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Die Rahmenbedingungen für den deutschen Einzelhandel waren 2015 günstig wie lange nicht.
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Die Rahmenbedingungen für den deutschen Einzelhandel waren 2015 günstig wie lange nicht.

Einzelhandel Analyse

Renaissance der fliegenden Händler

  • VonStefan Sauer
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Deutschland zerfällt beim Einkaufen in zwei Welten. In kleinen Städten und auf dem Land schließen immer mehr Läden für immer. Nun sind kreative Lösungen gefragt.

Beschäftigung auf Rekordniveau, Inflationsrate nahe Null, spürbar höhere Reallöhne, Kauflaune bestens: Die Rahmenbedingungen für den deutschen Einzelhandel waren 2015 günstig wie lange nicht. Entsprechend positiv fällt die Bilanz des Handelsverbands Deutschland (HDE) aus. Ein preisbereinigtes Umsatzplus von 2,8 Prozent wie 2015 hat die Branche zuletzt Mitte der 90er Jahre verbuchen können. Für 2016 erwartet der HDE nochmals ein Wachstum der Erlöse um real 1,5 Prozent auf dann 481,8 Milliarden Euro. Also alles gut? Nicht überall. Das Wachstum der Branche ist ziemlich ungleich verteilt. Auf der einen Seite verzeichnen Online-Händler seit Jahren weit überdurchschnittliche Zuwächse, die das Gesamtergebnis nach oben hieven. 2015 lag das Plus bei zwölf Prozent, für 2016 erwartet der HDE ein ähnliches Ergebnis. Lässt man den Lebensmittelbereich außer Acht, so liegt der Anteil des Internet-Handels am gesamten Einzelhandelsvolumen schon heute bei zehn Prozent. Bis 2020 dürfte er laut HDE auf 25 Prozent steigen. Auf der anderen Seite schließen immer mehr stationäre Geschäfte in kleinen Städten und erst Recht auf dem flachen Land. Eine Studie der Raumentwicklungsinitiative „Nahversorgt“ vom vergangenen Frühjahr belegt den dramatischen Rückgang insbesondere kleinerer Lebensmittelläden, Bäckereien und Fleischerfachbetriebe. Danach verschwanden zwischen 2008 und 2013 bundesweit fast 9000 solcher Verkaufsstellen vom Markt. Der HDE rechnet damit, dass bis 2020 insgesamt 50 000 Einzelhandelsgeschäfte dicht machen werden – und zwar ganz überwiegend im ländlichen Raum. Maßgeblich hierfür ist der Wegzug junger Menschen in begehrte Universitätsstädte und der Run auf Metropolen wie Berlin, Frankfurt, Leipzig, Köln oder München. Übrig bleiben überwiegend ältere Menschen, die eigentlich besonders auf eine wohnortnahe Versorgung angewiesen sind. Einfache Lösungen sind nicht in Sicht. Bestellungen übers Internet können zwar einen Teil des stationären Handels ersetzen, doch in entlegeneren Gebieten wird die Auslieferung teuer – oder sie lohnt für den Händler nicht. Eine Alternative bieten „mobile Supermärkte“, die auch kleine Ortschaften ansteuern. Nach einer Umfrage des Fachverbands „Mobile Verkaufsstellen“ halten etwa zwei Drittel der fahrenden Händler ein echtes Lebensmittel-Vollsortiment vor. Diese fahrenden Händler erleben laut HDE-Geschäftsführer Stefan Genth seit einiger Zeit einen „stillen Boom“. Belastbare Zahlen, die dies belegen könnten, gibt es allerdings nicht. Eine dritte Möglichkeit, die flächendeckende Grundversorgung mit Lebensmitteln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs sicherzustellen, kann in einer gezielten Stärkung des stationären Handels in Klein- und Mittelstädten liegen. Zu diesem Zweck will der HDE zeitnah gemeinsam mit dem Deutschen Städtetag eine „Initiative Innenstadt und Nahversorgung“ starten. Dabei wird es laut Genth beispielsweise um Konzepte gehen, wie in Wohngebieten die von Supermärkten verursachten Verkehrs- und Lärmbelastungen mit dem Ruhebedürfnis der Anwohner unter einen Hut gebracht werden können. Auch eine Entlastung bei der Gewerbesteuer bezeichnet der HDE als für den Standorterhalt hilfreich. In der Tat könnte sich dies für Kommunen als das kleinere Übel erweisen. Zwar müssten die Gemeinden auf einen Teil der Gewerbesteuereinnahmen verzichten. Die Steuerausfälle durch Geschäftsaufgaben wären allerdings noch viel schmerzhafter.

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