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Geldanlage

Reich wie die Norweger

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Was Privatanleger von der Strategie des staatlichen Ölfonds im skandinavischen Vorzeigeland lernen können.

Seit ein paar Jahren kann einem angst und bange werden, was die eigene finanzielle Zukunft angeht. Anders als früher werfen weder Tages- noch Festgeld und erst recht nicht das Sparbuch eine ordentliche Rendite ab. „Wie soll ich da die paar Euro, die ich monatlich zur Seite legen kann, lohnend investieren?“, fragen sich viele Menschen.

Zugleich scheint ein Finanzpolster wichtiger denn je, nicht zuletzt, weil der Sozialstaat weiter zurückgebaut wird. Am augenscheinlichsten ist das bei der gesetzlichen Rente. Die dürfte bei kaum einem Arbeitnehmer noch ausreichen. Darüber kann man zu Recht meckern – und vor allem eines tun: investieren, nicht bloß sparen.

Üblicherweise wird unter Sparen verstanden, weniger auszugeben und etwas zur Seite zu legen. Der Begriff Sparstrumpf macht es noch deutlicher: Es geht lediglich darum, Geld aufzuheben, nicht jedoch darum, es bewusst für sich arbeiten zu lassen. Ein großer Fehler. Denn Geld muss angelegt, muss investiert werden, um in Zukunft mehr und nicht weniger wert zu sein als heute.

Um klug zu investieren, muss man nicht Betriebswirtschaftslehre studiert haben. Es reicht, einem der erfolgreichsten Großinvestoren der Erde zu folgen: dem norwegischen Ölfonds. Wer sich mit dessen Strategie auseinandersetzt und diese nachahmt, dürfte die Logik der Finanzmärkte verstehen und erfolgreicher als bisher investieren.

Konsequenz mit wenig Risiko

Lange Jahre habe ich als Journalist über diesen wohl bekanntesten und bedeutendsten Großinvestor aus dem Norden berichtet. Wie viele meiner Kollegen lobte ich dessen konsequente und zugleich wenig riskante Strategie. Mit der hat er es zum größten Staatsfonds der Welt gebracht und zugleich über 20 Jahre mit sechs Prozent eine bessere durchschnittliche Jahresrendite eingefahren als der deutsche Aktienindex Dax – und das bei weniger Risiko.

Trotz des vielen Lobes ist die Anlagestrategie des Ölfonds bisher nicht so detailliert analysiert und erklärt worden, dass Privatanleger sie nachvollziehen und kopieren können. Wie lautet also das Erfolgsrezept?

Norwegen ist reich an Öl und investiert die Gewinne aus dem Rohstoffgeschäft seit 1998 in Aktien und Anleihen. So soll dafür gesorgt werden, dass auch zukünftige Generationen etwas vom Wohlstand haben. Nun hat keiner von uns eine Ölquelle im Garten sprudeln. Doch egal ob Krankenpfleger, Ärztin oder Lehrer – was Norwegen das „schwarze Gold“, ist jedem die eigene Arbeitskraft: eine Möglichkeit, Geld zu verdienen und monatlich ein bisschen davon zu investieren.

Mittlerweile sind pro Norweger mehr als 160 000 Euro an den Finanzmärkten angelegt. Ich halte den norwegischen Ölfonds aus mehreren Gründen für das ideale Vorbild für Privatanleger. Warum? Er ist erfolgreich. Er hat die Kosten im Griff. Er folgt ethischen Vorgaben. Und er investiert fast ausschließlich in Wertpapiere, die alle kaufen können.

Auf den ersten Blick mag es seltsam scheinen, dass ein Kleinanleger, der jeden Monat 50, 100 oder 500 Euro spart, vom milliardenschweren Ölfonds lernen kann. Doch Privatleute wie Fonds ähneln sich in vielerlei Hinsicht. Beiden geht es darum, längerfristig Vermögen aufzubauen, monatlich pro Kopf eine überschaubare Summe zu sparen und flexibel zu bleiben, also notfalls auch einmal mit dem Sparen zu pausieren. Beide wollen das Risiko gering halten und das Geld möglichst nachhaltig anlegen.

Wer so erfolgreich wie der norwegische Ölfonds sein möchte, kommt um Aktien nicht herum. Vielen Deutschen gilt diese Anlageform als sehr riskant. Das ist sie aber nur bedingt. Vor allem kommt es auf den Mix an. Wer nur in den Dax oder Einzelwerte wie VW investiert, mag kurzfristig einen Riesenerfolg haben. Langfristig aber kann das böse enden und wie bei Bitcoins oder Containern bis zum Totalverlust führen.

Der Ölfonds kauft viele verschiedene Werte und mindert so Schwankungen. Zum anderen sinkt das Risiko mit den Jahren. Das heißt, wer wie der norwegische Ölfonds über 15 Jahre in Aktien investiert und diese mit festverzinslichen Anleihen kombiniert, senkt sein Risiko erheblich und steigert die Aussicht auf eine ordentliche Rendite.

Den norwegischen Fonds zum Vorbild zu nehmen, bedeutet, nach einigen Regeln zu investieren: Bewerten Sie gründlich das zu Ihnen passende Risiko und wählen Sie darauf basierend die entsprechende Aktienquote. Diversifizieren Sie Ihre Anlage geographisch, nach Unternehmensgröße und Entwicklungsstatus der Zielländer. Investieren Sie weitgehend passiv, also indexnah. Und versuchen Sie, ethische Ansprüchen an die Geldanlage umzusetzen.

Um Norwegen zu kopieren, eignen sich für Privatanleger so genannte Exchange Traded Funds, kurz ETFs, gut. Die Auswahl ist riesig und verwirrend. So enthält ein ETF auf den Index „MSCI World“ mitnichten Aktien aus fast allen Ländern der Erde, sondern nur von den Industriestaaten. Damit entgeht Anlegern viel – sie streuen womöglich nicht breit genug und verpassen Chancen, die aufstrebende Länder wie Indien und China bieten.

Schlechte Informationen können also zum Problem werden. Das allerdings lässt sich erheblich verringern, wenn man sich mehr mit dem norwegischen Fonds beschäftigt und damit, wie dessen Strategie kopiert werden kann.

Menschliche Schwächen sind das zweite Hindernis, erfolgreich anzulegen. Doch zum Glück reicht es, psychologische Begriffe wie Selbstüberschätzung und Kontrollillusion sowie die dahinter stehenden Verhaltensweisen erklärt zu bekommen, um die damit verbundenen Fehler zu vermeiden und so hoffentlich reich zu werden wie Norwegen.

Dazu gehört auch, sich nicht nur um Geld zu kümmern. Die Norweger gelten laut „World Happiness Report“ als eine der glücklichsten Nationen der Erde. Dazu dürfte neben ihrem Reichtum auch beitragen, dass sie der Freizeit einen hohen Stellenwert einräumen. Auch dabei hilft die Strategie des Ölfonds, denn sie lässt sich mit relativ wenig Zeitaufwand umsetzen. 

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