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Radbranche ist elektrisiert

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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E-Bikes sind im Kommen.
E-Bikes sind im Kommen. © Michael Schick

Neuer Schwung für die Fahrradbranche. Vor allem Zweiräder mit elektrischem Hilfsmotor werden immer beliebter, seit der technische Fortschritt das Image des Senioren-Gefährts verblassen lässt.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Die deutsche Fahrradbranche rechnet für 2014 mit deutlichen Zuwächsen. Die ersten Wochen seien hervorragend gelaufen, heißt es beim Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Verschiedene Faktoren kommen zusammen. Der Wichtigste ist das Wetter mit dem ausgefallenen Winter. Der Grund: Fast jeder hat zu Hause ein Rad. Um ein neues anschaffen, braucht es einen besonderen Anreiz. Wohlige Temperaturen und Sonne vor allem im März und im April beflügeln die Kauflaune ungemein. Hinzu kommt, dass es 2013 um diese Zeit bitterkalt war. Viele Händler blieben auf ihren Zweirädern sitzen. Die werden nun mit massiven Nachlässen angeboten, was den Absatz zusätzlich anfacht.

Ein weiterer Faktor: Im wichtigsten Wachstumssegment der Branche tut sich einiges. Gemeint sind die Räder mit zusätzlichem elektrischem Hilfsantrieb, den sogenannten E-Bikes. Schon im schwierigen vorigen Jahr wuchs der Absatz um acht Prozent auf 410.000 E-Bikes, zugleich ging die Gesamtzahl der verkauften Fahrräder um vier Prozent auf 3,8 Millionen zurück. Der Zuwachs bei den E-Bikes ist bemerkenswert, da zum schlechten Frühjahrswetter ein höchst umstrittener Test von ADAC und Stiftung Warentest kam, der die Verkäufe über Wochen massiv bremste.

Für 2014 will der ZIV keine Prognose wagen. Als Konsens gilt aber in der Branche, dass ein jährlicher Absatz 600.000 E-Bikes mittelfristig drin ist. Gut möglich, dass dieses Jahr erstmals die Schwelle von 500 000 erreicht wird. Denn bei den Fahrrädern mit Hilfsmotor kommt der technische Fortschritt zum Tragen. Die Antriebsaggregate und die Akkus werden immer leistungsfähiger. Das macht die Räder schneller und leichter.

Mehr sportliche Modelle

Immer mehr sportliche Modelle insbesondere in der Kategorie Mountainbike kommen auf den Markt. Die Elektroräder lassen langsam aber sicher das Image des Senioren-Gefährts hinter sich. Vermutlich noch viel wichtiger ist, dass der Wettbewerb wächst. Bislang dominiert hierzulande Bosch bei den Antriebssystemen. Doch nun zieht Shimano, der japanische Gigant unter den Komponentenherstellern, nach. Marktanteile kann er sich auf die Schnelle nur mit einem günstigen Preis-Leistungsverhältnis verschaffen. Das dürfte absatzfördernd wirken.

Branchenkenner rechnen ohnehin damit, dass das Geschäft mit den E-Bikes, die derzeit im Schnitt 2000 Euro kosten, vor massiven Preiskämpfen steht. Die Frage ist nur, ob er schon in diesem Jahr oder erst 2015 losbricht. Dann wird die Konkurrenz unter den Komponentenherstellern noch härter. Die Autozulieferer Brose und Continental haben gemeinsam einen E-Motor entwickelt – die ersten Räder mit dem neuen Antriebsaggregat werden mutmaßlich Ende August auf der Messe Eurobike präsentiert.

Zugleich tun sich für die hiesigen Hersteller größere Chancen im Ausland auf. In vielen Nachbarländern sind die E-Bikes noch längst nicht so weit verbreitet wie hierzulande. Der Trend ist jedenfalls eindeutig. Die deutschen Fahrradbauer haben im vorigen Jahr ihre Exporte um acht Prozent gesteigert, maßgeblich getragen von Elektrofahrrädern.

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