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Wer wegen Krankheit weniger Arbeiten konnte, hat oft Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.
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Wer wegen Krankheit weniger Arbeiten konnte, hat oft Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.

Ratgeber

Rente: So sind die Regeln für die Erwerbsminderungsrente und Extra-Einkünfte

  • Martin Staiger
    VonMartin Staiger
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Auch wegen Krankheit haben viel Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Wer bekommt sie und wie viel Geld darf neben der Rente mit Arbeit dazu verdient werden?

Berlin - Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und immer häufiger psychische Leiden. Es gibt viele Gründe, warum Beschäftigte dauerhaft nicht oder nicht mehr in Vollzeit arbeiten können. Damit sie finanziell nicht ins Bodenlose fallen, gibt es die Erwerbsminderungsrente, die jedoch in vielen Fällen das Risiko der Erwerbsminderung nur höchst unzureichend abdeckt. Dies liegt an den bald zwanzig Jahre zurückliegenden Rentenreformen, als unter dem Schlagwort der Eigenverantwortung viele sozialpolitisch sinnvolle Leistungen deutlich gekürzt wurden.

Es existieren zwei Arten von Erwerbsminderungsrenten: Die Rente wegen voller Erwerbsminderung für rentenversicherungspflichtige Personen, die aufgrund einer Krankheit oder Behinderung für mindestens ein halbes Jahr nicht oder weniger als drei Stunden täglich arbeiten können, und die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung, die für Erwerbstätige in Frage kommt, die mindestens drei, aber weniger als sechs Stunden am Tag arbeiten können.

Erwerbsminderung durch Krankheit: Viele nehmen zustehendes Renten-Geld nicht in Anspruch

2019 erhielten gut 1,7 Millionen Personen eine Rente wegen voller und nicht einmal 100 000 eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung. Letzteres deutet darauf hin, dass eine große Zahl von Berechtigten eine ihnen zustehende Rente nicht in Anspruch nimmt. Denn es ist kaum denkbar, dass nicht einmal 100 000 Beschäftigte in der Weise eingeschränkt sind, dass sie nur zwischen drei und unter sechs Stunden erwerbstätig sein können.

Eine der Voraussetzungen für einen Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente ist die Erfüllung der allgemeinen fünfjährigen Wartezeit. Gemeint ist damit, dass eine Erwerbsminderungsrente nur in Frage kommt, wenn mindestens fünf Jahre Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt wurden. Pflichtbeiträge werden auf Arbeitseinkommen aus sozialversicherungspflichtiger abhängiger Beschäftigung, aber auch zum Beispiel auf Krankengeld oder Arbeitslosengeld I bezahlt. Auch Kindererziehungszeiten oder die Pflege naher Angehöriger gelten als Pflichtbeitragszeiten.

450-Euro-Job: Drei Jahr Einzahlen für Anspruch auf Erwerbsminderungsrente

Ein Jahr einer als 450-Euro-Job bezeichneten geringfügigen Beschäftigung gilt nur dann als ein Jahr Wartezeit, wenn der oder die Beschäftigte eigene Rentenversicherungsbeiträge von derzeit 3,6 Prozent des Arbeitsentgelts erbringt. Ist der oder die geringfügig Beschäftigte jedoch dem Lockruf „mehr Netto vom Brutto“ erlegen und hat sich von der Zahlung der Rentenversicherungsbeiträge befreien lassen, wird nur ein Bruchteil der Beschäftigungszeit der Wartezeit zugerechnet. Ein Jahr Arbeit für 450 Euro im Monat schlägt dann mit vier Monaten Wartezeit zu Buche, bei geringeren Einkünften wird noch weniger angerechnet.

