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Altersbezüge

Rente: Die betriebliche Altersvorsorge lohnt sich nicht immer – worauf Sie achten sollten

  • Yannick Wenig
    vonYannick Wenig
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Mit der betrieblichen Altersvorsorge können Beschäftigte zusätzlich zur gesetzlichen Rente für das Leben im Alter vorsorgen. Aber nicht immer lohnt sich die Betriebsrente.

  • Das Niveau der gesetzlichen Rente* in Deutschland sinkt stetig.
  • Darüber hinaus können Beschäftigte über die Betriebsrente für die Zeit nach dem Arbeitsleben vorsorgen.
  • Doch nicht immer lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge wirklich.

Frankfurt - In Sachen Rente verlassen sich etwa 30 Millionen Arbeitnehmer:innen in Deutschland voll auf die gesetzliche Rente. Doch die Höhe dieser Altersbezüge wird voraussichtlich in den nächsten Jahren weiter schrumpfen. Umso höher wird der Stellenwert der beiden weiteren Eckpfeiler der Altersvorsorge in Deutschland, um den Lebensstandard auch nach dem Arbeitsleben zu halten: private Rentenversicherungen sowie die betriebliche Altersvorsorge (bAV).

Sowohl mit privater als auch mit betrieblicher Altersvorsorge lässt sich die Rentenlücke, also die Differenz zwischen der gesetzlichen Rente und dem letzten Gehalt als Berufstätiger, zumindest verkleinern. Bei der Betriebsrente spart man somit gemeinsam mit der Chefin oder dem Chef Geld für das Leben im Alter an.

Verschiedene Möglichkeiten zur Betriebsrente: Lohnt sich betriebliche Altersvorsorge?

Doch was in erster Linie gut und simpel klingt, ist durchaus komplex. Denn: Betriebsrente ist nicht immer gleich Betriebsrente. In Deutschland gibt es insgesamt fünf Möglichkeiten, die betriebliche Altersvorsorge (bAV) umzusetzen. Gerade bei den Erträgen und den Steuern unterscheiden sich diese zum Teil deutlich.

BetriebsgrößeFördersumme der Betriebsrente in Deutschland (2018)
Kleinstbetrieb (zehn oder weniger Beschäftigte)3,1 Millionen Euro
Kleinbetrieb (zwischen zehn und 50 Beschäftigten)5,7 Millionen Euro
Mittelbetrieb (zwischen 50 und 250 Beschäftigten)12,7 Millionen Euro
Großbetrieb (mehr als 250 Beschäftigte)45,3 Millionen Euro
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2021

Die finanziellen Leistungen, die Arbeitgeber:innen ihren Angestellten mit der Betriebsrente zusagen, beinhalten laut Verbraucherschutzzentrale.de die lebenslangen Rentenzahlungen an ehemalige Arbeitnehmer:innen, Hinterbliebenenversorgung und Invaliditätsversorgung. Für diese Leistungen der Altersvorsorge* schließen Arbeitgeber:innen zumeist Verträge mit Pensionskassen, Pensionsfonds, Direktversicherungen oder Unterstützungskassen ab. Aber auch Direktzusagen seitens der Chefs sind möglich. Dabei werden Rücklagen angehäuft, die beim Renteneintritt* ausgezahlt werden. Je nach Unternehmen geschieht dies zumeist in Form von Vorsorgeplänen oder Altersvorsorgekonten.

Alle Formen der betrieblichen Altersvorsorge sind steuerpflichtig

Dabei gibt es grundsätzlich zwei Modelle: Entweder zahlen Arbeitgeber:innen dabei die betriebliche Altersvorsorge allein, oder sie bezuschussen einen Teil des Bruttogehalts der Beschäftigten, das für die Betriebsrente aufgewendet wird. Gemäß dem Fall, dass Arbeitgeber:innen den Beitrag alleine zahlen, erübrigt sich für Arbeitnehmer:innen grundsätzlich die Frage nach der Rentabilität, denn schließlich müssen sie kein Geld selbst in die Hand nehmen.

Allerdings sind alle Formen der betrieblichen Altersversorgung zu 100 Prozent steuerpflichtig.* Dabei spielt es im Übrigen keine Rolle, ob die Betriebsrente als Einmalzahlung oder monatlich ausgeschüttet wird. Auch der volle Beitrag auf die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung wird fällig.

