Frisches Gemüse ist natürlich immer eine gute Wahl - besonders im hohen Alter ist die Ernährung wichtig.
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Viele Rentnerinnen und Rentner sind von den kommenden Neuerungen betroffen. (Symbolfoto)

Altersvorsorge

Rente 2022: Erwerbsminderungsrente, Besteuerung, Hinzuverdienst – was sich alles ändert

  • Sophia Lother
    VonSophia Lother
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Hinzuverdienstgrenze, Rentenpunkte und Besteuerung: Bald kommen konkrete Änderungen, auf die sich Rentnerinnen und Rentner einstellen müssen.

Frankfurt – Bei der Rente stehen wieder einige Veränderungen für Seniorinnen und Senioren an. Während unter anderem die Rentenerhöhung im Juli 2022 kommt, wirkt sich das auch auf Rentenpunkte aus. Darüber hinaus stehen bei der Altersvorsorge bald in Sachen Hinzuverdienstgrenze und im Hinblick auf die Besteuerung Änderungen auf dem Plan. Alles Wichtige hier im Detail.

Die Rentenerhöhung von 5,35 Prozent in Westdeutschland und 6,12 Prozent in Ostdeutschland ab Juli wirkt sich auch auf die Rentenpunkte aus. Denn: Der Rentenwert, der in der Rentenformel dem Gegenwert eines Entgeltpunktes entspricht, erhöht sich. Um die eigene monatliche Rentenhöhe zu ermitteln, werden Entgeltpunkte, Zugangsfaktor, aktueller Rentenwert und Rentenartfaktor miteinander multipliziert. Die Erhöhung des Rentenwerts im Überblick:

Erwerbsminderungsrente: Erhöhung steht bevor – was Sie beachten müssen

Alle Betroffenen, die zu krank sind, um mehr als sechs Stunden am Tag zu arbeiten, haben bereits teilweise Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente. Grundvoraussetzung ist, dass die Regelaltersgrenze nicht überschritten wird. Zudem sind bestimmte Versicherungszeiten eine Bedingung. So gelten fünf Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung als Minimum. Zu den weiteren Voraussetzungen zählt unter anderem auch, wie viel Betroffene täglich arbeiten können. Auch bei der Erwerbsminderungsrente steht eine Erhöhung an.

Rentenwert WestRentenwert Ost
Vor Juli 202234,19 Euro33,47 Euro
Ab Juli 202236,02 Euro35,52 Euro

Allerdings ist dieser laut Sozialminister Hubertus Heil (SPD) erst ab Juli 2024 vorgesehen. Zuschläge von bis zu 7,5 Prozent sind geplant. Etwa drei Millionen Menschen sollen dann langfristig mehr Geld bekommen.

Rente 2022: Was sich bald für Rentnerinnen und Rentner ändert

Noch im Jahr 2022 haben Rentnerinnen und Rentner, die nach mindestens 35 Arbeitsjahren, aber vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen, in Sachen Hinzuverdienstgrenze Glück. Diese wurde wie schon 2021 deutlich erhöht. So beträgt die Hinzuverdienstgrenze weiterhin 46.060 Euro. Vorher betrug diese Grenze für Frührentnerinnen und Frührentner lediglich 6300 Euro. Doch auf was müssen sich Seniorinnen und Senioren im Jahr 2023 einstellen?

