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Marijan Murat/dpa

Altersvorsorge

Rente für Frauen: 26 Prozent weniger als Männer

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Frauen erhalten deutlich geringere Zahlungen im Alter als Männer. SPD und Grüne fordern, mehr für die Gleichstellung der Geschlechter zu tun.

Im Berufsleben haben Frauen mit gravierenden Nachteilen zu kämpfen – und auch in der Alterssicherung stehen sie deutlich schlechter da als Männer. Laut einer neuen Studie erhalten sie im Durchschnitt 26 Prozent weniger Rente als Männer.

„Grund für die Renten-Lücke ist noch immer die dominierende Rolle der Frauen bei der Kinderbetreuung“, sagt Alexandra Niessen-Ruenzi, Professorin der Uni Mannheim. Sie hat die Studie auf Basis von Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erstellt. „Im Schnitt hätte eine Frau, die mit 67 in den Ruhestand geht, nach heutiger Berechnung monatlich 140 Euro weniger gesetzliche Rente als ein Mann“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“. Beziehe diese Frau 15 Jahre Rente, fehlten ihr rund 25 000 Euro. Heutige Rentnerinnen erhalten nur 50 Prozent der Altersbezüge von Männern. Das ist der größte Abstand in ganz Europa.

Rente für Frauen: Die Ursachen werten unterschiedlich bewertet

Interessant: Mit 35 gibt es kaum Unterschiede zwischen den Rentenansprüchen der Geschlechter. Doch ab dann öffnet sich die Schere. Wenn Paare Familien gründen, reduzierten in der Regel die Frauen ihre Arbeitszeit. „Wenn man sich die aktuellen Scheidungsraten ansieht, sind viele Frauen nicht mehr über ihre Männer abgesichert“, so Niessen-Ruenzi. Laut Statistischem Bundesamt lag die Scheidungsrate 2018 bei 32,9 Prozent.

Ralf Kapschack, rentenpolitischer Sprecher der SPD, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Frauen übernehmen auch heute noch den größten Teil der Familienarbeit, ohne dafür – trotz Mütterrente etc. – im Alter ausreichend honoriert zu werden. Gerade die Diskussion über ein grundsätzliches, ausnahmsloses Rentensplitting zwischen Ehe-Partnern und die bessere Berücksichtigung der Pflege von Angehörigen muss schnell auf den Tisch. Das sind Ansatzpunkte für dringend notwendige Verbesserungen.“

Schwächere Stellung von Frauen am Arbeitsmarkt

Rentenpolitiker Peter Weiß (CDU) sieht die Ergebnisse der Studie eher kritisch: „Die Unterschiede bei den Renten von Frauen und Männern sind keine Folge des Systems dergesetzlichen Rentenversicherung.“ Sie entstünden vor allem durch geringere Erwerbstätigkeit von Frauen, sobald Kinder geboren werden. Die Möglichkeit des Rentensplittings, also eines hälftig geteilten Rentenanspruchs, sei geeignet, einen guten partnerschaftlichen Ausgleich zu finden, so Weiß.

„Das Studien-Ergebnis ist auch Ausdruck der schwächeren Stellung von Frauen am Arbeitsmarkt“, meint Markus Kurth, Rentenexperte der Grünen. „Die Lage der Frauen hat sich zwar zuletzt verbessert. Geht es allerdings in dem Schneckentempo weiter, braucht es bis zur Gleichstellung der Geschlechter in der Rente noch Jahrzehnte.“ Es liege nicht zuletzt an den Arbeitgebern und der Regierung, den Weg für eine gerechte Arbeitsteilung frei zu machen. Kurth fordert dafür unter anderem eine bessere Pflegeinfrastruktur und eine konsequentere Durchsetzung des Prinzips: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“.

Von Christian Burmeister

In Sachen Gleichstellung sind wir längst nicht so weit, wie es sich der urbane Mann gern einredet, findet unsere Autorin. Noch immer erledigen Frauen deutlich mehr Hausarbeit als Männer. Klassische Geschlechterrollen sind längst nicht überwunden. 

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