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Ein kräftiger Schluck darf es sein: Deutsche- Bank-Chef Christian Sewing.
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Ein kräftiger Schluck darf es sein: Deutsche- Bank-Chef Christian Sewing.

Boni für Investmentbanker

Reizthema Bonuszahlungen

  • Nina Luttmer
    vonNina Luttmer
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Die variable Vergütung der Deutschen Bank sorgt immer wieder für Schlagzeilen. In diesem Jahr will die Bank angeblich 1,8 Milliarden Euro vor allem an die Investmentbanker zahlen.

Es wird wohl noch lange dauern, bis das Wort „Bonus“, im Zusammenhang mit einer Bank genannt, kein Befremden mehr in der Öffentlichkeit auslösen wird. Vielleicht wird es auch auf ewig ein Reizwort bleiben. Die horrenden Gehaltsexzesse im Investmentbanking, die zu gravierenden Fehlanreizen und letztendlich mit zur Finanzkrise ab 2007 führten, haben sich tief in das öffentliche Gedächtnis eingeprägt.

Bei der Deutschen Bank mit ihrem Investmentbanking, das sich in der Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert hat, bekommt das Bonusthema immer besonders viel Aufmerksamkeit. Das wird auch in diesem Jahr nicht anders sein.

Das „Handelsblatt“ berichtete am Dienstagabend, dass die Bank für 2020 den Bonustopf für die Gesamtbank wieder erhöhen werde - auf 1,8 Milliarden Euro. Der Großteil davon wird an die Investmentbanker:innen gehen. Im Vorjahr hatte der Bonuspool 1,5 Milliarden Euro betragen.

Immerhin wird die Deutsche Bank für 2020 womöglich auch wieder einen Gewinn ausweisen. Am 4. Februar legt Deutschlands größtes Geldhaus seine Zahlen vor. Analysten rechnen mit einem Gewinn im unteren dreistelligen Millionenbereich. Im Jahr 2019 lag der Verlust bei 5,7 Milliarden Euro.

Vor allem das gut laufende Investmentbanking treibt die Zahlen. Die Unsicherheit an den Märkten war 2020 hoch, bedingt durch die Corona-Pandemie aber auch andere Unwägbarkeiten wie den Brexit und Handelskonflikte. Unsicherheit führt zu mehr Volatilität, beispielsweise passen Investor:innen ihre Portfolios häufiger an - das bedeutet höhere Einnahmen für Banken.

Die Zahlen der Investmentbank der Deutschen Bank sind allerdings nach Meinung von Kritiker:innen geschönt. Denn das Institut hat im Jahr 2019 Wertpapiere im Volumen von fast 300 Milliarden Euro vor allem aus der Investmentbank in eine Abbaubank, die Capital Release Unit (CRU), gesteckt. Die Bank betont, dabei handele es sich um „Qualitätspapiere“, oft um Geschäfte, die die Bank nicht mehr fortführen wolle, wie etwa das Aktiensegment. Kritiker:innen dagegen reden von einem „Bilanzmülleimer“ - die CRU wies in den ersten drei Quartalen 2020 einen Vorsteuerverlust von 1,8 Milliarden Euro aus.

Recherchen des Banken-Newsletters „Finanz-Szene.de“ und der „SZ“ förderten zudem diese Woche zutage, dass das Geldhaus 2020 einen großen Teil der Bankenabgabe, die 2019 noch in der Investmentbank verbucht worden war, in die CRU transferiert hat - wodurch die Zahlen der Investmentbank verbessert wurden. Die Bankenabgabe müssen Geldinstitute in der Eurozone in einen gemeinsamen Topf zahlen, aus dem Stabilisierungsmaßnahmen für Finanzinstitute in Not finanziert werden sollen. Die Deutsche Bank wies diesen Vorwurf jedoch zurück und hob hervor, dass sie bei der Aufteilung der Bankenabgabe auf die Segmente die Methodik der Aufsichtsbehörde abbilde.

Tatsache ist, dass Bankbilanzen oft intransparent und schwer nachvollziehbar sind, geschweige denn miteinander vergleichbar. Bei der Deutschen Bank steht die Frage im Raum, welche Gewinne und Verluste eigentlich tatsächlich den Investmentbanker:innen zuzuschreiben sind.

Problematisch sind hohe Bonuszahlungen auch deswegen, weil die Europäische Zentralbank (EZB) die von ihr beaufsichtigten Institute zu Zurückhaltung bei Boni und Dividenden aufgefordert hat. Schließlich wird die Corona-Pandemie auch die Banken stark fordern.

Zusätzlich ist das Thema Boni auch für die Aktionär:innen des größten deutschen Geldhauses ein Reizthema. Denn der Aktienkurs macht seit Jahren wenig Freude. Die Ausschüttungen genauso wenig. Für das Geschäftsjahr 2019 gab es gar keine Dividende, auch für 2020 werden die Eigentümer:innen wohl leer ausgehen, für 2017 und 2018 gab es jeweils elf Cent je Aktie. Zum Vergleich: Für das Jahr 2007 waren es noch 4,50 Euro. Und auch die Tatsache, dass die Bank weltweit 18 000 Stellen abbauen will, steht für viele Menschen im Widerspruch zu Bonuszahlungen.

Allerdings muss auch gesagt werden: Der Bonuspool wäre mit den vom „Handelsblatt“ berichteten 1,8 Milliarden Euro im Vergleich zu vielen anderen Jahren immer noch bescheiden. Im Jahr 2015 gab es einen Bonustopf von 2,4 Milliarden Euro, obwohl die Bank einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro machte; 2017 waren es 2,3 Milliarden Euro trotz eines Verlusts von 751 Millionen Euro. Im Jahr 2011 gab es noch 3,6 Milliarden Euro Boni - da wies die Bank aber auch einen Gewinn von 4,1 Milliarden Euro aus.

Unter Mitarbeiter:innen wird der Tag, an dem die Bank die Mitteilungen über die Höhe der variablen Vergütung verschickt, in Erinnerung an diese Zeiten bereits seit einigen Jahren „dolf“ genannt - für „day of long faces“ - der Tag der langen Gesichter.

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