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Reederei stoppt Export von Plastikmüll in Entwicklungsländer

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Von: Joachim Wille

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Indonesien ist ein Ziel des globalen Müllstroms.
Indonesien ist ein Ziel des globalen Müllstroms. © AFP

Die drittgrößte Reederei der Welt stoppt den Transport von Plastikmüll in Entwicklungsländer. Zuvor hatten Umweltorganisationen Druck gemacht.

Die global tätige Reedereigruppe CMA CGM, eine der größten Containerlinien der Welt, wird ab Juni keinen Plastikmüll mehr auf ihren Schiffen transportieren wird. Das soll dazu beitragen, die Verschmutzung der Meere und die unsachgemäße Entsorgung der Kunststoffe in Entwicklungsländern zu verringern. CMA CGM ist die weltweit drittgrößte Reederei, sie besitzt 566 Schiffe.

Der Konzern aus Marseille kündigte den Transportstopp beim „One Ocean Summit“ an, der im Rahmen der französischen EU-Ratspräsidentschaft in Brest im Beisein des französischen Präsidenten Emmanuel Macron stattfand. Das Unternehmen verwies darauf, dass laut Umweltstudien pro Jahr rund zehn Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren landeten. „Wenn nichts unternommen wird, wird sich diese Zahl in 20 Jahren voraussichtlich auf 29 Millionen Tonnen pro Jahr verdreifachen, mit irreversiblen Folgen für die Ökosysteme der Meere, Tiere und Pflanzen.“

Bisher transportierte der französische Konzern pro Jahr rund 500 000 Tonnen Plastikmüll über die Weltmeere, vor allem aus den Industrieländern in Richtung Südostasien. Mit der Entscheidung werde man verhindern, dass das Plastik an Bestimmungsorte exportiert wird, „an denen Sortierung, Recycling oder Verwertung nicht gewährleistet werden können“, versprach das Unternehmen.

Plastik wird nach Indonesien oder Indien verschifft

Kunststoffabfälle aus Europa und Nordamerika werden bisher in großen Mengen in Entwicklungsländer exportiert, weil diese die „Entsorgung“ billiger anbieten, als ein Recycling in den Herkunftsländern kosten würde. Nachdem China die Einfuhr von Kunststoffabfällen 2018 verboten hatte, wurden die Müllströme größtenteils in andere südostasiatische Länder umgelenkt, darunter Malaysia, Indonesien und Indien.

Dort wird der Kunststoffmüll oft nicht recycelt, sondern verbrannt oder auf Deponien abgeladen, von wo er teils in Flüsse und in die Meere gelangt. Umweltorganisationen berichten auch von einem rasanten Anstieg der Abfallexporte aus den USA in lateinamerikanische Länder.

Plastikmüll: NGOs machen Druck auf Reedereien

Der Konzern räumte ein, dass seine Entscheidung „auf die dringenden Forderungen einiger Nichtregierungsorganisationen“ zurückgehe. Zwei US-amerikanische NGOs, das Basel Action Network (BAN) und The Last Beach Cleanup, hatten vor einem Jahr eine Kampagne gestartet. Sie forderten die größten Reedereien, darunter Hapag-Lloyd (Deutschland), Maersk (Dänemark) und CMA CGM, auf, „keinen Plastikmüll in Länder zu transportieren, die nicht in der Lage sind, ihn auf umweltverträgliche Weise zu behandeln“.

Die NGOs begrüßten die Entscheidung von CMA CGM. „Es ist eine kluge und verantwortungsvolle Geschäftsentscheidung, den Handel mit giftigem Plastikmüll zu beenden. Die Wirtschaft kann auf einem Planeten, der durch Plastikverschmutzung erstickt wird, nicht erfolgreich sein“, sagte Jan Dell von The Last Beach Cleanup. BAN-Direktor Jim Puckett sprach von einem „mutigen Präzedenzfall für unternehmerische Führung“. Die NGOs forderten die anderen Reedereien auf, dem Beispiel zu folgen und den Handel mit Plastikmüll ebenfalls einzustellen.

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