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Wer sich’s leisten kann: Für alle Fälle mal ein Hubschrauber an Bord der Luxus-Jacht.

Studie

Klimawandel: Die Reichen belasten die Umwelt am meisten

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Das wohlhabendste eine Prozent der Menschheit schädigt das Klima doppelt so stark wie die ärmere Hälfte der Welt. Das zeigt eine Studie von Oxfam.

  • Klimawandel: Reiche Menschen produzieren mehr CO2 als Arme.
  • Der Verbrauch hängt mit Luxusgütern zusammen.
  • Oxfam fordert eine Einschränkung des Verbrauchs.

Reichtum wirkt als Klimakiller. Für den Anstieg der Treibhausgas-Emissionen in den vergangenen drei Jahrzehnten sind nach einer Analyse der Entwicklungsorganisation Oxfam vor allem die reichsten zehn Prozent der Menschheit verantwortlich – und nicht, wie häufig angenommen, die globale Mittelklasse. Es geht dabei um die „Top Emitters“ zumeist aus Industrie- und Schwellenländern, die oft Vielflieger und Besitzer von mehreren Immobilien und Autos sind.

Klimawandel: Zehn Prozent reiche sind für die Hälfte des Treibhausgases verantwortlich

Oxfam legt den Report „Confronting Carbon Inequality“ (Bekämpfung der CO2-Ungleichheit) anlässlich der klimapolitischen Gespräche im Rahmen der UN-Generalversammlung in New York vor, die derzeit läuft. Der Bericht analysiert für insgesamt 117 Staaten, für welchen Anteil am Treibhausgas-Ausstoß die einzelnen Einkommensgruppen verantwortlich sind – und zwar summiert für die klimapolitisch wichtigen Jahre zwischen 1990 und 2015, in denen sich die Emissionen von CO2, Methan, Lachgas et cetera weltweit verdoppelt haben. 1990 wurde auf dem UN-Erdgipfel in Rio de Janeiro die Weltklimakonvention verabschiedet. Ziel: das Weltklimasystem zu stabilisieren.

Laut dem Bericht sind die reichsten zehn Prozent – im Jahresschnitt 630 Millionen Menschen – für über die Hälfte (52 Prozent) der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, die in dem Vierteljahrhundert ausgestoßen wurden. Das reichste eine Prozent alleine schädigte das Klima sogar doppelt so stark wie die ärmere Hälfte der Welt: Es verantwortete 15 Prozent der Gesamtemissionen, die ärmere Hälfte hingegen nur rund sieben Prozent.

Weiterer Beleg für die Ungleichheit: Von dem im Jahr 1990 noch verfügbaren globalen Emissionsbudget verbrauchten die reichsten zehn Prozent alleine ein Drittel, die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung dagegen nur vier Prozent. Das Emissionsbudget beziffert die Menge an Treibhausgasen, die die Menschheit noch in die Atmosphäre blasen darf, ohne dass die Erderwärmung über 1,5 Grad ansteigt. Dieser Wert gilt als Grenze, um einen unkontrollierbaren Klimawandel zu verhindern. Das Weltklimaabkommen von Paris 2015 zieht die maximale Obergrenze bei zwei Grad, fordert aber Anstrengungen für 1,5 Grad. Erreicht sind bereits 1,1 Grad.

Milliardäre in Deutschland

Lidl-Gründer Dieter Schwarz ist einer neuen Aufstellung der „Welt am Sonntag“ zufolge weiterhin der reichste Deutsche. Nach Angaben der Zeitung verfügt der 80 Jahre alte Gründer von Lidl und Kaufland über ein geschätztes Vermögen von 41,8 Milliarden Euro. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Familie Reimann (Coty, Jacobs Douwe Egberts) mit einem geschätzten Gesamt vermögen von 21,45 Milliarden Euro sowie die Familie Wolfgang Porsche (Porsche, VW) mit 20,0 Milliarden Euro.

