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Jährlich brauche es 400 000 Wohnungen, um den Bedarf zu decken, so das Bündnis.

Immobilien

Regierung soll bei Wohnungsbau Gas geben

Verbändebündnis fordert von der Groko mehr preisgünstiges Bauland und schnellere Genehmigungen

Von VON HENDRIK GEISLER

In Deutschland fehlen rund eine Million Wohnungen. Dem Verbändebündnis Wohnungsbau zufolge braucht es jährlich 400 000 Neubauwohnungen, um den neu entstehenden Bedarf zu decken und das Defizit langfristig abzubauen. Nur rund 300 000 Neubauwohnungen habe es aber im vergangenen Jahr gegeben, schätzte das Bündnis am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung einer Studie zum Baujahr 2018 und konstatierte: „Wir haben dieses Jahrzehnt beim Wohnungsbau verloren.“ Auch die im Koalitionsvertrag von Union und SPD geplante Wohnraumoffensive mit 1,5 Millionen Wohnungen bis 2021 droht das erste Etappenziel von 375 000 in diesem Jahr zu bauenden Wohnungen zu verfehlen. Der Grund dafür sei der Rückgang bei den Baugenehmigungen 2017. Im Vergleich zum Vorjahr seien diese um fast zehn Prozent auf 340 000 gesunken.

„Die Bundesregierung muss ordentlich Gas geben“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. „Der Rucksack an nicht gebauten Wohnungen ist in den letzten Jahren immer größer und schwerer geworden.“ Zur Bewältigung der Aufgaben müsse es künftig einen Staatssekretär für Baupolitik geben. In einer möglichen großen Koalition zwischen Union und SPD wäre das Bauressort künftig im Innenministerium angesiedelt, so sieht es der Koalitionsvertrag vor.

Insbesondere an Bauland für Sozialwohnungen gibt es großen Bedarf. In Großstädten habe mindestens ein Drittel aller privaten Haushalte durch ihr Einkommen Anspruch auf eine Sozialwohnung, sagte Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (Arge). „1987 gab es in Westdeutschland noch vier Millionen Sozialwohnungen, heute sind es in ganz Deutschland nur noch 1,33 Millionen“, ergänzte Matthias Günther, Vorstand des Pestel-Instituts. Jährlich müssten mindestens 80 000 zusätzliche Mietwohnungen gebaut werden, dazu 60 000 weitere bezahlbare Wohnungen in Ballungsräumen.

Das breite Bündnis aus Verbänden der Bau- und Immobilienwirtschaft, dem Deutschen Mieterbund und der Industriegewerkschaft Bau nennt in einem an die künftige Bundesregierung gerichteten Positionspapier zehn Impulse für den Wohnungsbau. Ganz oben auf der Liste steht der Erhalt der Mitverantwortung des Bundes für den sozialen Wohnungsbau auch über das Jahr 2019 hinaus. Hintergrund dieser Forderung ist die Föderalismusreform von 2006, die die soziale Wohnraumförderung zur Ländersache erklärt hatte.

Bis 2019 leistet der Bund indes noch Kompensationszahlungen. Vielmehr brauche es ein separates Ministerium für die Bereiche Bau, Raumordnung und Städteplanung, um den Wohnungsbau zu stärken, heißt es im Papier. „Wir kommen ohne den Bund nicht aus“, sagte auch Dietmar Walberg.

Außerdem wird die „effiziente Bereitstellung preisgünstigen Baulands durch Bund, Länder und Kommunen“ gefordert. Verbandspräsident Axel Gedaschko sieht hier insbesondere den Bund verstärkt in der Pflicht. Im vergangenen Jahr habe dieser nur 13 Grundstücke vergünstigt abgegeben – viel zu wenige.

Das Bündnis sieht auch bei der Beschleunigung der Baugenehmigungsverfahren großen Handlungsbedarf. In den Verwaltungen müssten das Fachpersonal aufgestockt, die Abstimmungswege optimiert und Eilverfahren vermehrt angewendet werden. Weitere Forderungen beinhalten steuerliche Anreize für den Mietwohnungsbau sowie die Verbesserung der steuerlichen Förderung der energetischen und altersgerechten Sanierung.

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