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143 200 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Friseure gab es im vergangenen Jahr in Deutschland.

Meistertitel

Rassistischer Shitstorm gegen Friseurinnung in Düsseldorf

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Die Friseurinnung Düsseldorf teilt auf Facebook mit, dass drei Ausländer in nur drei Wochen zu ihrem Meistertitel gelangt waren. Seitdem tobt ein Shitstorm.

Düsseldorf - Alles begann mit einem Post der Friseurinnung Düsseldorf auf Facebook Ende September. Dort erklärte der Zusammenschluss der Friseure stolz, dass man es bei ihm in nur drei Wochen zum Friseurmeister schaffen könne. Normalerweise dauert eine Ausbildung zum Meister in Vollzeit um die fünf Monate. Seitdem prasselt ein regelrechter Shitstorm auf die Friseurinnung nieder – wobei sich sachliche mit vollkommen unsachlichen und teils offen rassistischen Kommentaren besorgter Friseure vermischen. „Das Ganze bereitet uns großen Kummer“, sagt Rene Krombholz, Vorstand bei der Friseurinnung.

Was ist passiert? Die Friseurinnung Düsseldorf hatte drei Bewerbern aus dem Nicht-EU-Ausland – einer kam nach FR-Informationen beispielsweise aus dem Libanon – ermöglicht, in einem Vollzeitkurs binnen drei Wochen eine Gleichwertigkeitsprüfung zum Meister zu machen. Das heißt: Die Kursteilnehmer bekamen am Ende keinen Meistertitel, aber ihr Abschluss wurde als gleichwertig mit dem Meister anerkannt. Sie dürfen sich also selbstständig machen. „Einige Prüfungsabschnitte haben die Teilnehmer sogar mit Note 1 absolviert. Darüber haben wir uns gefreut und das publiziert“, so Krombholz.

Düsseldorf: Einige Friseure beklagen vermeintliche Bevorzugung

In der Friseurgemeinschaft kam das allerdings überhaupt nicht gut an. Viele Debattenteilnehmer beklagen eine vermeintliche Bevorzugung von Friseuren, die aus dem Ausland stammen. „Leider verstehen viele Friseure die Hintergründe nicht, es wird alles durcheinandergeworfen – und das teilweise in schlimmster Form“, sagt Robert Fuhs, Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses im Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks, der Frankfurter Rundschau.

Hintergrund der Anerkennung ist ein Gesetz, das es seit 2012 gibt. Wer aus einem Nicht-EU-Land kommt und in Deutschland in einem zulassungspflichtigen Beruf – sei es als Arzt, Krankenpfleger, Apotheker, Dachdecker oder eben Friseur – arbeiten möchte, kann sich seine im Heimatland bereits erworbenen beruflichen Qualifikationen hier anerkennen lassen und danach in Deutschland seinem gelernten Beruf nachgehen. Die Bundesregierung will so mehr dringend benötigte Fachkräfte ins Land locken.

Im Handwerk ist es so, dass die Bewerber der Handwerkskammer eine qualifizierte und staatlich organisierte Ausbildung im Heimatland anhand von Zeugnissen nachweisen müssen. Die Kammer prüft dann, ob diese Ausbildung nach deutschen Maßstäben ausreichend oder eine Nachqualifizierung notwendig ist. Diese Nachqualifizierung kann die Kammer dann selbst durchführen oder andere Organisationen wie etwa die Friseurinnung damit beauftragen.

„Wir sehen es als richtig an, Menschen, die hier ehrlich und ordentlich arbeiten wollen, zudem schon Qualifikation mitbringen, den Weg zu ebnen“, sagt Krombholz. Auch Fuhs meint: „Wenn die Antragsteller ihre Anerkennung bekommen, bedeutet dies, dass sie zum einen bereits in ihrer Heimat eine qualifizierte Ausbildung absolviert haben und zum anderen eventuelle Defizite in der Nachqualifikation ausgleichen konnten. Somit haben sie das Zeug dazu, gute und erfolgreiche Unternehmer zu werden; sie zahlen bei uns Steuern anstatt dem Staat auf der Tasche zu liegen. Was kann man dagegen haben?“

Offensichtlich viel. So schrieb eine Kritikerin auf Facebook, es glaubten nur Menschen an deutsche Gesetze, die hier groß geworden seien. „Denkt die Politik tatsächlich es kommen Patrioten zu uns? Warum müssen die Zuwanderer sich selbstständig machen?... Wir brauchen ganz dringend Fachkräfte im gesamten Handwerk und keine Schafscherer mit einem dreiwöchigen Innungskurs!“

Viele ähnlich fragwürdige Kommentare poppten in einer geschlossenen Friseur-Gruppe auf Facebook auf. Allerdings meldeten sich auch viele Friseure zu Wort, die einfach nur sachlich ihre - teils durchaus nachvollziehbaren - Ängste in Bezug auf die Zukunft ihrer Branche ausdrückten oder die Anerkennung ausländischer Abschlüsse in Deutschland sogar verteidigten.

