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Dutzende von Schlittschuhläufern laufen auf der gefrorene Oberfläche von Amsterdams historischem Prinsengracht-Kanal
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In den Niederlanden ist die Grundrente viel höher als in Deutschland. (Archivbild)

Altersvorsorge

Höhere Rente in den Niederlanden: System auch in Deutschland anwendbar?

  • Moritz Serif
    VonMoritz Serif
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In den Niederlanden erhalten Rentner:innen mehr Geld. Dort erhält jeder eine beitragsfinanzierte Grundrente. Ist das System auch in Deutschland denkbar?

  • Die Rente von Senior:innen in Deutschland ist teils niedriger als in den Nachbarländern.
  • Die Grundrente wird dort anders geregelt.
  • Lässt sich die Altersvorsorge mit dem System der Niederlande überhaupt vergleichen?

Berlin/Amsterdam – Durchschnittlich 1200 Euro im Monat Rente und das auch, wenn Seniorinnen und Senioren nicht eingezahlt haben: Das ist eine der Säulen des Systems in den Niederlanden. Auch in Skandinavien und in Österreich bekommen Senioren im Schnitt höhere Beiträge ausgezahlt. Zum Vergleich: In Deutschland sind es im Median 982 Euro im Monat. Ein großes Gefälle gibt es bei Männern und Frauen. Auch zwischen Ost und West gibt es deutlich Unterschiede, wie eine Antwort des Sozialministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag gezeigt hat.

Kann sich die Bundesrepublik etwas vom Nachbarland abschauen? Das hat der wissenschaftliche Dienst des Bundestages im Januar untersucht. Demnach wird die Rente in den Niederlanden ebenfalls über öffentlich-rechtliche Pflichtbeiträge, eine betriebliche Altersversorgung und individuelle Vorsorge finanziert. Allerdings sei das System anders ausgestaltet. Jede:r bekommt mit der Algemene Oudersdomswet (AOW) eine beitragsfinanzierte Grundrente ausgezahlt – unabhängig von der Einzahlung und auch ohne Bedürftigkeitsprüfung, wie sie in Deutschland erfolgt.

Rente in den Niederlanden: Wann es mehr Grundrente für die Bürger:innen gibt

Je länger man in den Niederlanden wohnt, desto mehr Grundrente gibt es. Außerdem kann der „Bedarf von der steuerfinanzierten Sozialhilfe ergänzt werden“, heißt es in dem Gutachten des Bundestages. Im Nachbarland bezeichnet man die drei Säulen der Alterssicherung auch als „Cappuccino-Modell“. Die Grundrente der AOW symbolisiere den Kaffee, die Betriebsrente die Sahne und die private Vorsorge den Kakao.

Die AOW finanziert Altersrenten und Hinterbliebenenrenten. Risiken wie die Erwerbsminderung werden abgesichert. Einen Anspruch auf Altersrente haben Versicherte, die mindestens ein Jahr in den Niederlanden gelebt oder gearbeitet haben. Seit 2013 wird die Altersgrenze weiter angehoben – aktuell sind es 66 Jahre und vier Monate. Im Jahr 2067 soll man mit 71 Jahren die AOW beziehen können. Das ist ein großer Unterschied im Vergleich zu dem Rentensystem in Deutschland.

Rente – In den Niederlanden bekommen Rentner:innen monatlich rund 1218 Euro

Alleinstehende bekommen 70 Prozent des Nettomindestlohns gezahlt. Ab Januar 2021 beträgt die AOW-Grundrente monatlich 1218 Euro. Arbeitgeber:innen sind an der Finanzierung nicht beteiligt. Wer keine Arbeit oder ein Einkommen unterhalb des steuerlichen Grundfreibetrags hat, ist beitragsfrei versichert. Die betriebliche Altersvorsorge ist allerdings nicht von der Grundrente der AOW umfasst. Vertretungen von Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen bestimmen die Höhe der Beiträge und Leistungen selbst.

Die Grundrente der AOW und die Betriebsrente sollen in den Niederlanden rund 70 bis 75 Prozent des letzten oder des Durchschnittsverdienstes zahlen. Eine private Altersvorsorge ist im Unterschied zu Deutschland weniger von Bedeutung, da bereits die Grundrente und die weit verbreitete betriebliche Rente eine wichtige Säule im Rentensystem des Nachbarlandes darstellt. Allerdings hat die Finanzkrise 2008 gezeigt, dass es durchaus riskant sein kann, die Alterssicherung am Kapitalmarkt anzulegen.

Rente: System in Deutschland mit den Niederlanden nur bedingt vergleichbar

Niedrige Zinsen wirken sich außerdem negativ auf die betriebliche Altersversorgung aus. Daher soll sie bis 2022 überarbeitet werden. Die Rentenleistungen sollen sich dann noch mehr an den Renditen orientieren. Bei einer Unterfinanzierung könnten dann auch Leistungen gekürzt werden. Insgesamt kommt der Bundestag zu dem Schluss, dass sich die Systeme von Deutschland und Nachbarland Niederlande klar voneinander unterscheiden. Ein Vergleich erschwere sich dadurch. (Moritz Serif)

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