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Der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert startete am 23. September an der Frankfurter Börse.
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Der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert startete am 23. September an der Frankfurter Börse.

Boom

Rekordjahr für Börsengänge

  • vonRolf Obertreis
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Das weltweite Emissionsvolumen steigt auf den höchsten Wert seit 2010. In Deutschland aber schwächelt der Markt.

Weltweit gab es in diesem Jahr trotz Corona einen Boom bei Börsengängen. Es wagten sich so viele Unternehmen aufs Parkett wie zuletzt 2010. Darunter gab es fulminante Ereignisse, wie Anfang Dezember durch den Wohnungsvermittler Airbnb in den USA. Der Kurs der Aktie schnellte am ersten Handelstag um über 100 Prozent nach oben, nachdem der Emissionskurs zuvor ohnehin schon angehoben worden war. 3,5 Milliarden Dollar spülte der IPO (Initial Public Offering) Airbnb in die Kasse.

Unter dem Strich sammelten in diesem Jahr weltweit 1322 Unternehmen und damit 15 Prozent mehr als 2019 insgesamt 263 Milliarden Dollar ein. Das waren 26 Prozent mehr als im Vorjahr und es war das höchste Volumen seit zehn Jahren, wie das Beratungsunternehmen EY berichtet.

In Deutschland sieht es dagegen trübe aus: Gerade mal zwölf Unternehmen wagten den Sprung an die Börse, bei einem Emissionsvolumen von überschaubaren 1,6 Milliarden Euro. „Das war hierzulande das schwächste IPO-Jahr seit der Finanzkrise“, sagt Nadja Picard vom Beratungsunternehmen PWC. Wobei von den zwölf deutschen Firmen drei die Frankfurter Börse links liegen ließen und den Börsengang in den USA vorzogen. Dort ist das Interesse am Aktienmarkt und damit auch die Nachfrage in der Regel größer. Gleich zwei Unternehmen kommen dabei aus Tübingen: Der Impfstoffhersteller Curevac sowie das auf Krebs-Therapien spezialisierte Unternehmen Immatics. Das dritte ist VIA Optronics aus Nürnberg. Insgesamt erlösten die drei Firmen in New York umgerechnet rund 515 Millionen Euro.

Von den neun IPOs in Frankfurt waren nur sieben echte Börsengänge. Siemens Energy ist eine Abspaltung des Münchner Konzerns, die Technologie-Softwarefirma Nagarro war zuvor Teil des bayrischen Allgeier-Konzerns. Die neuen Wertpapiere gingen jeweils an die Aktionäre der Mutterfirmen. Unter den wirklichen Neulingen an der Börse nahm der Rüstungsproduzent Hensoldt mit 400 Millionen Euro den höchsten Betrag ein, dahinter rangiert der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert. Zu den Neulingen zählen auch Online-Modehändler Fashionette und der Elektro-Ladesäulen-Anbieter Compleo. Das Papier von Hensoldt konnte seit dem IPO immerhin knapp 20 Prozent zulegen, Knaus Tabbert rund zwölf Prozent. Bei Curevac hat sich der Kurs mehr als verdoppelt, für Via Optronics ging es um 35 Prozent nach oben. Immatics-Aktionäre hingegen büßten rund 30 Prozent ein.

„Der deutsche IPO-Markt hatte gerade im ersten Halbjahr mit Gegenwind zu kämpfen“, sagt EY-Experte Martin Steinbach. Abgeschreckt hätten die hohen Schwankungen an der Börse, so dass manche Pläne wieder in der Schublade verschwunden seien.

Ganz anders dagegen die Lage in Europa, wo die Zahl der Börsengänge in diesem Jahr um 17 Prozent auf 176 anstieg, bei einem Volumen von rund 22 Milliarden Euro – ein Plus von neun Prozent. In den USA wuchs Zahl der IPOs sogar um ein Drittel auf 222, die Erlöse der Börsenneulinge erhöhten sich noch stärker um 69 Prozent auf 88 Milliarden Dollar. Noch rasanter war das IPO-Geschehen in China mit einem Zuwachs von mehr als 40 Prozent auf 514 Firmen. Sie erlösten mit 116 Milliarden Euro sogar 51 Prozent mehr als 2019. Den größten IPO in diesem Jahr schaffte der chinesische Chip-Hersteller Semiconductor Manufacturing International, der 7,6 Milliarden Dollar erlöste. Auf 4,5 Milliarden Dollar brachte es der chinesische Online-Händler JD.com, 4,4 Milliarden waren es beim chinesischen Bahnbetreiber Beijing-Shanghai High Speed Railway. In Europa erlöste der niederländische Kaffee-Konzern JDE Peet’s mit knapp 2,4 Milliarden Euro die höchste Summe eines IPOs.

„Auf den ersten Blick erscheint es widersinnig, dass in einem so schwierigen Jahr wie 2020 Börsengänge derartig boomen“, sagt EY-Experte Steinbach. „Ein wichtiger Treiber des IPO-Geschehens ist allerdings die nach wie vor enorm hohe Liquidität, die im Markt ist und nach Anlagemöglichkeiten sucht.“ Außerdem beförderte die Pandemie die Digitalisierung und damit Börsengänge von Technologie-Unternehmen.

2021 hoffen Experten hierzulande auf eine Belebung des IPO-Marktes. Steinbach zufolge ist die Pipeline „recht voll und vielversprechend“. Er rechnet mit zwölf bis 16 Börsengängen deutscher Unternehmen. PWC-Expertin Picard spricht von zehn bis 15. Wegen der Pandemie seien etliche IPOs auf Eis gelegt worden. Weil sich die Pandemie hoffentlich abschwäche und sich das Geschehen an den Finanzmärkten 2021 beruhigen dürfte, würden die Börsengange wohl eher umgesetzt.

Nach Schätzungen von Kirchhoff Consult streben derzeit etwa 100 Unternehmen den Gang aufs Parkett an, freilich verteilt über die nächsten Jahre. Als Kandidaten für 2021 gelten unter anderem der Softwareentwickler Suse, der Wissenschaftsverlag Springer Nature, der Ölkonzern Wintershall und der Online-Modehändler About you.

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