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Im Urlaub soll alles perfekt sein - doch wenn es einen Reisemangel gibt, hat man als Urlauber Rechte.

Diese Rechte haben Sie

Reisepreisminderung: Bei diesen Mängeln im Urlaub haben Sie einen Anspruch

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So setzen Sie eine Reisepreisminderung durch. Egal ob Stromausfall im Hotel oder Bauarbeiten am Pool: Mit Reisemängeln müssen Urlauber sich nicht abfinden.

Die schönste Zeit des Jahres gerät manchmal zur größten Enttäuschung: Wenn das Hotel sich entgegen der Angaben im Prospekt nicht in ruhiger Lage, sondern an einer Schnellstraße befindet, oder wenn der Flug ausfällt und dadurch wertvolle Urlaubstage verloren gehen. Wir erklären, wie bei enttäuschenden Pauschalreisen Ansprüche gegenüber dem Veranstalter geltend gemacht werden können.

Für Reisepreisminderung: Reisemängel müssen genau dokumentiert werden

Was immer schiefläuft – die Ärgernisse müssen genau dokumentiert werden. Verschmutzte Hotelzimmer oder Bauarbeiten am Pool können gefilmt oder fotografiert werden. Eine weitere Variante sind Zeugenaussagen von anderen Urlaubsgästen, die die Mängel bestätigen. Es ist darauf zu achten, dass die Dokumentation zeitlich und örtlich zugeordnet werden kann: Bei Videos und Fotos im Handy die Ortungsdienste aktivieren, oder im Fotoapparat die Datumsangabe anzeigen lassen.

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„Wichtig ist, die Mängel konkret zu benennen: Von wann bis wann fanden Bauarbeiten statt? Welches Gerät kam zum Einsatz?“, empfiehlt Eva Klaar, Reiserechtsberaterin der Verbraucherzentrale Berlin. Wer keine Pauschalreise gebucht hat, muss sich individuell mit Hotel oder Fluggesellschaft auseinandersetzen. Kommt es zum Streit, muss eventuell im Ausland geklagt werden. „Das kann aufwendig sein und das Kostenrisiko ist hoch“, sagt Klaar.

Reisepreisminderung: Reisemängel direkt am Urlaubsort bei der Reiseleitung reklamieren

Gibt es gravierende Mängel, die das Urlaubserlebnis massiv beeinträchtigen, sollten diese direkt am Urlaubsort gegenüber dem Reiseveranstalter, der Vertragspartner ist, reklamiert werden. Veranstalter sind Unternehmen wie Thomas Cook, Tui oder Neckermann, also nicht das Hotel oder das Reisebüro, bei dem gebucht wurde. Reiseveranstalter haben vor Ort Reiseleitungen. Die reklamierten Mängel müssen in einer angemessenen Frist beseitigt werden. Erst, wenn dies nicht passiert, hat man nach Ende der Reise einen Anspruch auf Minderung des Reisepreises.

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Reisepreisminderung - Tabellen listen Mängel und Wiedergutmachung auf

Eine Orientierung für die Höhe der Erstattung ist zum Beispiel die Frankfurter Tabelle zur Reisepreisminderung. Das Frankfurter Landgericht hat sie ausgearbeitet. Die Tabelle listet Mängel und eine Wiedergutmachung in Prozent auf. Es gibt außerdem die Kemptener Reisemängeltabelle (PDF) und eine ADAC-Tabelle (PDF). Alle drei sind zwar nicht für Gerichte oder Veranstalter verbindlich, doch sind ihre Empfehlungen gängig. Um sich durchzusetzen, muss manchmal auch der Klageweg beschritten werden.

Mängel am Hotel: Ist das Zimmer zum Beispiel bedeutend kleiner als im Katalog angegeben, kann die Wiedergutmachung fünf bis zehn Prozent des Preises betragen, heißt es in der Frankfurter Tabelle. Fehlt eine Klimaanlage, obwohl eine versprochen war, sind es zehn bis 20 Prozent – je nach Jahreszeit. Auch ein fehlender, aber angekündigter Swimmingpool berechtigt zu einer Entschädigungsforderung von 20 Prozent.

