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Raus aus der Schmuddelecke

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Von: Elena Müller

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Der Online-Shop Amorelie will Sexspielzeug aus der Schmuddelecke herausholen.
Der Online-Shop Amorelie will Sexspielzeug aus der Schmuddelecke herausholen. © REUTERS

Als klassisches Start-Up hat Amorelie begonnen, mittlerweile ist der Online-Shop für Sexspielzeug zu 75 Prozent an die ProSiebenSat1-Gruppe verkauft. Die Unternehmer haben das Geschäft mit der Liebe so weit in die hippe Großstadtmenschen-Ecke gestellt, wie es momentan nur möglich ist.

Sie verkörpert, was sie verkauft: Das Image einer selbstbewussten, geschäftstüchtigen Frau, mit Stil und Köpfchen, die trotz des vollen Einsatzes für ihr Geschäft die Freude am Leben nicht aus den Augen verliert. Mit Mitte zwanzig hat Lea-Sophie Cramer bereits so viel erreicht, wie andere in ihrem gesamten Berufsleben nicht: Gemeinsam mit Sebastian Pollok hat sie 2013 Amorelie aus der Taufe gehoben, einen Online-Shop für Sexspielzeug, Dessous und alles, was das Liebesleben des modernen Menschen schöner macht.

Mittlerweile ist das Geschäft, das als klassisches Start-Up in einem Berliner Hinterhof-Büro begonnen hat, zu 75 Prozent an die ProSiebenSat1-Gruppe verkauft, die restlichen 25 Prozent halten die Gründer. Die im angesagten Industrie-Look eingerichteten Räume am Kreuzberger Paul-Linke-Ufer mussten schon vergrößert werden, um die neuen Mitarbeiter unterbringen zu können.

Was haben die findigen Unternehmer richtig gemacht? Sie haben das Thema Erotikspielzeug und das Geschäft mit der Liebe weiter aus der Schmuddelecke geholt und so weit in die hippe Großstadtmenschen-Ecke gestellt, wie es momentan nur möglich ist: Vibratoren werden in den Werbevideos inmitten von pastellfarbene Macarons gezeigt; eine junge Frau, selbstbewusst und modern, trinkt sehr sexy, aber nicht anrüchig, einen Kaffee. Alles Sexuelle bleibt angedeutet, die Lust, die die Produkte von Amorelie versprechen, soll irgendwie unausgesprochen und damit selbstverständlich bleiben.

Das ist das Erfolgsrezept, mit dem Cramer und Pollok einen Nerv und eine Marktlücke gefunden haben. Wie man erfolgreich wird, hat Cramer von den Samwer-Brüdern gelernt, die mit ihrem Unternehmen Rocket Internet gerade das Online-Geschäft förmlich zu verschlingen scheinen. Schon mit 23 Jahren leitete Cramer als Co-Chefin die Asiengeschäfte des Rabattgutschein-Portals Groupon und zeigte damit nicht nur den geschäftsagressiven Männern an der Spitze von Rocket Internet, dass sie weiß, wie das Geschäft läuft.

Nicht nur die beeindruckende Entwicklung von Amorelie beweist Cramers Marktfähigkeit, auch die Art und Weise wie die 26-Jährige sich als attraktive Frau in dem Geschäft mit Sexspielzeug beweist – und ihre Vorstellungen gegenüber Investoren und Geschäftspartnern, die in der Mehrheit männlich sind, durchsetzt. Doch trotz der puderfarbenen Leichtigkeit der Marke Amorelie, die eine, dem Lebensgefühl der Frauen von heute entsprechende, sexuellen Freiheit vermittelt, ist der Weg, den Cramer gegangen ist, kein leichter und schon gar kein gewöhnlicher. „Ich weiß, dass ich privilegiert bin“, sagt sie.

Sie sitzt, fröhlich strahlend trotz der vielen Termine im Nacken, im Besprechungsraum von Amorelie. In den Regalen hinter ihr blitzen Vibratoren, Dessous und allerlei andere Liebesdinge in knalligen Farben oder verführerischem Schwarz aus den weißen Regalen. Nach ihrem BWL-Studium in Mannheim ging sie zielstrebig ihren Weg, wurde stets von den Eltern bei ihren Ideen unterstützt und erklomm bei Rocket Internet die Karriereleiter.

Das hinter dem Aufbau der Firma und der richtigen Vermarktung der Produkte rund um Dildos und Reizwäsche harte Arbeit steckt, ist zwar weder im Berliner Büro noch in der Ausstrahlung von Cramer sichtbar, doch natürlich hat sie auch nervige Erfahrungen in dem Geschäft gemacht. „Auf Treffen in der Gründerszene kommt meist irgendwann die Frage eines männlichen Gesprächspartners: ‚Gibt es eure Penisringe auch in XXL, höhö?‘“, erzählt sie. „Ich gehe dann einfach nett lächelnd zum nächsten Stand.“

Souverän sein und bleiben, das hat Cramer gelernt und sie hat es zu ihrer größten Stärke gemacht. Und so scheint im Prinzip auch nicht unbedingt wichtig zu sein, was sie verkauft. Cramer und Pollok stehen hinter den Produkten, ob das nun Handschellen in der „50 Shades of Grey“-Linie sind, oder weiße Tennissocken. Aber natürlich ist ersteres schon ein wenig spannender. Und das Geschäft mit Erotikartikeln war bereits für ein paar Frauen ein Erfolgsweg, siehe Beate Uhse. Cramer hat verstanden, dass sie genau die richtigen Voraussetzungen mitbringt, um das hiesige Liebesleben ins Jahr 2015 zu heben.

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