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Welche Länder bei der Rente bereits auf Aktien setzen

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Von: Clara Veiga Pinto

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Die FDP will die umstrittene Aktienrente einführen. Einige europäische Länder setzen bereits erfolgreich auf Aktien in der Altersvorsorge.

Frankfurt– Die FDP will die gesetzliche Rente reformieren und dabei auf Aktien setzen. Im Koalitionsvertrag von SPD, Grüne und FDP kündigten die Koalitionspartner an, „die gesetzliche Rentenversicherung um eine teilweise Kapitaldeckung“ zu erweitern.

Im Zuge der gesetzlichen Aktienrente sollen zwei Prozent des Bruttoeinkommens in einen unabhängig verwalteten, vollständig aktienbasierten Fonds fließen. Das schlägt die FDP vor.

FDP will Rente reformieren: Kernproblem lässt sich nicht lösen

Der Reformbedarf der gesetzlichen Rente ist groß, denn das Kernproblem lässt sich nicht lösen: Es gibt immer weniger Beitragszahlende und immer mehr Leistungsbeziehende. Schon heute liegt daher das Rentenniveau vor Steuern (Nettowert) bei nur noch 49,4 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns. Nach Angaben des Bundessozialministeriums stehen jeder fünften Rente beziehenden Person monatlich weniger als 500 Euro zur Verfügung.

Mithilfe der Aktienrente könnte der gesamte Rentenbeitrag weiterhin 18,6 Prozent des Bruttolohns betragen, aber man müsste ihn aufteilen: 16,6 Prozent würden weiter ins Umlagesystem, während zwei Prozent des Bruttogehalts in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge fließen. Für die Verwaltung wäre eine öffentlich-rechtliche Stelle zuständig.

Rente mit Aktien soll kommen: Andere Länder setzten bereits auf Anteile

Kleine Einkommen würden so von Zinseszinseffekten profitieren und könnten „substanziell Vermögen“ aufbauen, erklären die FDP-Bundestagsabgeordneten Johannes Vogel und Christian Dürr, die das Konzept ursprünglich erstellt haben, in einer Pressekonferenz.

Andere Länder setzten bereits auf Aktien in der Rente. Sie gelten als Vorbild für das neu geplante Rentensystem:

  1. Schweden
  2. Großbritannien
  3. Niederlande
  4. Norwegen

Schweden, Großbritannien, Niederlande und Norwegen sind Vorreiter in der Rente

Die gesetzliche Rente in Schweden ist umlagefinanziert und kapitalgedeckt: Beitragsbeziehende erhalten die Rente von den Einzahlenden. 2,5 Prozent des Bruttoeinkommens müssen Versicherte in Vorsorgefonds investieren. Sie können dabei unter mehr als 800 Fonds wie zum Beispiel von Anbietern wie Fidelity, Schroders und Blackrock wählen.

Wer keine Wahl trifft, dessen Geld wird automatisch in AP7-Fonds angelegt, der staatlich verwaltet ist. Laut dem Fondsratinghaus Morningstar betragen die Gesamtkosten nur 0,11 Prozent im Jahr. Der AP7-Fonds zähle langfristig zu den besten weltweit anlegenden Aktienfonds am europäischen Fondsmarkt.

Die Aktienrente soll das Rentensystem in Deutschland entlasten.
Die Aktienrente soll das Rentensystem in Deutschland entlasten. © Arne Dedert/dpa

Rente mit Aktien: So funktioniert es in anderen Ländern

In Großbritannien gibt es ein anderes Rentensystem: Arbeitnehmende werden automatisch in einen Betriebsrentenplan einbezogen.

Das britische Alterssicherungssystem ist durch sehr niedrige staatliche Renten gekennzeichnet. Die Absicherung über betriebliche Systeme und die private Altersvorsorge hat hingegen ein hohes Gewicht. Daher gibt es eine öffentlich-rechtliche Institution, die die betriebliche Altersvorsorge anbietet. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen können so recht einfach eine Betriebsrente anbieten. 

Rente in den Niederlanden: 70 Prozent des Lohns können erreicht werden

In den Niederlanden bekommen die Menschen eine gesetzliche Grundrente. Sie zählt als erste Säule des Systems. Wichtig ist aber auch die zweite Säule: eine betriebliche Altersvorsorge. Mit den Leitungen der gesetzlichen Rente kann 70 Prozent des Lohns erreicht werden. Die Finanzierung erfolgt meist zu zwei Dritteln durch die Unternehmen und zu einem Drittel durch die Beschäftigten.

Das norwegische Rentensystem basiert auf einer staatlichen, einkommensabhängigen Rente. Außerdem gibt es eine obligatorische, am Kapitalmarkt orientierte Betriebsrente, in die der Arbeitgeber:innen mindestens zwei Prozent des Bruttolohns der Arbeitnehmenden einzahlen muss. Üblicherweise wird das Geld in Fondsprodukte angelegt.

Der norwegische Staatsfonds spielt dabei auch eine Rolle. Dieser verwaltet ein Vermögen von über einer Billion Dollar und investiert ebenfalls stark in Aktien. (Clara Pinto)

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