das Geld wird nicht mehr wert – die Inflationsrate liegt aktuell bei 7,3 Prozent. Im Juli soll die Rente zwar erhöht werden, doch die deckt die Inflation nicht. Das wird zunehmend zu einer Belastung, vor allem für Menschen in Rente. Eine 81-jährige Rentnerin aus Münster berichtete zum Beispiel dem WDR, wie sie mit Altersarmut zu kämpfen hat.

Da ihre Rente nicht reiche, sei sie in die Grundsicherung gekommen. Zusätzlich bekommt sie Hilfe vom Verein Lichtblick, der bundesweit Senioren und Seniorinnen hilft. Dort häuften sich derzeit die Anfragen, wie der WDR berichtet. Die beschlossene Energiepreis-Pauschale von 300 Euro wird Rentner:innen auch nicht helfen, denn die bekommen nur Erwerbstätige. Vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und vom Institut der deutschen Wirtschaft kommt jetzt die Forderung, die Pauschale auch Rentnern auszuzahlen.

Seniorin mit Smartphone: Die hohe Inflation vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und des Ukraine-Konflikts stellt vor allem Rentnerinnen und Rentner aktuell vor große finanzielle Herausforderungen.
Die hohe Inflation vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und des Ukraine-Konflikts stellt vor allem Rentnerinnen und Rentner aktuell vor große finanzielle Herausforderungen. © Jens Kalaene/dpa

Entlastungs-Paket: Auch Rentner:innen sollten Energiepreis-Pauschale bekommen

Die von der Ampel-Koalition vorgesehene Energiepreis-Pauschale dürften nicht nur Erwerbstätige erhalten, sagten DIW-Chef Marcel Fratzscher und IW-Chef Michael Hüther der Rheinischen Post. Zudem müsse die Pauschale höher ausfallen: In den kommenden zwei Jahren würden die 300 Euro die gestiegenen Energiepreise nicht mehr decken können.

Jetzt könnte auch noch die Inflation zum Problem für die private Altersvorsorge vieler Menschen werden. Davor warnen der Verbraucherschutz und Finanzexperten. Dorothea Mohn, Leiterin des Bereiches Finanzen beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, äußerte gegenüber der Augsburger Allgemeinen ihre Bedenken. Demnach sei die „Altersvorsorge nicht gut aufgestellt“.

Inflation privater Altersvorsorge bedroht: Auch der Wert des Ersparten sinkt

In Deutschland biete die gesetzliche Rente keine Sicherung des Lebensstandes mehr, denn ein Teil des Einkommens werde privat über die Riester-Rente oder über betriebliche Entgeltumwandlung angelegt. Ein großes Problem sehe Mohn beim Garantiezins: Bei einer Lebensversicherung betrage dieser aktuell 0,25 Prozent. Diese Zinsen würden aber von der Inflation geschluckt.

Der Wert des Ersparten gehe laut Mohn verloren. Auch der Sparkassenverband Bayern warnt gegenüber der Augsburger Allgemeinen vor dem Problem der Inflation: Die Kaufkraft der Einkommen sinke entsprechend der Inflationsrate, also auch der Betrag, der für die private Altersvorsorge zurückgelegt werden könne. Der Nullzins verschlimmere das noch.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordere, das Modell der Altersvorsorge zu überdenken. Statt Riester und der betrieblichen Entgeltumwandlung sei eine „Extra-Rente“ sinnvoll. Dabei gehe es darum, dass der Staat das Geld der Versicherten sammle und gebündelt am Finanzmarkt zum Großteil in Aktien anlegen lasse. So könnten Kosten gespart und eine höhere Rendite ermöglicht werden. (Natascha Terjung/Isabel Wetzel)

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