+
Bei einer Studie schafften Raucher den Ausstieg mit einer deutlich höheren Quote, wenn sie dafür finanziell belohnt wurden.

Nikotin-Sucht

Nicht-Rauchen: Finanzielle Anreize helfen beim Aufhören

  • schließen

Prämien helfen beim Tabak-Ausstieg, zeigen viele internationale Studien. Solche Anreize werden nun auch hierzulande diskutiert.

Mit dem Rauchen aufzuhören, ist nicht leicht. Dabei sind die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Zigaretten und die hohen Kosten fürs Gesundheitswesen gut belegt. Eine Studie zeigt nun einen interessanten Effekt: Finanzielle Anreize erhöhen die Chancen, dauerhaft aufzuhören ganz erheblich. Ist das ein Modell für Deutschland?

Forscher der britischen Universität von East Anglia haben in einer Metaanalyse von 33 internationalen Studien herausgefunden: Bietet man Rauchern Geld oder Gutscheine als Belohnung, hilft es ihnen mit dem Rauchen aufzuhören und dauerhaft abstinent zu blieben.

Mit dem Rauchen aufhören: Belohnungen helfen

In den Gruppen mit einer Belohnung hatten die Teilnehmer nach sechs Monaten mit einer 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit mit dem Rauchen aufgehört als die Gruppen ohne Belohnung – und das unabhängig von der Höhe des in Aussicht gestellten Gewinns. Die Prämien lagen zwischen 40 und 1056 Euro. Wer angab, Nichtraucher geworden zu sein, wurde entsprechend medizinisch überwacht. Ob jemand raucht oder nicht, lässt sich beispielsweise am Atem und an Körperflüssigkeiten erkennen.

In Deutschland liegen die Folgekosten fürs Rauchen nach Schätzungen bei etwa 16 Milliarden Euro jährlich. Die Einnahmen aus der Tabaksteuer dagegen betragen nur rund 14 Milliarden Euro. Würde es sich da nicht auch finanziell rechnen, Menschen mit Prämien vom Rauchen abzubringen? „Wir halten Anreize für ein gesundheitsbewusstes Verhalten grundsätzlich für sinnvoller als Verbote oder Bevormundung““, sagt Wieland Schinnenburg, suchtpolitischer Sprecher der FDP dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Entwöhnung auf Rezept

Wer das Rauchen aufgebe, diene seiner eigenen Gesundheit und seinem Geldbeutel. Prämien beispielsweise ausgezahlt durch die Krankenkassen, kann sich Schinnenburg grundsätzlich vorstellen. Aber: „Es müsste zunächst in einem längerfristigen Modellprojekt geprüft werden, ob ein nachhaltiger Effekt erzielt wird.“

Auch der Gesundheitspolitiker der AfD, Axel Gehrke, kann sich ein Bonus-System vorstellen – aber andersherum: „Sinnvoll wäre es, diejenigen zu belohnen, die sich um eine gesunde Lebensführung von Anfang an bemühen.“ Ähnlich wie bei Autoversicherungen könnten Nichtraucher über ein Bonus-Punktesystem in eine kostengünstigere Versicherungsgruppe eingeordnet werden, meint Gehrke.

Mit dem Rauchen aufhören: "Nikotinsucht ist eine Krankheit."

Kristin Kappert-Gonther, Drogenpolitikerin der Grünen, weist auf einen anderen Punkt hin: „Nikotinsucht ist eine Krankheit. Die therapeutische Begleitung der Rauchentwöhnung darf nicht an finanziellen Hürden scheitern.“ Darum gehörten sie endlich in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen, ebenso wie Medikamente zur Rauchentwöhnung, sagte die Grünen-Expertin.

Alle Fachpolitiker sind sich einig darin, dass es am besten ist, gar nicht erst mit dem Rauchen zu beginnen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO gab unlängst bekannt, jedes Jahr kämen acht Millionen Menschen wegen der Folgen des Rauchens ums Leben. Es gebe weltweit zu wenig Hilfe beim Tabakausstieg, klagten die Experten.

Lesen Sie auch:

WHO bemängelt weltweit fehlende Hilfe bei Tabak-Ausstieg 

Tabakkonsum ist schädlich, aufhören ist gut für die Gesundheit - wer Tabak raucht, schnupft oder kaut, weiß das meist, aber auszusteigen fällt trotzdem schwer. Die Weltgesundheitsorganisation hat konkrete Ideen, was helfen kann.

Supermärkte dürfen Zigaretten-Gruselfotos verstecken 

Ein Nichtraucherverein kämpft gegen Zigarettenverkauf im Supermarkt - und will zuerst verbieten lassen, dass die Ekelbilder auf den Schachteln im Automaten verdeckt sind. Doch die Gerichte spielen nicht mit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare