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Rente durch Hausverkauf aufbessern? Das sollten Sie beachten

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Von: Karolin Schäfer

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Modelle zur Verrentung von Immobilien gibt es viele. Damit sollen Seniorinnen und Senioren ihre monatliche Rente aufbessern können. Doch klappt das wirklich?

Frankfurt – Ob renoviert oder selbst gebaut: Viele Menschen in Deutschland haben sich den Traum vom Eigenheim erfüllt. Viele Häuser und Wohnungen gehen allerdings an den Staat, wenn Menschen niemanden haben, dem sie ihre Immobilie im Todesfall vererben können.

In solchen Fällen könnte die sogenannte Verrentung der Immobilie oder auch Leibrente das monatliche Einkommen von Senior:innen aufbessern. Damit werben zumindest zahlreiche Angebote. Doch was hat mit dieser Art der Altersvorsorge auf sich?

Haus verkaufen für mehr Rente: Das steckt hinter der Leibrente

Konkret bedeutet das: Die Immobilie wird unter dem tatsächlichen Marktpreis an einen Investor oder eine Investorin verkauft. Dieser garantiert den Ruheständlern dann ein lebenslanges, mietfreies Wohnrecht und eine zusätzliche, monatliche Rente. Wie hoch die Zusatz-Rente ausfällt, hängt in erster Linie vom Alter der Verkäufer:innen ab sowie von ihrer statistischen Lebenserwartung.

Manche Angebote gibt es bereits für Menschen ab 60, einige werden erst ab 65 oder 70 angeboten. Oft ist auch eine Einmalzahlung möglich. „Nach unseren Erfahrungen passt eine Immobilienverrentung nur etwa für jeden fünften Interessenten, für die anderen nicht“, sagte Thomas Mai, Immobilienexperte der Verbraucherzentrale Bremen, gegenüber Focus Online. Wessen Immobilie modernisierungsbedürftig und nicht schuldenfrei ist, möglicherweise noch auf dem Land liegt, sowie von gesundheitlich angeschlagenen Senior:innen bewohnt wird, der profitiere eher selten davon, meinte Mai.

Mit der Verrentung der Immobilie könnte die monatliche Rente aufgebessert werden.
Mit der Verrentung der Immobilie könnte die monatliche Rente aufgebessert werden. © Werner Dieterich/imago

Immobilien-Rente: Absicherungen für Senior:innen fehlen

Die Verträge werden notariell abgesichert und im Grundbuch festgehalten. Allerdings fehlt es dabei oft an Absicherungen für die im Ruhestand lebende Person, informierte die Süddeutsche Zeitung. Wird der Investor zahlungsunfähig, könnte es vorkommen, dass Rentner:innen möglicherweise auf die Rente verzichten müssen. Steht der Investor bei der Eintragung des Wohnrechts erstrangig im Grundbuch, kann er die Bewohner:innen sogar aus dem Haus vertreiben.

Für Sanierungen ist normalerweise der neue Eigentümer oder die neue Eigentümerin verantwortlich. Diese werden aber bereits beim Kauf der Immobilie berücksichtigt, weshalb der Kaufpreis deutlich unter dem Verkehrswert liegt. „Die Verrentung hat aber immer ihren Preis, mögliche Erben gehen leer aus“, betonte Mai.

Rente mit Hausverkauf aufbessern: Nebenkosten müssen weiterhin gezahlt werden

Der Bremer Immobilienexperte empfiehlt daher, auf keinen Fall für 300 Euro mehr Rente im Monat sein Haus zur Hälfte des aktuellen Marktwertes zu verkaufen. Zudem müssen Nebenkosten weiterhin von den Bewohner:innen getragen werden. Sollten die Bewohner:innen ins Pflege- oder Altenheim verlegt werden, kann die Immobilie nur weiter vermietet werden, wenn das vertraglich im Vorfeld abgesichert wurde.

Inzwischen werden auch Teilmodelle angeboten, bei denen Rentner:innen ihre Immobilie nicht komplett, sondern nur zum Teil aus der Hand geben – maximal bis zu 50 Prozent. Dadurch bleiben sie Miteigentümer:innen und können weiterhin bis zum Tod in dem Haus wohnen bleiben. Zudem könnten Verkäufer:innen Anteile wieder zurückkaufen, berichtete Focus Online.

Scheint das die sicherere Alternative zu sein? Verbraucherschützer:innen warnen, dass auch der Teilverkauf zu teuer sei. Die Verkäufer:innen müssten eine Wohngebühr zahlen. Diese könnten sich Focus Online zufolge auf mehrere tausend Euro im Jahr summieren. Zudem müssen die Bewohner:innen weiterhin für die Instandhaltung der Immobilie aufkommen.

Mehr Rente durch Immobilien-Verkauf: Das bietet die Umkehrhypothek

Eine Alternative zur Verrentung von Immobilien ist die sogenannte Umkehrhypothek. Rentner:innen belasten die schuldenfreie Immobilie über einen gewissen Zeitraum mit einem Kredit und bekommen damit monatlich einen bestimmten Betrag ausgezahlt. Damit bauen die Senior:innen ein Darlehen auf – bis zum Tod werden keine Tilgung oder Zinsen fällig. Danach wird die Immobilie von der Bank verkauft und das Darlehen beglichen.

Vor allem in Großbritannien und den USA ist die Umkehrhypothek eine beliebte Form der Immobilienrente. In Deutschland hat sich die Alternative kaum etabliert. Zumal die Eigentümer:innen weiterhin für Reparaturen und Instandhaltung aufkommen müssen. Wollen Erben das Haus weiter in Familienbesitz halten, muss das Darlehen bei der Bank getilgt werden. „Diese Variante wird nicht mehr so häufig angeboten, teuer zu stehen kommt sie ohnehin“, erklärte Mai gegenüber Focus Online.

Rente aufbessern: Das ist die finanziell attraktivste Möglichkeit

Um finanziell am besten dazustehen, rät Mai zum Hausverkauf am freien Markt. Mit keinem Verrentungsmodell könnten Senior:innen mehr Vermögen aufbauen. Wer nicht umziehen möchte, kann im Freundes- und Bekanntenkreis nach einem Investor oder einer Investorin suchen, sagte der Experte. Dann könne beim Notar ein individueller Kaufvertrag erarbeitet werden, inklusive lebenslangem Wohnrecht und monatlicher Rentenzahlung.

Rund um die Rente ranken sich seit Jahren immer wieder hartnäckige Irrtümer. Das müssen Sie zur Altersvorsorge wissen. (kas)

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