Das Vermögen der 1000 reichsten Deutschen beläuft nach Angaben der „Welt am Sonntag“ zusammengenommen derzeit auf geschätzte 1,1 Billionen Euro – das sind 0,76 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden 251 Milliardenvermögen in Deutschland ermittelt - acht weniger als ein Jahr zuvor. Für die Rangliste berücksichtigt werden unter anderem Aktienkapital, Unternehmen, Kapitalanlagen, Immobilien, aber auch Kunstsammlungen und Familienstiftungen. (dpa)

Um die 1,5 Grad zu halten, müssten laut Oxfams Kalkulation die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung ihre durchschnittlichen Pro-Kopf-Emissionen bis 2030 auf ein Zehntel des bisherigen Werts senken. „Dies würde die globalen Emissionen insgesamt um ein Drittel verringern“, so die Organisation. Ein wichtiger Hebel dabei sei der Verkehr.

Klimawandel und Reichtum hängen zusammen

Andere aktuelle Studien zeigten, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte für fast die Hälfte beziehungsweise drei Viertel des Energieverbrauchs verantwortlich sind, der auf den Verkehr über Land respektive den Flugverkehr zurückgeht. Der Verkehrssektor ist für rund ein Viertel der weltweiten Emissionen verantwortlich, und der Umstieg von herkömmlichen Pkw auf SUVs ist der zweitgrößte Emissionstreiber zwischen 2010 und 2018.

Oxfam Deutschland fordert, den „exzessiven CO2-Ausstoß der Wohlhabenden“ einzuschränken. „Wir müssen die Klima- und die Ungleichheitskrise zusammen lösen“, kommentierte Expertin Ellen Ehmke. „Steuern für klimaschädliche SUVs und häufiges Fliegen wären ein erster Schritt.“ Regierungen sollten die Einnahmen in klimaeffiziente Mobilität, in öffentliche Infrastrukturen und Dienste sowie in soziale Absicherung investieren. „Das lässt nicht nur die Emissionen sinken, sondern hilft auch, Armut und Ungleichheit zu überwinden“, so Ehmke. Sie kritisierte eine Politik, die auf Konsumanreize setze, immerwährendes Wachstums verspreche und die Welt ökonomisch in Gewinner und Verlierer spalte.

Klimakatastrophe gefährdet Wohlstand

Auf das Problem der „CO2-Ungleichheit“ hatten früher auch schon unter anderem der bekannte französische Ökonom Thomas Piketty und das deutsche Club-of-Rome-Mitglied Franz Josef Radermacher (in seinem Buch „Der Milliarden-Joker“) hingewiesen. Radermacher fordert neben politischen Klimaschutz-Maßnahmen wie eine CO2-Bepreisung auch freiwillige Investitionen in die CO2-Kompensation – vor allem von großen Unternehmen und Wohlhabenden, die einen besonders klimaschädlichen Lebensstil pflegen. Die Finanzmittel werden dabei genutzt, um Projekte in Entwicklungsländern zu finanzieren, die dort Treibhausgase vermeiden oder CO2 wieder aus der Atmosphäre holen – zum Beispiel Biogas-Anlagen, Häuserdämmung oder Aufforstung.

Radermacher glaubt, dass die Reichen durchaus zu motivieren wären, einen Teil ihres Geldes in die Kompensation zu geben. „Bei einer Klimakatastrophe werden nach Studien weltweit substanzielle Teile des Eigentums zum Beispiel bei Aktien vernichtet werden, und das trifft die Vermögenden besonders stark.“ Das heiße: „Sie gefährden ihren eigenen Wohlstand, aber auch ihren Lebensstil, wenn sie nichts gegen den Klimawandel unternehmen.“ Ohne einen solchen Umschwung drohten über kurz oder lang einschneidende politische Maßnahmen wie gesetzliche Verbote von Flugreisen, die Stilllegung von SUV oder hohe Steuern auf Zweit- oder Drittwohnungen.

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