Eine Erwerbsminderungsrente erhält außerdem nur, wer in den fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens drei Jahre lang rentenversicherungspflichtig tätig war. Geringfügige Beschäftigungen zählen nur dann mit, wenn der oder die Beschäftigte eigene Rentenversicherungsbeiträge bezahlt hat. In einigen Fällen kann sich der Fünf-Jahres-Zeitraum verlängern, zum Beispiel für Zeiten des Mutterschutzes. Zeiten der Arbeitslosigkeit oder Krankheit verlängern den Zeitraum nur bei Personen, die vor ihrem 25. Geburtstag arbeitslos oder krank waren.

Monatlicher Geldanspruch: die letzten vier Jahre der Rente werden nicht zuungunsten berechnet

Wer in dem – eventuell zu verlängernden – Fünfjahreszeitraum weniger als drei Jahre versicherungspflichtig tätig war, erhält, auch wenn die anderen Voraussetzungen vorliegen, keine Erwerbsminderungsrente. Sind jedoch alle Voraussetzungen erfüllt und war auch eine dem Bezug der Erwerbsminderungsrente in der Regel vorgehende Reha-Maßnahme nicht erfolgreich, besteht ein Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente, die meist befristet und ab dem siebten Monat der Erwerbsminderung gezahlt wird.

Die Rentenhöhe wird so berechnet, als wäre der Durchschnitt der bisher erbrachten Beiträge bis zur gesetzlichen Altersgrenze von derzeit 65 Jahren und zehn Monaten gezahlt worden. Wenn sich die letzten vier Jahre auf diese Berechnung ungünstig auswirken, werden sie nicht berücksichtigt. Die so errechnete Rente wird jedoch in den meisten Fällen um 10,8 Prozent gekürzt, was viele Erwerbsminderungsrenten alles andere als üppig ausfallen lässt.

Bei voller Erwerbsminderung: Geld-Einnahmen bis zu 525 Euro ohne Kürzung der Rente

Viele Erwerbsgeminderte sind deswegen auf Grundsicherung oder auf Wohngeld angewiesen, um überhaupt über die Runden zu kommen.

Zu einer Rente wegen voller Erwerbsminderung lassen sich monatlich 525 Euro dazuverdienen, ohne dass sie gekürzt wird. Bei einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung kommt es auf das Kalenderjahr innerhalb der letzten 15 Jahre an, in dem der oder die Teilerwerbsgeminderte am meisten verdient hat.

Ein Beispiel: In dem Jahr mit dem höchsten Verdienst lag das Einkommen beim 1,2fachen des Durchschnittsverdienstes. Die Hinzuverdienstgrenze beträgt dann knapp 3200 Euro pro Monat in West- und etwa 3030 Euro pro Monat in Ostdeutschland. Hat der oder die Teilerwerbsgeminderte in den letzten fünfzehn Jahren nie mehr als die Hälfte des Durchschnittsverdienstes erwirtschaftet, beträgt die Hinzuverdienstgrenze im Westen gut 1330, im Osten etwa 1260 Euro pro Monat.

Rente plus zusätzliche verdientes Geld dürfen Einkommen der letzten 15 Jahre nicht übersteigen

Einkünfte, die über die jeweilige Hinzuverdienstgrenze hinausgehen, werden zu vierzig Prozent auf die Rente angerechnet. Es gibt jedoch auch einen je individuell zu berechnenden Hinzuverdienstdeckel. Einkünfte, die den Deckel übersteigen, mindern die Rente um hundert Prozent. Der Sinn dieser Regelung ist, dass die Rente plus der Hinzuverdienst nicht höher sein sollen als das höchste Einkommen der letzten 15 Jahre.

Da die rechtlichen Grundlagen der Erwerbsminderungsrente und insbesondere die Hinzuverdienstregelungen recht komplex sind, ist Erwerbsgeminderten vor Antragstellung, und falls sie bereits Rentenleistungen bekommen, vor Aufnahme einer Beschäftigung eine vorherige Beratung bei der Rentenversicherung zu empfehlen.

Und dem Gesetzgeber ist zu empfehlen, die Erwerbsminderungsrente so zu reformieren, dass sie das Risiko der Erwerbsunfähigkeit auch auskömmlich abdeckt. (Martin Staiger)

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