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Rentenerhöhung fällt doch geringer aus.
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Eintrittsalter, Altersvorsorge, Rentenniveau: Das sind die Versprechen der Ampel-Koalition.

Koalitionsvertrag

Rente in Deutschland: Eintrittsalter und Besteuerung - die Pläne der Ampel-Koalition

  • Michelle Brey
    VonMichelle Brey
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Was plant die künftige Bundesregierung in Bezug auf das Rentensystem in Deutschland? Der Koalitionsvertrag gibt Aufschluss darüber.

München - Wie geht es weiter mit der Rente in Deutschland? Die Ampel-Parteien haben sich im Koalitionsvertrag auf einige wesentliche Punkte geeinigt. „Der große Wurf“ sei der zukünftigen Bundesregierung um SPD, Grüne und FDP allerdings nicht gelungen. So äußerte sich Rentenexperte Johannes Geyer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gegenüber zdf.de.

Das Instiut für Weltwirtschaft Kiel (IfW) hat die Rentenpläne als unzureichend kritisiert. So werde das Thema „eher verwaltet, als wirklich den demografischen Herausforderungen zu begegnen. Was bleibt und was ändert sich? Ein Überblick.

Rente in Deutschland: Die Versprechen der Ampel-Parteien

Fakt ist: Die Ampel-Koalition wird am Prinzip der gesetzlichen Rente - und damit am Generationenvertrag - festhalten. So ist vereinbart worden, dass es keine Rentenkürzungen und keine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters* geben wird. Trotz der Warnung von Wirtschaftsexperten bleibt die Rente ab 67 also bestehen.

Weitere Versprechen der Ampel-Parteien:

  • In der Legislaturperiode (die kommenden vier Jahre) soll der Rentenbeitragssatz nicht über 20 Prozent ansteigen.
  • Das Mindestrentenniveau von 48 Prozent soll dauerhaft gesichert werden.
  • Auch Freiberufler und Selbstständige sollen künftig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Der Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien schränkt ein: „Sofern sie nicht im Rahmen eines einfachen und unbürokratischen Opt-Outs ein privates Vorsorgeprodukt wählen.“

„Teilweise Kapitaldeckung“: Die Pläne zur Rente von SPD, FDP und Grüne

Um den Generationenvertrag aufrechtzuerhalten, soll in eine „teilweise Kapitaldeckung“ der gesetzlichen Rentenversicherung eingestiegen werden. Dies soll über Aktienfonds geschehen. Die teilweise Kapitaldeckung soll „als dauerhafter Fonds von einer unabhängigen öffentlich-rechtlichen Stelle professionell verwaltet werden und global anlegen“.

Im Koalitionsvertrag der Ampel heißt es weiter: „Dazu werden wir in einem ersten Schritt der Deutschen Rentenversicherung im Jahr 2022 aus Haushaltsmitteln einen Kapitalstock von 10 Milliarden Euro zuführen.“ Die IfW bezeichnete den Einstieg in die Kapitaldeckung als „löblich, auch wenn dafür wahrscheinlich zusätzliche Schulden aufgenommen werden. Ganz generell kritisierten die Wirtschaftsexperten die geplante hohe Verschuldung. Der Staat „saugt sich 2022 mit Krediten voll“, hieß es.

Des Weiteren soll das System der privaten Altersvorsorge grundlegend reformiert werden und attraktiver machen. Auch hier soll ein Fonds eingeführt werden. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: „Wir werden dazu das Angebot eines öffentlich verantworteten Fonds mit einem effektiven und kostengünstigen Angebot mit Abwahlmöglichkeit prüfen.“ 

Rente: Ampel-Koalition führt Nachholfaktor wieder ein - und erntet Kritik

Ab 2022 soll der Nachholfaktor in der Rentenberechnung laut Ampel-Koalition* wieder aktiviert werden. Er war seit 2018 deaktiviert. So wolle man sicherstellen, „dass sich Renten und Löhne im Zuge der Coronakrise insgesamt im Gleichklang entwickeln“. Zudem stärke man die Generationengerechtigkeit und die Stabilität der Beiträge. Kritik kam hierfür vom Sozialverband VdK.

Mit der Wiedereinführung des Nachholfaktor sorgten SPD, Gründe und FDP für mehr Ungerechtigkeit, erklärte VdK-Präsidentein Verena Bentele Ende November. „Es ist ein Trugschluss, dass der Nachholfaktor mehr Generationengerechtigkeit schafft“, sagte sie. Das Gegenteil sei der Fall: „Niedrigere Rentenanpassungen von heute führen zu niedrigen Renten von morgen.“

Nach „Nullrunde“: Rentenerhöhung niedriger als erwartet

Mit dem Nachholfaktor werden unterbliebene Kürzungen der Renten mit künftigen Erhöhungen verrechnet. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte am 28. November angekündigt, dass die Rentenerhöhung dadurch im kommenden Jahr geringer ausfallen wird als erwartet. Ab Juli 2022 würden die Renten um 4,4 Prozent steigen, sagte er der Bild am Sonntag. Vorhergesagt worden waren zuvor 5,2 Prozent.

„Die Löhne steigen künftig deutlich stärker als die Renten“, kritisierte Bentele unter Verweis auf den Sozialversicherungsbericht 2021 der Bundesregierung. Demnach steigen die Altersrenten im Zeitraum 2021 bis 2035 um 37 Prozent, die Löhne hingegen um 53 Prozent. Kürzungsfaktoren wie der Nachholfaktor müssten dauerhaft aus der Rentenformel gestrichen werden, damit die Rentner nicht „auch in Zukunft abgehängt“ würden, forderte sie. Zudem sprach sie sich „nach der Nullrunde in diesem Jahr“ für eine „ordentliche Rentenanpassung, die den Kaufkraftverlust ausgeleicht“, aus.

Rente: Weitere Änderungen im Überblick

  • Die Regelung zum Hinzuverdienst bei vorzeitigem Rentenbezug soll entfristet werden. Wie viel Geld sich Rentner damit pro Jahr hinzuverdienen können, blieb im Koalitionsvertrag jedoch offen. 2021 lag die Verdienstgrenze bei jährlich 46.060 Euro.
  • Die doppelte Rentenbesteuerung soll laut SPD, Grüne und FDP in Zukunft vermieden werden. Der Vollabzug der Rentenversicherungsbeiträge als Sonderausgaben soll deshalb bereits 2023 (statt 2025) erfolgen. Der steuerpflichtige Rentenanteil soll ab 2023 um einen halben Prozentpunkt steigen.

(mbr mit dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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