Anerkennungsprozedere ist seit Jahren für zahlreiche Berufe Usus

Der von vielen Kritikern vorgebrachte Vorwurf, die ausländischen Kursteilnehmer bekämen ihre Meisteranerkennung quasi zum Nulltarif hinterhergeworfen, während deutsche Friseure etwa 5000 bis 8000 Euro für den Meister aufbringen müssen, weist Krombholz zurück. Die Bewerber müssten die Antragsstellung sowie das Seminar selbst bezahlen und hätten vermutlich ja auch schon im Heimatland ihre Ausbildung selbst finanziert. „Damit könnte dieses Verfahren insgesamt sogar teurer sein als der hiesige Meisterkurs“, sagt er. Was der dreiwöchige Kurs bei der Innung die Teilnehmer gekostet hat, will er allerdings nicht verraten – was viele Kritiker erzürnt.

Warum das Thema gerade jetzt die Runde macht, obwohl das Anerkennungsprozedere doch schon seit Jahren für zahlreiche Berufe Usus ist? „Die Gesetze werden seit 2012 praktiziert, aber die meisten der Kritiker haben hier zum ersten Mal davon gehört und es zudem mit anderen Verfahren in einen Topf geworfen. Vielfach wird eine weitere Schwemme von ausländischen Friseuren befürchtet, was aber völliger Unsinn ist“, meint Krombholz.

Die Zahl der Anerkennungsanträge im Friseurhandwerk sei sehr überschaubar, sagt auch Fuhs. Die Handwerkskammer Berlin etwa hat seit Inkrafttreten des Gesetzes noch keinen einzigen Antrag auf Anerkennung eines Berufsabschlusses im Friseurhandwerk erhalten, teilte sie auf FR-Anfrage mit. Die Handwerkskammer Hannover redet von etwa fünf im Jahr. „Bundesweit ist die Zahl der Anerkennungsanträge über alle Berufe hinweg in der ersten Jahreshälfte auf stabilem Niveau bei 1251 Anträgen geblieben, ebenso wie die Zahl der Anerkennungsbescheide, die von den Handwerkskammern erlassen werden (863 Bescheide)“, teilte die Handwerkskammer Hannover der FR weiter mit.

Viele Friseure haben Zukunftsängste

Dass die jetzige Debatte so erhitzt geführt wird, hat vermutlich mit den Zukunftsängsten vieler Friseure zu tun. Fuhs sieht ein riesiges Problem in mangelnden Kontrollen des Handwerks. „Es gibt viele Salons, die einen Friseurmeister einstellen, ihn dann ganz schnell wieder rauswerfen und ganz ohne Meister arbeiten. Das wird einfach nicht ausreichend überprüft. Das Problem sind die Gewerbeämter, die das zu selten kontrollieren. Auch der Zoll müsste stärker hinterher sein“, sagt er.

„Im Friseurhandwerk herrscht ein Überangebot, daraus resultiert ein harter Verdrängungswettbewerb“, sagt Krombholz. Ein großes Problem seien sogenannte „Männersalons“, oft geführt von Menschen aus der Türkei und dem Nahen Osten, die zwar oft nur die Genehmigung zum Bart schneiden und Rasieren hätten, aber einfach auch die Haare schnitten – und das zu Dumpingpreisen.

Dass insgesamt viele Salons mit Billigangeboten lockten funktioniere zudem nur, „weil diese Unternehmen angeben, weniger als 17 500 Euro Umsatz im Jahr zu erwirtschaften. Damit sind diese Geschäfte umsatzsteuerbefreit“, sagt er. In Nordrhein-Westfalen seien es mehr als 30 Prozent der Salons, die von dieser sogenannten Kleinstunternehmerregelung profitierten und die Mitbewerber „alt aussehen lassen – in den Augen der Kunden sind die ehrlich und fair agierenden Unternehmen die Wucherer“, klagt Krombholz. „Der Markt ist angespannt und das hier war ein Zündfunke“, erklärt er den jetzt tobenden Streit.

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