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Lärm und Gestank:  Manchmal beeinträchtigen Bauarbeiten den Aufenthalt schwerwiegend oder eine schlechte Abwasseranlage führt zu Gestank. Lärm am Tag wird in der Frankfurter Tabelle mit fünf bis 25 Prozent Entschädigung veranschlagt, Lärm in der Nacht sogar mit zehn bis 40 Prozent. Unangenehme Gerüche können immerhin zu einer Rückzahlungsforderung von fünf bis 15 Prozent führen.

Entschädigungen müssen auch dann gezahlt werden, wenn die Beeinträchtigungen gar nicht im Hotel selbst entstehen, sondern in seinem Umfeld, zum Beispiel infolge von Straßenarbeiten. „Veranstalter besitzen eine Umweltbeobachtungspflicht. Sie schulden den Erfolg der Reise“, sagt Klaar.

Verpflegung: Schlechtes Hotelessen ist ein häufiges Ärgernis, es ist jedoch auch eine Frage des Geschmacks. Rückforderungen müssen deshalb gut fundiert sein. Ein anderer Fall ist es, wenn das Essen während der gesamten Reise ausfällt, weil es – anders als im Prospekt zugesagt – kein Restaurant gibt. Dann können vom Reisepreis 50 Prozent zurückgefordert werden.

Gepäck: Wenn der Reisende sein Gepäck am Ankunftsflughafen nicht erhält, ist es wichtig, den Verlust am Lost and Found-Schalter im Flughafen zu melden. Anschließend muss die örtliche Reiseleitung informiert werden. Der Reisende kann eine Grundausstattung kaufen, mit der er in der Lage ist, den Urlaub zu beginnen. Diese Grundausstattung muss aber zweckmäßig sein. Die Haftungshöchstgrenze liegt bei 1400 Euro. Vorsicht: Die Frist für die Reklamation liegt bei 21 Tagen, ab dem Tag, wo das Gepäck fehlt. Parallel hat man als Reisender Anspruch auf Reisepreisminderung gegenüber dem Reiseveranstalter. Für jeden Tag, an dem das Gepäck nicht zur Verfügung stand, kann man zwischen 15 und 25 Prozent zurückfordern. Ist das Gepäck beschädigt, kann dies auch gegenüber der Fluggesellschaft reklamiert werden. Hierfür gibt es sieben Tage Zeit.

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Flugausfall, Überbuchung, Verspätung:  Nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung haben auch Pauschalreisende bei Flugausfall, Überbuchung oder Verspätung von mehr als drei Stunden ein Recht auf Ausgleichszahlung. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach der Entfernung. Bis 1500 Kilometer sind es 250 Euro, bis 3500 Kilometer und innerhalb von Europa beträgt sie 400 Euro. Darüber hinaus sind es 600 Euro. Auch zahlende Kinder sind entschädigungsberechtigt. Die Verjährungsfrist beträgt drei Jahre.

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Reiserecht - Pauschalreise oder verbundene Reiseleistung

Pauschalreise: Das Pauschalpaket ist gut abgesichert: Ein Urlauber bekommt bei Insolvenz des Veranstalters sein Geld zurück und kann bei Mängeln und Flugverspätungen den Reisepreis mindern und Schadenersatz verlangen. Wer bei einer Individualreise alles einzeln bucht, hat diese Rechte nicht.

Verbundene Reiseleistung: Diese Rechtsform entsteht, wenn ein Reisebüro oder Online-Portal dem Urlauber als Vermittler ein individuelles Reisepaket aus einzelnen Leistungen verkauft. Jeder Baustein muss mindestens 25 Prozent des Gesamtpreises ausmachen. Geht das Reisebüro oder das Portal pleite, bekommt der Urlauber das Geld zurück.

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