1. Startseite
  2. Wirtschaft

Rente mit 63 immer beliebter – Probleme für Arbeitsmarkt

Erstellt:

Von: Karolin Schäfer

Kommentare

Die sogenannte Rente mit 63 ist beliebt. Immer mehr Menschen steigen vorzeitig aus dem Arbeitsleben aus. Das birgt allerdings auch Probleme.

Frankfurt – Um dem demografischen Wandel vorzubeugen, wird das Rentenalter in Deutschland schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Wer früher in den Ruhestand gehen möchte, muss mit Abzügen rechnen. Ein aktueller Trend zeigt jetzt allerdings, dass viele schon mit 63 Jahren den Arbeitsmarkt verlassen.

„Der Anstieg der Erwerbsbeteiligung bei älteren Beschäftigten in den letzten fünf Jahren“ sei weitgehend zum Stillstand gekommen, informierte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in einer Mitteilung am Samstag (10. Dezember). Doch was steckt dahinter?

Rente: „Aktuell scheiden viele mit 63 oder 64 Jahren aus dem Arbeitsmarkt aus“

Bei den sogenannten Babyboomer-Jahrgängen – nach dem Zweiten Weltkrieg geboren – seien in den vergangenen Jahren kaum noch Anstiege bei der Erwerbstätigkeit zu verzeichnen, wie eine Untersuchung des BiB ergab. „Aktuell scheiden viele bereits mit 63 oder 64 Jahren aus dem Arbeitsmarkt aus und damit deutlich vor der Regelaltersgrenze“, hieß es weiter.

Grund dafür seien die seit 2014 bestehende Möglichkeit zur Rente mit 63 – ohne Abzüge. Das gilt überwiegend für langjährig Versicherte. Wer also mindestens 45 Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert ist, kann früher in den Ruhestand gehen. Laut BiB nahm im vergangenen Jahr 2021 fast jeder dritte davon Gebrauch.

GeburtsjahrRenteneintrittsalter
195665 Jahre und 10 Monate
195765 Jahre und 11 Monate
195866 Jahre
195966 Jahre und 2 Monate
196066 Jahre und 4 Monate
196166 Jahre und 6 Monate
196266 Jahre und 8 Monate
196366 Jahre und 10 Monate
ab 196467 Jahre

Gleichzeitig verdeutlichen die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, dass ein Viertel vermehrt vor der Regelaltersgrenze in den Ruhestand geht und Abzüge bei der Rentenhöhe in Kauf nimmt. Der Mittelwert zeigt: Senior:innen gingen etwa 28 Monate früher in Rente.

Rente mit 63 – Sorge um Fachkräftemangel

Den Arbeitsmarkt stellt das allerdings vor große Herausforderungen. Der vorzeitige Austritt aus dem Erwerbsleben verstärke den Mangel an Fachkräften. „Die stagnierenden Zahlen zeigen, dass die Ausweitung der Erwerbstätigkeit in höhere Alter kein Selbstläufer ist“, sagte Elke Loichinger, Forschungsgruppenleiterin am BiB. Gründe für den vorzeitigen Austritt könnten auf die Corona-Pandemie zurückgeführt werden.

Die Rente mit 63 ist beliebt. Langfristig könnte das allerdings den Fachkräftemangel verstärken.
Die Rente mit 63 ist beliebt. Langfristig könnte das allerdings den Fachkräftemangel verstärken. © Michael Gstettenbauer/imago

Um Arbeitskräfte künftig länger in der Erwerbstätigkeit zu halten, müssten Anreize vor Eintritt in die Rente erfolgen. „Wenn der Ruhestand erst einmal erfolgt ist, kommen nur wenige ins Erwerbsleben zurück“, so Loichinger.

Rente: In den Vorjahren hat Erwerbstätigenquote im Alter zugenommen

Zwischen 2000 und 2015 dagegen hat die Erwerbstätigenquote im höheren Alter stark zugenommen. „Bei 60- bis 64-jährigen Männern hat sich die Erwerbstätigenquote mehr als verdoppelt, bei Frauen im gleichen Alter gab es sogar eine Vervierfachung“, teilte das BiB mit. Dies basierte unter anderem auf politischen Reformen, die den längeren Verbleib im Erwerbsleben förderten. „Gleichzeitig können heute im Vergleich zu früher mehr Tätigkeiten auch noch im höheren Alter ausgeführt werden“, erklärte Harun Sulak, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BiB. (kas)

Das Alter zum Renteneintritt erhöht sich stufenweise bis 2029 auf 67 Jahre. Laut Rentenbericht der OECD wird in einigen Ländern künftig die Rente mit 70 Jahren langfristig zur Realität.

Auch interessant

Kommentare