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Quietschbunte Blickfänge

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Die hessische STI-Gruppe stellt Papp-Displays für Supermärkte her. Der Umsatz im vergangenen Jahr deutlich gestiegen.

Gerade waren es Aufsteller mit Ostereiern, die in den Gängen der Supermärkte herumstanden. Doch das ist nicht das einzige, was die STI-Gruppe mit Sitz in Lauterbach im Vogelsberg kann. Das Unternehmen, das nun verkauft werden soll, stellt auch thematisch passende Papp-Displays zu Fußball-Großereignissen her oder für die Vorweihnachtszeit. Eben immer dann, wenn in einem Supermarkt ein Produkt auf besondere Weise präsentiert werden soll.

Längst sind Displays für Sonderaufstellungen aber nicht mehr schlichte viereckige Plastikböden mit hoch aufragenden Pappwänden, in denen die Produkte beworben werden. Eine Getränkemarke hat sich einen Aufsteller produzieren lassen, der einem exotischen Tuk-Tuk-Auto nachempfunden war. Ein Spielzeughersteller hat angeblich Umsatzsteigerungen von bis zu 25 Prozent erzielt, indem Waren in einem Feuerwehrauto dargeboten wurden.

Mit solchen Präsentationen ist die STI-Gruppe auf Erfolgskurs. Das Unternehmen zählt nach eigenen Angaben 15 der 20 international beliebtesten Marken sowie führende Handelskonzerne zu seinen Kunden. Rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt der Konzern, 1350 davon in Deutschland. Im vergangenen Jahr erzielte die STI-Gruppe gut 296 Millionen Euro Umsatz, wie das Unternehmen mitteilte. Im Jahr davor lagen die Einnahmen bei 283,3 Euro. Gewinnzahlen liegen noch nicht vor.

Obwohl die Geschäfte laufen, kündigte Firmenerbin Kristina Stabernack kürzlich an, das 1879 vom Buchbinder Gustav Emil Stabernack in Offenbach gegründete Unternehmen zu verkaufen. Ziel sei es, einen Partner zu finden, der auf den jüngsten Erfolgen aufbaue und künftiges Wachstum fördere, hieß es in einer Mitteilung. Auf Nachfrage spricht das Unternehmen von einer „persönlichen Entscheidung der Eigentümerin“, zu deren Beweggründen man keine Auskünfte geben könne, ebenso wie zum Stand des laufenden Verkaufsprozesses.

Dabei war im September 2017 ein neues Führungsduo in die Geschäftsleitung berufen und dabei explizit auf das „familiäre Umfeld“ verwiesen worden, aus dem der neue CEO Jakob Rinninger stamme. Er denke „nicht nur in Quartalszahlen, sondern in Generationen“, hieß es. Gemeinsam mit Andrea Wildies habe Rinninger die strategische Neuausrichtung vorangetrieben, Umsatz und Effizienz gesteigert und die Profitabilität sogar „deutlich überproportional entwickelt“, hieß es zuletzt. Die „erfolgreichen Initiativen zur Neuausrichtung“ sollen auch unter einem neuen Eigentümer fortgesetzt werden.

Damit dürfte für die Mitarbeiter erneut eine Zeit der Unsicherheit anbrechen, die Gewerkschaft Verdi hat bereits verbindliche Zusagen über den Erhalt der Standorte und Arbeitsplätze gefordert. In den vergangenen Jahren hat sich STI bereits deutlich gewandelt und eine Zeitlang haben gerade die Belegschaften der hessischen Standorte um ihre Arbeitsplätze gebangt. Mindestens seit 2013 befindet sich STI in einer strategischen Neuausrichtung. Ende 2014 beteuerte Kristina Stabernack vor der Belegschaft: „Diese Neuausrichtung mit umfangreichem Investitionsprogramm bedeutet ein klares Bekenntnis zu den Werken hier im Vogelsberg. Die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte soll damit nachhaltig gesichert werden.“ Tatsächlich gab es auch erhebliche Investitionen, auch in Hessen, etwa in Druckmaschinen, Showrooms und Prozesse. Bis 2020 sollen insgesamt 100 Millionen Euro investiert werden.

Ein völlig neues Offset-Druckzentrum wurde 2016 am Standort Lauterbach eingeweiht, was erneut als „klares Bekenntnis zum Vogelsberg“ kommuniziert wurde. Dort steht mittlerweile eine der modernsten Druckmaschinen weltweit, die täglich eine Fläche von etwa 80 Fußballfeldern bedrucken kann, in großen wie kleinen Serien.

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