Die neun größten Mythen zur Rente

Kommt die Rente automatisch? Wie lange muss man mindestens gearbeitet haben? Und muss sie sogar versteuert werden? Das sind nur einige von vielen Fragen zur Altersvorsorge, die wir Ihnen nachfolgend beantworten wollen.
Kommt die Rente automatisch? Wie lange muss man mindestens gearbeitet haben? Und muss sie sogar versteuert werden? Das sind nur einige von vielen Fragen zur Altersvorsorge, die wir Ihnen nachfolgend beantworten wollen. Dabei wollen wir auch über gewisse Mythen aufklären. © Frank Hoermann/Sven Simon/Imago
Mythos 1: Die Rente kommt automatisch. Hierbei handelt es sich um einen Irrtum. Alle Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung müssen schriftlich beantragt werden.
Mythos 1: Die Rente kommt automatisch. Hierbei handelt es sich um einen Irrtum. Alle Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung müssen rechtzeitig schriftlich beantragt werden. © Imago
Mythos 2: Die Rente muss nicht versteuert werden. Auch das ist nicht richtig. Renten sind grundsätzlich Einkommenssteuer- beziehungsweise Lohnsteuerpflichtig. Jedoch wird das Geld derzeit nicht voll versteuert. Der Prozentsatz hängt vom Zeitpunkt des Renteneintritts ab.
Mythos 2: Die Rente muss nicht versteuert werden. Auch das ist nicht richtig. Renten sind grundsätzlich Einkommenssteuer- beziehungsweise Lohnsteuerpflichtig. Jedoch wird das Geld derzeit nicht voll versteuert. Der Prozentsatz hängt vom Zeitpunkt des Renteneintritts ab. © Joseffson/Imago
Mythos 3: Ein Reha-Aufenthalt mindert die Rente. Nein, ganz im Gegenteil: Während einer Rehabilitation werden die Pflichtbeiträge zu 80 Prozent des vergangenen Bruttolohns von der Rentenversicherung gezahlt, was den späteren Rentenanspruch erhöht.
Mythos 3: Ein Reha-Aufenthalt mindert die Rente. Nein, ganz im Gegenteil: Während einer Rehabilitation werden die Pflichtbeiträge zu 80 Prozent des vergangenen Bruttolohns von der Rentenversicherung gezahlt, was den späteren Rentenanspruch erhöht. © Zinkevych/Imago
Mythos 4: Die Rente gibt es erst, wenn man mindestens 15 Jahre gearbeitet hat. Das ist falsch. Die Mindestversicherungszeit für die Regelaltersrente beträgt fünf Jahre.
Mythos 4: Die Rente gibt es erst, wenn man mindestens 15 Jahre gearbeitet hat. Das ist falsch. Die Mindestversicherungszeit für die Regelaltersrente beträgt fünf Jahre. © Daniel Naupold/dpa
Mythos 5: Zur Rente darf man unbegrenzt hinzuverdienen. Das stimmt so nicht, denn eine Grenze gibt es schon. Wer früher in Rente geht oder erwerbsunfähig ist, kann bis zu 6300 Euro dazuverdienen. Verdient man mehr, kann der Rentenanspruch teilweise oder sogar ganz verloren gehen.
Mythos 5: Zur Rente darf man unbegrenzt hinzuverdienen. Das stimmt so nicht, denn eine Grenze gibt es schon. Wer früher in Rente geht oder erwerbsunfähig ist, kann bis zu 6300 Euro dazuverdienen. Verdient man mehr, kann der Rentenanspruch teilweise oder sogar ganz verloren gehen. © Imago
Mythos 6: Nach 45 Jahren kann man schon mit 63 in Rente gehen. Das stimmt nur zum Teil. Wer besonders langjährig versichert ist, das heißt etwa 45 Jahre, kann grundsätzlich früher in Rente gehen. Das Eintrittsalter verschiebt sich allerdings je nach Geburtsjahr nach hinten.
Mythos 6: Nach 45 Jahren kann man schon mit 63 in Rente gehen. Das stimmt nur zum Teil. Wer besonders langjährig versichert ist, das heißt etwa 45 Jahre, kann grundsätzlich früher in Rente gehen. Das Eintrittsalter verschiebt sich allerdings je nach Geburtsjahr nach hinten. © ME Lukashevich/Imago
Mythos 7: Nur Frauen bekommen die Witwenrente. Das ist in jedem Fall ein Irrtum. Seit 1986 sind sowohl Frauen als auch Männer in der Rentenversicherung gleichberechtigt.
Mythos 7: Nur Frauen bekommen die Witwenrente. Das ist in jedem Fall ein Irrtum. Seit 1986 sind sowohl Frauen als auch Männer in der Rentenversicherung gleichberechtigt. © Jens Kalaene/dpa
Mythos 8: Die Höhe der Rente setzt sich vor allem aus den letzten Arbeitsjahren zusammen. Auch das ist falsch. Die Rentenhöhe berechnet sich aus dem gesamten Versicherungsleben.
Mythos 8: Die Höhe der Rente setzt sich vor allem aus den letzten Arbeitsjahren zusammen. Auch das ist falsch. Die Rentenhöhe berechnet sich aus dem gesamten Versicherungsleben. © Imago
Mythos 9: Wer sich lange Zeit um die Kinder kümmert, hat einen geringeren Rentenanspruch. Das ist nicht wahr. Beschäftigte in Elternzeit haben trotz allem einen Anspruch, obwohl sie eine Weile weniger oder gar nicht arbeiten.
Mythos 9: Wer sich lange Zeit um die Kinder kümmert, hat einen geringeren Rentenanspruch. Das ist nicht wahr. Beschäftigte in Elternzeit haben trotz allem einen Anspruch, obwohl sie eine Weile weniger oder gar nicht arbeiten.  © Michael Gstettenbauer/Imago

Im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP heißt es hierzu, man wolle „die Regelung zum Hinzuverdienst bei vorzeitigem Rentenbezug entfristen“. Ob dies bereits im nächsten Jahr der Fall sein wird, wird im Koalitionsprogramm nicht genannt. Auf Anfrage von Focus Online erklärte das Bundesarbeitsministerium jedoch, dass die Entfristungnoch in diesem Jahr umgesetzt“ werde.

Besteuerung der Rente: Was sich ändern soll

Auch im Hinblick auf die Besteuerung der Rente hält der Koalitionsvertrag Änderungen bereit. Demnach soll die vielfach kritisierte Doppelbesteuerung der Rente vermieden werden. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat angekündigt, dass die Beiträge zur Rentenversicherung bereits ab 2023 vollständig von der Steuer absetzbar sind – und nicht wie ursprünglich geplant erst 2025.

Auch bei der Besteuerung der Rente gibt es im Koalitionsvertrag gute Nachrichten. Der steuerpflichtige Rentenanteil soll ab 2023 nur noch um einen halben Prozentpunkt steigen. Eine Vollbesteuerung der Renten werde damit erst ab 2060 erreicht. Für einen Renteneintritt im Jahr 2022 liegt der Anteil bei der Versteuerung der Rente aktuell bei 82 Prozent. (Sophia Lother)

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