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Container sind die Basis des Welthandels ? eigentlich eine solide Anlagemöglichkeit.

P&R-Pleite

Ein Rennen gegen die Zeit

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Bei der P&R-Pleite stellt Insolvenzverwalter Michael Jaffe Geschädigten eine erste Abschlagszahlung 2020 in Aussicht. Die erste Gläubigerversammlung beginnt diese Woche. Die vielen Betroffenen füllen eine ganze Konzerthalle.

Es dürfte eine der größten Veranstaltungen dieser Art sein, die Deutschland jemals gesehen hat. Über 9 000 geschädigte Anleger werden am kommenden Mittwoch und Donnerstag die Münchner Olympiahalle bevölkern, eine Stätte, die sonst Rockkonzerten oder Sportveranstaltungen vorbehalten ist. Wegen der Dimension des Pleitefalls mit bundesweit 54 000 Geschädigten musste Insolvenzverwalter Michael Jaffe eine solche Lokalität wählen. Abgehalten werden dort die ersten Gläubigerversammlungen für drei insolvente Firmen aus dem Imperium des Unternehmers Heinz Roth. Der 75-Jährige ist Gründer des Containervermieters P&R, dessen deutsche Töchter seit März nach und nach Pleite gegangen sind. Rund 3,5 Milliarden Euro waren zu diesem Zeitpunkt bei P&R angelegt. 

Zentraler Punkt der Gläubigertreffen ist ein Bericht Jaffes zu den Krisenursachen, den Hintergründen der Insolvenz und bestehenden Verwertungsmöglichkeiten für die Insolvenzmasse. 

Bisherige Zwischenberichte sowie Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft lassen allerdings bereits tief blicken, spätestens seit die Justiz Roth Mitte September in Untersuchungshaft genommen hat. Die Ermittler legen dem Österreicher Anlagebetrug zur Last. Zuvor hatte Jaffe enthüllt, dass von 1,6 Millionen Schiffscontainern, die P&R verkauft hat, nur 618 000 Stück tatsächlich existieren. 

Über viele Jahre hinweg hätten die Roth-Gesellschaften mit Anlegern Verträge über Container geschlossen, die es de facto nie gegeben habe und die gar nicht angeschafft worden seien, erklärt Jaffe. Die Fehlmenge von einer Million Transportboxen habe sich ab 2007 immer mehr auf das heutige Maß aufgebaut. Dann folgt eine juristisch entscheidende Erkenntnis. „Neu eingeworbene Gelder wurden dazu genutzt, laufende Verbindlichkeiten aus Mietzahlungen und Rückkäufen gegenüber Altanlegern zu begleichen“, sagt Jaffe. 

Schneeballprinzip werden solche krummen Praktiken typischerweise genannt. Kriminalinsolvenz nennen Experten deshalb die P&R-Pleite. Weil die Graumarktgeschäfte, die nicht von ungefähr so heißen, über Jahre hinweg unter den Augen der deutschen Finanzaufsicht geschehen konnten, steht auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) im Urteil vieler Anwälte und Geschädigter in keinem guten Licht. Primäres Begehr ist es nun, zu retten, was noch zu retten ist, und das so schnell wie möglich. 

Besonderer Zeitdruck ergibt sich aus dem Alter der Anlegerschaft. Über ein Drittel der Geschädigten ist über 70 Jahre alt, hat Jaffe ermittelt. Nicht wenige von ihnen haben von P&R zufließende Renditen fest in ihre Altersvorsorge einbezogen und damit ihren Aufenthalt im Seniorenheim finanziert. Jaffe kennt diese Schicksale und plant deshalb eine erste Abschlagszahlung für Erlöse aus der Insolvenzmasse schon in zwei Jahren. „Eine erste Zahlung an die Gläubiger im Jahr 2020 scheint möglich“, sagt der Insolvenzverwalter. Das wäre in der Tat ungewöhnlich früh. Insolvenzverfahren vor allem in dieser Größenordnung und Komplexität ziehen sich nicht selten über zehn Jahre oder mehr. 

Zur entscheidenden Frage, wie viel Geld die Geschädigten sich erhoffen können, schweigt Jaffe allerdings und will das dem Vernehmen nach auch bei den Gläubigertreffen so halten. Zu viele Unwägbarkeiten gebe es noch. Seriöse Experten schätzen die Insolvenzquote, also den Teil der zu rettenden Gelder, auf maximal ein Viertel. Aktionärsschützer halten selbst das noch für zu optimistisch. Selbst im Fall erfolgreicher Schadenersatzklagen gegen Roth & Co dürfte angesichts der Milliardendimensionen weit mehr als die Hälfte der angelegten Gelder für immer verloren sein. Roths Privatvermögen wird auf maximal 13 Millionen Euro geschätzt. 

Entscheidend bleibt damit die Verwertung der Insolvenzmasse. Zwar laufe die Vermietung der Containerflotte in der Insolvenz derzeit stabil mit über 90 Prozent Auslastung, sagt Jaffe. Aber die Sicherungsmaßnahmen seien noch nicht abgeschlossen und die Verwertung könne nur erfolgreich sein, wenn Container nicht panisch zu Ramschpreisen verkauft würden. Auch ein Totalverlust sei dann nicht ausgeschlossen, warnt der Experte. 

In diesem Punkt dürften die Gläubigertreffen nicht harmonisch verlaufen. Denn diverse Geschädigte und deren Rechtsanwälte haben im Vorfeld schon Kritik an der Verwertungsstrategie Jaffes geäußert und individuelle Verwertungsrechte geltend gemacht. Es könnte also hoch hergehen bei den nicht öffentlichen Gläubigertreffen. 

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