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Ratingagenturen können die Märkte nicht schocken

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Von: Dorothee Holz

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Auf dem Finanzmarkt spuken die Schreckgespenster Konjunkturflaute und Schuldenkrise. Die US-Hightechindustrie scheint das wenig zu kümmern. Insgesamt geht der Aktienmarkt mit einer positiven Bilanz ins Wochenende.

Schuldenkrise, Bankenkrise, Konjunkturabkühlung – Schreckgespenster für die Finanzmärkte, aber auch zunehmend für die sogenannte reale Wirtschaft, weil sich daraus eine Negativspirale ergeben kann. Der Chef des amerikanischen Aluminiumkonzerns Alcoa, Klaus Kleinfeld, warnte diese Woche davor, dass sich die Welt selbst in eine Rezession hinein sorgen könnte, was zur Zurückhaltung und damit zu schrumpfenden Geschäften führt.

Die amerikanische Hightechindustrie scheint vor diesen Gefahren gefeit zu sein. Heute Morgen in aller Herrgottsfrühe bildete sich schon eine riesige Schlange vor dem Frankfurter Apple Store. Das neue iPhone 4 ist auf dem Markt und wer zuerst kommt, der malt zuerst, was in diesem Fall offenbar das Ansehen stärkt.

Auch Google ist immer wieder für Überraschungen gut, hat Quartalszahlen abgeliefert, die kein Analyst auf der Agenda hatte. Der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber konnte den Gewinn in den turbulenten Sommermonaten um ein Viertel und den Umsatz um 37 Prozent steigern, dank des wachsenden Internet-Werbemarkts. Aber auch Google spürt eine gewisse Schwäche in West-Europa, die allerdings durch eine steigende Nachfrage in den Schwellenländern mehr als wettgemacht wurde. Die Aktien zogen nach Handelsschluss in New York um mehr als sechs Prozent an.

Fitch knöpft sich Banken vor

Doch die ungelösten Probleme holen die Finanzmärkte zum Wochenschluss ein, zumal ein Rundumschlag der Ratingagenturen noch einmal Öl ins Feuer gießt. Die Agentur Fitch hat sich die Bankenbranche vorgeknöpft, überprüft weltweit das Rating von Großbanken auf eine mögliche Abstufung – darunter ist auch die Deutsche Bank. Die andere große US-Agentur – Standard & Poor‘s – hat wie zuvor Fitch das Rating von Spanien abgestuft, beurteilt die Zuverlässigkeit Spaniens, seine Schulden zurückzuzahlen, schlechter. Das setzt die Regierungen der Eurozone unter einen noch größeren Druck, die Probleme in den Griff zu kriegen. Die Erwartungen vor dem Euro-Gipfel am Sonntag in einer Woche sind sehr hoch. Heute treffen sich schon die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden 20 Industrie- und Schwellenländer. Die Aufforderung diese Krise so schnell wie möglich zu lösen, dürfte auch von dieser Seite kommen.

Im Vorfeld dieses Treffens dringt Japan auf eine umfangreiche Bankenhilfe in Europa.

Positive Wochenbilanz trotz Konjunktursorgen

Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung in der Eurozone haben die Wall Street belastet. Der Dow Jones gab ein Drittel Prozent nach, was aber auch enttäuschenden Geschäftszahlen der Großbank JP Morgan geschuldet war.

Das hat auch den Aktienmarkt in Tokio belastet. Der Nikkei büßt fast ein Prozent ein. Dem Deutschen Markt trauen Bankexperten vor Handelsbeginn aber ein moderates Plus zu. Die Wochenbilanz ist auch insgesamt bisher sehr positiv. Dem Euro kann die Abstufung Spaniens auch nichts anhaben, der Euro bleibt auf Kurs, klettert sogar auf 1,38 Dollar.

Am Nachmittag könnten wichtige US-Konjunkturzahlen für Bewegung sorgen. Die Umsätze im amerikanischen Einzelhandel stehen auf dem Programm. Das ist ein wichtiger Indikator für die Konsumentenstimmung.

DAX-Kamera von der Börse Frankfurt

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