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Sorglos im Ruhestand auch mit niedriger Rente? Die Grundrente soll für mehr Sicherheit sorgen. Auch andere Länder haben ähnliche Modelle. (Archivbild)
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Sorglos im Ruhestand auch mit niedriger Rente? Die Grundrente soll für mehr Sicherheit sorgen. Auch andere Länder haben ähnliche Modelle. (Archivbild)

Ruhestand

Kritik an der Grundrente in Deutschland – So handhaben es die Nachbarländer

  • Sophia Lother
    VonSophia Lother
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Die Grundrente startet in Deutschland. Wie kommen Rentner in Österreich, den Niederlanden, Schweden oder Dänemark mit ihrer Rente durch?

Frankfurt - Die Grundrente in Deutschland startet. Ab Juli gehen die ersten Bescheide an Rentnerinnen und Rentner in Deutschland heraus. Viele dürfte der Zuschlag zur Rente freuen, doch es regt sich auch Kritik. Ein Experiment untersuchte, wie gut Beziehende von der Grundrente leben können, das Ergebnis war ernüchternd. Aufgrund der geringen Altersbezüge war schnell für die Probandin klar, große Ausgaben sind auch mit der Grundrente nicht möglich.

Und mehr noch: trotz sparsamer Ausgaben und Verzicht, blieben der Frau am Ende des Experiments nur drei Euro zum Sparen übrig. Die Vorbereitungen auf ungeplante größere Rechnungen wie beispielsweise den Ersatz von wichtigen Haushaltsgeräten bleiben auf der Strecke.

Von „Panik“ und Angst berichtete die Probandin nach dem Renten-Experiment. Und das trotz der Grundrente. Nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) werden in Deutschland rund 1,3 Millionen Rentner:innen Anspruch auf den Renten-Zuschlag haben. Denn Sie haben zwar lange gearbeitet und Pflichtbeiträge eingezahlt, beziehen aber dennoch im Ruhestand eine unterdurchschnittliche Rente.

Die Durchschnittsrente im Alter betrug 2019 für Männer 1.187 und lag für Frauen bei 764 Euro im Monat, so das BMAS. Bis 2022 werden alle Grundrenten-Bescheide herausgehen, so der Plan. Doch wie geht es Rentnerinnen und Rentnern in unseren Nachbarländern? Lässt es sich in Österreich, Schweden oder Italien mit der Rente besser auskommen?

Rente in Österreich: So gut leben Senior:innen im Ruhestand

In Österreich liegt das Niveau der Rente bei 80 Prozent – in Deutschland sind es lediglich 48,2 Prozent. Durchschnittlich bekommen die Rentner:innen dort eine jährliche Bruttoaltersrente von rund 26.577 Euro. Sie wird in 14 Teilbeträgen ausgezahlt.

Nur bedingt könne man diese mit der jährlichen Brutto-Standardrente in Deutschland vergleichen, die im Jahr 2018 bei 17.026 Euro lag, erklärt Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags, der sich im Auftrag der Linken mit dem Thema beschäftigt hat. Auch bei der Grundrente ist Österreich ein Stück voraus. Eine Grundrente von 1.114 Euro gibt es dort bereits nach 33 Beitragsjahren. In Deutschland fällt die Grundrente geringer aus und ist nach Zeiträumen nochmals gestaffelt.

Österreich* - Frauen/MännerDeutschland* - Frauen/Männer
Alterspensionen: 1.028/1.678Altersrenten: 711/1.148
Invaliditäts-/Erwerbsunfähigkeitspensionen: 934/1.286Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit: 796/795
Witwen-/Witwerpensionen: 787/352Witwen-/Witwerrenten: 656/335
*Durchschnittlichen Rentenzahlbeträge im Jahr 2018
Quelle: Bundestag.de

Doch woher kommen die starken Unterschiede? Zum einen ist der Beitragssatz höher als in Deutschland. Zudem zahlen Arbeitgeber:innen einen höheren Prozentsatz ein als Beschäftigte. Ein weiterer Faktor ist, dass in Österreich fast alle Beschäftigten auch in die Rente einzahlen. Das ist in Deutschland nicht der Fall, dennoch wird häufig die Problematik der Beamtenpensionen und die gewaltige Kluft im Vergleich zur gesetzlichen Rente diskutiert.

Norwegen, Schweden und die Rente: Skandinavisches Modell als Vorbild für Deutschland?

In Schweden sind Beschäftigte dazu verpflichtet von ihrem Bruttoeinkommen insgesamt 2,5 Prozent in sogenannte Vorsorgefonds zu investieren. Im Zeitraum zwischen den Jahren 2011 und 2021 schaffte es der staatliche Fonds im Durchschnitt auf eine Jahresrendite von mehr als 14 Prozent, wie die „Tagesschau“ berichtet. Auch in Norwegen profitiert die Rentenkasse von der Rendite des Aktienmarktes. Jedoch ist die Investition vonseiten der Arbeitnehmenden optional und nur ein Zusatz zur staatlichen Rente.

Während die Grundrente in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es in Schweden eine Garantierente. Hierfür wird die Aufenthaltsdauer und die Höher der einkommensbezogenen Rente miteinbezogen, informiert die Europäische Kommission auf ihrer Internetseite. Monatlich beträgt sie umgerechnet rund 828 Euro maximal für Ledige und höchstens rund 738 Euro für Verheiratete. Zudem kann noch Wohngeld bezogen werden.

Die staatliche Alterssicherung ist mit der gesetzlichen Rente in Deutschland vergleichbar. Wie in Österreich zahlen die Arbeitgeber mit 11 Prozent einen höheren Anteil als die Arbeitnehmer (7,5 Prozent). In diese Altersrente zahlen sowohl Beschäftigte als auch Selbstständige und staatliche Beschäftigte ein. Ein System wie in Deutschland mit separaten Beamtenpensionen gibt es auch hier nicht. In Norwegen gibt es ebenfalls eine Grundrente, für nach 1962 geborene Garantierente genannt. Sie beträgt circa 1.600 Euro und ist an Bedingungen wie eine 40-jährige Mitgliedschaft in der norwegischen Sozialversicherung geknüpft.

Der Renteneintritt ist in beiden Ländern sehr flexibel. In Schweden kann frühestens mit 62 Jahren in Rente gegangen werden. Beschäftigte können aber auch wesentlich länger arbeiten, wenn sie das wünschen. In Norwegen kann schon mit 62 Jahren in die Altersrente gegangen werden. Außerdem bekommen Beschäftigte die Möglichkeit, ohne Abzüge weiterhin zu arbeiten, denn das Arbeitseinkommen wirkt sich nicht auf die Höhe der Rente aus, berichtet die Deutsche Rentenversicherung.

Ruhestand in den Niederlanden: 1200 Euro unabhängig von der Beschäftigungs-Zeit

Auch in den Niederlanden gibt es ein Auffangnetz für Rentnerinnen und Rentner, die nichts oder nur sehr wenig eingezahlt haben. 1.200 Euro monatlich haben Bezieherinnen dann als Rente zur Verfügung. Zum Vergleich, in Deutschland beträgt die Grundrente maximal 418 Euro.

Das BMAS nennt als Rechenbeispiel eine alleinstehende Floristin, die trotz 40 Jahren Arbeit aufgrund ihres geringen Gehalts 547 Euro als monatliche Rente erhält. Zusammen mit dem Grundrenten-Zuschlag käme sie auf 965 Euro im Monat. Darüber hinaus hat die Betriebsrente in den Niederlanden eine hohe Bedeutung. Meist zahlen die Arbeitgeber:innen zumindest einen Teil dieser, manchmal wird auch der komplette Satz übernommen.

Doch es gibt zwischen dem Rentensystem in Deutschland und dem in den Niederlanden noch einen weiteren Unterschied, wenn man die Altersgrenze näher betrachtet. Dieser dürfte Rentner:innen im Nachbarland weniger freuen. Denn es ist geplant, die Grenze für die Altersrente im Jahr 2024 auf 67 Jahre und im Jahr 2067 sogar auf 71 Jahre anzuheben. In Deutschland dagegen soll das Rentenalter bis 2029 bisher nur schrittweise auf 67 Jahre angehoben werden.

Rente in Dänemark: Zusatzrente als Art der Grundrente – Maximal 1737 Euro monatlich

In Dänemark ist die Volksrente ein Grundsicherungssystem und bedingt mit einer Grundrente vergleichbar. Auf diese hat jeder Anspruch, der zwischen seinem 15. und seinem 65 Lebensjahr mindestens 40 Jahre dort gelebt hat. Auch Bezieher:innen, die nicht derart lange im Land wohnten haben einen Anspruch, jedoch fällt die Höhe dann geringer aus.

Die Volksrente setzt sich aus zwei Faktoren zusammen. Dem Grundbetrag in Höhe von rund 837 Euro monatlich und einer Rentenzulage von maximal rund 900 Euro, heißt es vonseiten der Deutschen Rentenversicherung.

Hinzu kommt die Altersrente, die sich aus jährliche Einzahlungen Beschäftigter ab einem gewissen Einkommen ergibt. Der zu zahlende Betrag berechnet sich nicht aus dem Einkommen, sondern aus der Arbeitszeit. Auch in Dänemark zahlt der Arbeitgebende mit zwei Dritteln den höheren Anteil.

Es gibt keine Unterscheidung zwischen Beamt:innen und anderweitig Beschäftigten wie in Deutschland. Auch in Dänemark wird die Altersgrenze für den Renteneintritt stufenweise angehoben. Für nach 1963 Geborene ist das öffentliche Rentenalter dann mit 68 Jahren erreicht. (Sophia Lother)

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