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Staatliche Aktienrente: Das ist geplant

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Von: Niklas Kirk, Kim Hornickel

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Später in den Ruhestand zu starten, kann sich lohnen. Rente und Gehalt können dabei kombiniert werden.
Die Aktienrente soll das Rentensystem in Deutschland entlasten. © Gustafsson/Imago

Die Einführung der Aktienrente zur Entlastung des Rentensystems ist im kommenden Jahr geplant. Kritik gibt es an der Art der Finanzierung.

Frankfurt – Geht es nach den Plänen von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), soll die geplante Aktienrente 2023 eingeführt werden. Dies berichtet die dpa am vergangenen Freitag (4. Oktober) unter Berufung auf ein Beschlusspapier aus dem Bundesfinanzministerium. Der für den Einstieg in die Kapitaldeckung notwendige Kapitalstock – eine sogenannte Aktienrücklage – soll laut dem Papier „teilweise kreditfinanziert“ aufgebaut werden – also mit Schulden.

Dazu sollen im Jahr 2023 Haushaltsmittel in Höhe von zehn Milliarden Euro bereitgestellt werden. Die Zweckbindung der Erträge des Kapitalstocks zugunsten der Deutschen Rentenversicherung soll dazu gesetzlich verankert werden, um einer zukünftigen Zweckentfremdung vorzubeugen. Der Fahrplan zur Einführung der Aktienrente sei mit dem Arbeits- und dem Wirtschaftsministerium abgestimmt.

Aktienrente in Deutschland soll kommen: Kommt ein Beitrag für Versicherte?

Mit der Aktienrente soll das Rentensystem in Deutschland um eine kapitalgedeckte Altersvorsorge erweitert werden. Dies sei nach Ansicht der Regierung notwendig, um einem Finanzierungsnotstand zuvorzukommen, der durch den Eintritt geburtenstarker Jahrgänge in die Rente drohe. Etwaige Erträge des Kapitalstocks sollen ab Mitte der 2030er Jahre einen Beitrag zur Stabilisierung der Beitragssatzentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung leisten.

Unklar ist indes weiter, ob und in welcher Höhe die Versicherten einen Beitrag zur Aktienrente leisten werden. Geht es nach der FDP, soll ein festgelegter Prozentsatz des Rentenversicherungsbeitrags direkt in die neue Aktienrente eingehen, wobei sich der bisherige Beitrag in die klassische Rentenversicherung entsprechend reduzieren soll. Somit entstünden für die Bürgerinnen und Bürgern keine zusätzlichen Abgaben. Bis es so weit ist, fließen die finanziellen Mittel aus Geldern des Bundes und Gewinnen am Kapitalmarkt.

Rente in Deutschland
Einführung:22. Juli 1889
Renten-Arten:Grund-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrente
Anzahl der Rentenversicherten insgesamt:25.840.734 (Stand: April 2022)
Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Aktienrente in Deutschland – Gewerkschaftsbund kritisiert Finanzierung durch Schulden

Kritik am Vorhaben des Ministeriums kam indessen vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Gegen die Finanzierung des Vorhabens argumentierte Vorstandsmitglied Anja Piel: „Jedem Privatanleger rät man davon ab, Aktiendepots über Schulden zu finanzieren.“ Zwar sei es richtig, dass angesichts des demografischen Wandels mehr Geld für Altersversorgung ausgegeben werden müsse, „ob es aber eine echte Entlastung für diese Herausforderung ist, sich dafür auf dem Kapitalmarkt zu verschulden, um dann aus den Erträgen eines Kapitalstocks Schuldendienste mit Zins und Zinseszins zu zahlen, ist höchst zweifelhaft.“

Der Chef des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, Markus Jerger, bezweifelt wiederum, ob die Aktienrente der aufkommenden Problematik tatsächlich Herr werden könne. „Unserem Rentensystem droht ab 2025 durch den Renteneintritt der Baby-Boomer-Generation der Finanzierungsnotstand. Bis 2040 sind es dann rechnerisch weniger als zwei Arbeitnehmer, die einen Rentner finanzieren. Auch die Aktienrente, die wir als zusätzliches Standbein der Altersvorsorge befürworten, kann die strukturellen Defizite nicht ausgleichen.“

Aktienrente in Deutschland: Norwegen als Musterbeispiel durch hohe Renditen

Vorbild für die deutsche Renten-Politik sind die skandinavischen Länder, darunter auch Norwegen. Dort spielt der Aktienmarkt bereits eine wichtige Rolle bei der Absicherung der Bevölkerung. Über einen staatlichen Aktienfonds finanziert, erhält jede:r Norweger:in eine garantierte Rente von 1600 Euro monatlich. Rund eine Billion Dollar ist der Fonds schwer, der durch die Einnahmen der Ölwirtschaft gespeist wird und damit die Rente der Bevölkerung sichert.

Kritiker:innen der deutschen Aktienrente sehen einen Erfolg der Rentenabsicherung nur durch nicht-staatliche Fondsverwalter gewährleistet. Die lehnte das Bundesfinanzministerium bisher jedoch ab. Dabei gibt es das Modell bereits, etwa beim staatlichen Atomfonds. Ein Team von 30 Börsen- und Rentenprofis erzielte 2020 ein Anlageergebnis von über acht Prozent, wie die Tagesschau berichtet. (Kim Hornickel und Niklas Kirk mit Agenturen)

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