Banking

Reine Männersache

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Frauen waren bei dem jährlichen Treffen der Banker eine Rarität.

Banking scheint eine Männerangelegenheit zu sein. Den Eindruck zumindest konnte man am Freitag auf dem zum 28. Mal stattfindendem „European Banking Congress“ in Frankfurt gewinnen. Es ist eine der größten jährlichen Zusammenkünfte der Finanzbranche in Deutschland; hochrangige amtierende und ehemalige Manager, Politiker und andere Finanzexperten finden sich dazu unter strengen Sicherheitsmaßnahmen in der Alten Oper der Mainmetropole ein, um einen Tag lang mehr als einem Dutzend Rednern zu lauschen. Darunter Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank, Olaf Scholz, Bundesfinanzminister und Jens Weidmann, Bundesbankpräsident. 

Immerhin eine Frau hätte es – neben der Moderatorin – mit Blythe Masters, Leiterin eines New Yorker Technologieunternehmens, fast aufs Podium geschafft, sie musste allerdings kurzfristig absagen. So blieben die Männer im Rampenlicht unter sich. Auch im Publikum, wo die wenigen Frauen zumindest durch leuchtendere Outfits zwischen den mit dunklen Anzügen uniformierten Männern auffielen.

Die Bedeutung eines starken Europas war zentrales Thema. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing forderte die Weiterverfolgung der Europa-Pläne des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und betonte, auch Vertreter der Wirtschaft müssten sich dafür einsetzen. Mit Blick auf das Finanzwesen sagte er, die europäischen Banken litten unter der Fragmentierung des europäischen Marktes – darunter etwa, dass in jedem Land unterschiedliche Datenschutzgesetze zu beachten seien. Solche Probleme hätten US-Banken nicht. 

Er forderte – genau wie EZB-Präsident Draghi – eine rasche Fortentwicklung der europäischen Banken- und Kapitalmarktunion. „Die einzige Antwort auf die vielen Bedrohungen lautet: mehr Europa“, sagte Draghi.

Sewing betonte, die europäischen Banken müssten sich stärker auf den digitalen Wandel einstellen. Dazu gehöre auch ein Mentalitätswandel in den Management-Etagen der Institute. „Wir müssen neuen Technologien offen gegenüber stehen“, sagte er.

Gefragt sei eine europäische Antwort auf die großen Technologieunternehmen in Asien und den USA. „In fünf bis zehn Jahren werden wir mit den großen amerikanischen und asiatischen Plattformen im Wettbewerb stehen. Ich sehe es als die größte Bedrohung für die Banken an, dass wir eines Tages zu Zulieferern für die großen Tech-Konzerne werden könnten“, so Sewing. Auch Commerzbank-Chef Martin Zielke sagte, die europäische Finanzbranche sei „unter-digitalisiert“. 

Das Publikum in der Alten Oper konnte per Knopfdruck bei einigen Fragen der Moderatorin mit abstimmen. Während eine relative Mehrheit der Meinung war, das größte Risiko für die Banken in den kommenden fünf Jahren sei eine Finanzkrise, waren Sewing und Zielke sich einig, dass die Konkurrenz durch Fintechs das größere Risiko darstelle.

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