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Indexfonds bilden bestehende Aktienfonds nach, damit ist die Risikostreuung sehr breit.

Finanzen

Die Qual der Wahl bei ETFs

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Börsennotierte Indexfonds werden immer populärer. Welche Optionen haben Verbraucher?

Wer Vermögen aufbauen will, kommt an Aktien nicht mehr vorbei. Sparbücher werfen wegen des Niedrigzinsniveaus kaum nennenswerte Zinsen mehr ab. Aktien sind dennoch wenig gefragt bei deutschen Sparern – viele scheuen das Risiko. Die Gefahr, dass sich das sauerverdiente Geld an der Börse in Luft auflöst, scheint zu groß.

Doch wenn es um die Börse geht, muss es gar nicht die einzelne Aktie sein, die zum Gewinn führt. Eine Alternative ist die Anlage in Indexfonds. Indexfonds, auch ETFs (Exchange Traded Funds) genannt, werden immer populärer. Das hat seinen Grund: ETFs bilden bestehende Aktienindizes wie den Dax oder den Weltindex MSCI World nach, damit ist die Risikostreuung sehr breit, da sich die einzelnen Aktien auf mehrere Länder und Branchen verteilen. Die Kursentwicklung entspricht dann immer der des Gesamtmarktes. Ein ETF ist außerdem ein passiver Fonds, der ohne aktives Management auskommt. Dadurch sind ETFs günstig, denn die laufenden Verwaltungskosten sind gering.

Bei der Auswahl müssen sich Anleger zum einen entscheiden, ob es ein ausschüttender oder thesaurierender ETF sein soll, zum anderen gibt es die Wahl, wie der Indexfonds gebaut ist.

Während der ausschüttende ETF die Dividenden gutschreibt, legt der thesaurierende Fonds die Dividenden im Fondsvermögen direkt wieder an – wer langfristig sparen will, profitiert somit zusätzlich noch vom Zinseszinseffekt und muss sich um wenig kümmern, egal ob er sich für einen Sparplan oder für eine größere Einmalanlage entscheidet. Für Sparpläne, bei denen monatlich ein recht geringer Betrag von beispielsweise 100 Euro angespart wird, lohnt sich das mehr, als sich die Dividenden regelmäßig auszahlen zu lassen, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Dabei handelt es sich dann in der Regel nicht um viel mehr als Centbeträge“, so Kurz. „Einen thesaurierenden ETF zu wählen, ist für Sparer sinnvoller.“

Mit der neuen Fondsbesteuerung, die seit Anfang 2018 gilt, ist die Wahl zwischen Thesaurierer und Ausschütter zudem zusätzlich einfacher geworden, auch wenn die Regelung bedeutet, dass auch Anleger Steuern zahlen müssen, die vorher darum herumgekommen sind. Pro Jahr wird eine sogenannte Vorabpauschale berechnet, die auf die Wertentwicklung innerhalb des Jahres abzielt. Auf diese Pauschale fällt dann Abgeltungssteuer an, die die Depotbank automatisch an den Fiskus abführt. 

Das war früher nicht so. Da musste der Anleger Jahr für Jahr unter Umständen überhaupt keine Steuern zahlen. Etwa bei einem synthetisch nachgebildeten Fonds, der im Ausland aufgelegt war. „Die waren eine Weile lang ziemlich beliebt, weil erst bei Verkauf komplett alle Steuern anfielen. Das war natürlich für viele Leute sehr bequem“, sagt Sara Zinnecker, Expertin für Geldanlagethemen beim Verbraucher-Ratgeber Finanztip.

Währenddessen mussten Sparer anderer Fonds, die im Ausland aufgelegt waren, Jahr für Jahr erst die Auszüge der Depotbank abwarten, um die Dividenden dann jährlich in die Steuererklärung zu übertragen. „Da das ziemlich aufwendig war, haben sich viele eher mal für einen ausschüttenden Fonds entschieden, weil die Dividenden direkt besteuert wurden. Da das aber mit der neuen Regelung bei allen ETFs gleich ist, fällt der Vorteil hier weg“, sagt Zinnecker.
Wer aber einen Freistellungsauftrag stellt und unterhalb der Kapitaleinkünfte von 801 Euro im Jahr liegt, die steuerfrei sind, zahlt trotzdem auch 2018 immer noch keine Steuern, bei weniger Aufwand.

Eine weitere Unterscheidung verschiedener ETFs ist, nach welcher Strategie ein Index nachgebildet wird. Einige ETFs investieren direkt in die Aktien des entsprechenden Index. Hier spricht man von voller Replikation. Andere ETFs versuchen über Tauschgeschäfte, sogenannte Swaps, die Entwicklung eines Index nachzuvollziehen. Das nennt sich dann synthetische Indexnachbildung. 

Auf die Höhe der Rendite habe die Entscheidung zwischen einem synthetischen und einem physischen Fonds keine Auswirkung. „Es geht immer darum, die Wertentwicklung eines Aktienindex möglichst gut nachzubilden und dafür gibt es einfach unterschiedliche Strategien“, sagt Zinnecker. „Mancher Anleger fühlt sich mit synthetischen ETFs eher unwohl, da die Tauschgeschäfte für ihn nicht so intuitiv nachvollziehbar sind.“ 

Die laufenden Kosten unterscheiden sich hingegen schon, wenn auch minimal. „Physisch replizierende sind in der Regel teurer“, sagt Kurz. „Der Aktienkauf produziert Kosten, die synthetische Nachbildung ist billiger.“ Je größer der Fonds, desto weniger falle dieser Faktor aber ins Gewicht.

Neben den laufenden Kosten fällt normalerweise ein Ausgabeaufschlag an, quasi eine Betriebsprovision, die die Bank vom Anleger verlangt. Hier gibt es momentan eine ganze Reihe Gratis-Aktionen. Aber Obacht: „Verbraucher sollten sich nicht darauf verlassen, dass sie ETF-Anteile im Sparplan unbegrenzt kostenlos kaufen können“, gibt Zinnecker zu Bedenken. Die meisten Aktionen sind zeitlich befristet und Banken behalten sich im Kleingedruckten vor, die Aktionen vorzeitig zu beenden.

Der Tipp der Finanzexpertin: Eine Bank wählen, die viele ETFs für den Sparplan im Programm hat. Dann ist es ohne viel Aufwand möglich, sollte ein ETF kostenpflichtig werden, zu einem anderen kostenfreien oder günstigerem Angebot zu wechseln.

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