Betriebliche Altersvorsorge: Vorsicht, wenn Beschäftigte selbst für Betriebsrente aufkommen müssen

Schwieriger wird es, wenn Arbeitnehmer:innen selbst Zahlungen für die betriebliche Altersvorsorge zu leisten haben. Auch wenn stets Anspruch auf Entgeltumwandlung besteht. Das heißt, wenn sie einen Teil ihres monatlichen Bruttoeinkommens dafür nutzen können. Das verdeutlicht die Verbraucherschutzzentrale anhand eines Beispiels: Bei einem monatlichen Bruttogehalt von 2500 Euro bleibt ohne die genannte Entgeltumwandlung ein Nettogehalt von 1659,87 Euro übrig. Mit einer Entgeltumwandlung in Höhe von 150 Euro wird am Monatsende ein Nettogehalt von 1580,12 Euro auf das Konto überwiesen. Also 79,75 Euro weniger. Für diesen monatlichen Nettoaufwand fließen durch den Arbeitgeber letztlich allerdings 150 Euro in die Betriebsrente ein.

Aber dennoch ist Vorsicht geboten: Da nämlich effektiv weniger Einkommen zur Verfügung steht, auf das Steuern und Sozialabgaben berechnet werden, fließt auch weniger Geld in die gesetzliche Rente ein. So kann es passieren, dass die Höhe der Rente* insgesamt am Ende sogar kleiner ausfällt - und zwar Monat für Monat. Die Entgeltumwandlung reduziert also „die Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung und damit auch die Ansprüche auf Kranken-, Eltern-, und Arbeitslosengeld sowie Erwerbsminderungsrente und Rente“, heißt es vonseiten der Verbraucherschutzzentrale.

Neben gesetzlicher und privater Rente nutzen viele Arbeitnehmer:innen auch die betriebliche Altersvorsorge. (Symbolbild)

Betriebliche Altersvorsorge: Entgeltumwandlung kann zu Rentenverlust führen

Wirklich lohnend ist die Betriebsrente daher nur, wenn Chefs sich mit gut 20 bis 30 Prozent am Bruttobeitrag beteiligen. Seit 2019 sind Arbeitgeber:innen sogar dazu verpflichtet, Neuverträge zu bezuschussen. Ab 2022 tritt diese Regelung sogar für bestehende Verträge in Kraft. Diese Verpflichtung gilt aber nur dann, wenn dieser durch die Entgeltumwandlung bei der Betriebsrente Sozialversicherungsbeiträge einspart.

Ob sich die betriebliche Altersvorsorge schlussendlich lohnt, wenn man sich die Beiträge mit dem Unternehmen teilt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die es zu berücksichtigen gilt. Zum einen sind das immer die Vertragskosten für eine betriebliche Rente. Viele Betriebe bieten nämlich lediglich die üblichen Direktversicherungen an, die zu ähnlichen Konditionen auch auf dem freien Markt zu erhalten sind. Nur wenn Arbeitgeber:innen einen wesentlichen Prozentsatz der Rentenbeiträge übernehmen sind diese zu vernachlässigen.

Zum anderen ist es sinnvoll, bei der Höhe der Betriebsrente moderat vorzugehen. Auch wenn es durchaus paradox klingt, diese sollte jedoch nie zu hoch ausfallen. Denn höhere Zahlungen bedeuten anteilig auch mehr Sozialabgaben und Steuern, was sich wiederum negativ auf die gesetzliche Rente auswirkt. Die monatliche Freigrenze im Jahr 2021 beträgt 164,50 Euro. Wird diese Summe überschritten, werden Abgaben fällig.

Wann lohnt sich betriebliche Altersvorsorge? Betriebsrente nicht geeignet bei häufigen Jobwechseln

Gerade für Personen, die häufig ihren Job wechseln oder sogar eine Selbstständigkeit planen, eignet sich die Betriebsrente laut Verbraucherschutzzentrale nicht, da der Betrag bei Berufswechseln nicht immer übertragen werden kann. Es muss also ein neuer Vertrag abgeschlossen und der alte stillgelegt oder privat fortgeführt werden.

Dagegen lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge bei den Arbeitnehmer:innen, die eine geringe Rente erwarten oder gar befürchten, später auf Grundsicherung angewiesen zu sein. Oder eben bei allen Beschäftigten, bei denen das Unternehmen den vollen Beitrag zur Betriebsrente leistet. Dann gilt es, die zusätzliche Absicherung mitzunehmen. Im Übrigen ist die Betriebsrente in Deutschland gesetzlich gesichert. Sie bleibt also auch dann bestehen wenn ein ehemaliges oder aktuelles Unternehmen nicht mehr existiert. Dann übernimmt der Versicherer die Rentenzahlungen oder der Pensionssicherungsverein tritt auf den Plan. (Yannick Wenig) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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