Gute Vorsätze

Weg mit den Ratgebern

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Wir Menschen sind faszinierend irrational und peinlich leicht zu manipulieren. Nur an Silvester schmieden wir tapfer Pläne. Die Gastwirtschaft.

Silvester 2016 las ich den Ratgeber „Wie ich die Dinge geregelt kriege“ von David Allen. Genauer, ich las bis Seite zweiundzwanzig. Meine Pläne setzte ich dennoch um, manchmal jedenfalls. Anschließend machte ich neue Pläne, aber eher selten. Diesmal wird alles anders. Silvester 2017 lese ich Bücher von Verhaltensökonomen und Wirtschaftsnobelpreisträgern – muss ja was dran sein.

In Experimenten der Verhaltensökonomik wird der Homo oeconomicus jedoch als ein gescheiterter Übermensch vorgeführt. Rational, unabhängig, selbstsicher, klug und mutig – richtig, das alles ist der Mensch mitunter nicht. Wir sind faszinierend irrational und peinlich leicht zu manipulieren. Nur an Silvester schmieden wir tapfer Pläne, als wüssten wir genau, welcher Zustand uns glücklich macht und als wären wir in der Lage ihn zu erzeugen.

Diesmal wirklich, ja, diesmal bin ich zum Frühling schlank. Diesmal spare ich frühzeitig für den Sommerurlaub und suche mir eine neue Arbeit. Das Problem ist, dass unser Gehirn den Genuss von Pommes in der Gegenwart höher bewertet, als das Schlanksein in der Zukunft. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman lehrt uns: Das automatische und intuitive System im Gehirn wirkt schneller als das rationale. Der Spruch von Kate Moss „Nichts schmeckt so gut, wie sich dünn sein anfühlt“ hilft nicht, wenn wir abends mit Kohldampf vor der Pommesbude stehen.

Dann startet der Schlussverkauf: dreißig Prozent auf alle Kochtöpfe. Man kauft im Schlussverkauf – ein Herdenverhalten. Schon ist das Geld weg. Der diesjährige Wirtschaftsnobelpreisträger Richard H. Thaler rät hier zu einem Nudge: Legen Sie ein Festgeldkonto an, auf das Sie monatlich einen Betrag überweisen, an den Sie nicht ran können. Kündigen Sie zudem gleich den Job, denn sobald Sie mit den Kollegen am Kaffeeautomaten stehen, ist plötzlich doch alles ganz nett. Woher kommt der Sinneswandel? Darauf gibt der Verhaltensökonom Dan Ariely eine Antwort: Sie sind träge. Der Mensch bevorzugt die sichere, langjährig erprobte Status quo Option vor dem Risiko des Unbekannten.

Weg mit den Ratgebern und amüsieren Sie sich über den Menschen mit all seiner Unzulänglichkeit. Folgen wir für das Jahr 2018 lieber Mascha Kalékos Rat: Zerreiß deine Pläne. Sei klug. Und halte dich an Wunder.

Die Autorin arbeitet an der TU Berlin und koordiniert das Berliner Hochschulprogramm Digital zur Förderung von Frauen in Forschung und Lehre.

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