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Vanille-Aroma in der Voll-Nuss: natürlich oder chemisch?
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Vanille-Aroma in der Voll-Nuss: natürlich oder chemisch?

Stiftung Warentest

Quadratisch, praktisch, mangelhaft

  • VonPeter Kirnich
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Wegen kritischer Urteile kritisieren Hersteller wie Ritter Sport die Stiftung Warentest häufiger öffentlich. Manche verklagen die Tester sogar - allerdings mit bregrenztem Erfolg.

Quadratisch, praktisch, gut? Im Hause Ritter Sport übt man sich gerade an einer Umdeutung des Werbeslogans. Quadratisch, praktisch, natürlich, heißt die Überschrift der aktuellsten Pressemitteilung des Schokoladenherstellers. Das hat seinen Grund: Vor wenigen Tagen hat die Stiftung Warentest einen Schokoladentest veröffentlicht. Darin bezeichnen die Tester die Kennzeichnung „natürliches Aroma“ bei einem Ritter-Sport-Produkt als irreführend. Tatsächlich hätten sie einen chemisch hergestellten Aromastoff nachgewiesen. „Das Aroma darf daher nicht als natürlich bezeichnet werden“, so die Stiftung. Die betroffene Voll-Nuss-Schokolade erhielt folglich nur die Note mangelhaft.

Attacke von Radherstellern

Das Urteil sorgte am Firmensitz im baden-württembergischen Waldenbuch für Entsetzen. Die Einschätzung der Warentester könne die Firma nicht teilen, sagte eine Sprecherin. Aromahersteller Symrise aus Holzminden, der das umstrittene Vanille-Aroma mit dem Namen Piperonal liefert, hat Ritter Sport garantiert, dass es sich um ein natürliches Aroma handele. Es stamme aus einer botanischen Quelle, das Herstellungsverfahren sei EU-konform, sagte eine Symrise-Sprecherin. Deshalb akzeptiere man das Testergebnis nicht. Ritter Sport geht noch einen Schritt weiter: „Wir prüfen rechtliche Schritte“, kündigte die Sprecherin an.

Erst vor vier Wochen hatten Hersteller von Elektrofahrrädern die Warentester massiv attackiert. Die Stiftung hatte ihnen ein halbes Jahr zuvor ein verheerendes Zeugnis ausgestellt. Bei einem gemeinsam mit dem ADAC durchgeführten Test von E-Bikes war mehr als die Hälfte der Elektrofahrräder durchgefallen. Neun Modelle erhielten die Note „mangelhaft“. Die Fahrradhersteller warfen den Testern „Panikmache, zweifelhafte Tests und eine katastrophale Interpretation der Ergebnisse vor – und kündigten ebenfalls rechtliche Schritte an. Auch eine Untersuchung von Adventskalendern vor einem Jahr, bei der die Tester Mineralöl in der Schokolade vorfanden, stieß seinerzeit bei den Herstellern auf große Kritik.

"Die Ergebnisse wurden nicht widerlegt"

Häufen sich die Proteste? Zieht bei den Testern etwa der Schlendrian ein? „Nein“, sagte Sprecherin Heike van Laak der Frankfurter Rundschau. „Wir sehen die Vorwürfe und die Klageandrohungen gelassen. Unsere Ergebnisse wurden bis heute nicht widerlegt.“ Dass sich Anbieter beschweren, die schlecht abschneiden, sei normal. „Geändert hat sich, dass die Firmen häufiger an die Öffentlichkeit gehen, um ihren Unmut über Testergebnisse kund zu tun.“

Geraten hat ihnen dazu der Industrieverband BDI, nachdem viele Klagen erfolglos blieben. Ein schlechtes Zeugnis der Warentester kann verheerende Folgen für ein Unternehmen haben. Die Symrise-Aktie etwa war unmittelbar nach der Test-Veröffentlichung um vier Prozent abgesackt. Der Handelsverband HDE mahnt die Stiftung deshalb zur Sorgfalt: „Die Tests haben eine hohe Glaubwürdigkeit bei Kunden. Daraus ergibt sich eine große Verantwortung für die Tester“, sagte HDE-Sprecher Stefan Hertel.

„Unsere Tester arbeiten grundsolide“, zeigt sich van Laak überzeugt. Jährlich gebe es zwar vier bis fünf Prozesse, die jedoch gewinnt die Stiftung Warentest in aller Regelmäßigkeit. „Zuletzt hatten wir in den 90er Jahren mal einen Prozess verloren. “ Was nicht heißen soll, dass die Tester unfehlbar seien. So habe man 2002 ein komplettes Heft mit einer Untersuchung zur Riester-Rente kurz vor Erscheinen zurücknehmen müssen, „weil wir falsch gerechnet hatten“. Den Fehler hatten die Tester selbst entdeckt.

Geheime Prüflabors

Jährlich prüft die Stiftung rund 2000 Produkte. Seit der Gründung 1964 waren es rund 50 000: Rasenmäher, Hometrainer, Olivenöl, Kondome und vieles mehr. Untersucht werden die Produkte ganz geheim in 130 Prüflabors. Bei jedem Test gebe es einen Fachbeirat, in dem Vertreter von Herstellern, Verbraucher und neutrale Sachverständige sitzen. Unternehmen, deren Produkte auf den Prüfstand kommen, werden informiert. „Sie erhalten auch vor der Veröffentlichung eine Prüfinformation. Wird die beanstandet, testen wir noch einmal“, so van Laak.

Die Tests dauern mitunter ein halbes Jahr lang. Alles müsse gerichtsfest sein. Die Testsieger indes schmücken sich gern mit dem Siegel. Seit 2012 müssen sie das bezahlen. Wer in allen Medien damit werben will, muss pro Jahr 15 000 Euro berappen, wer ohne die Fernsehwerbung auskommt, zahlt immer noch 7000 Euro Gebühr. Nach zwei Jahren darf das Siegel nicht mehr verwendet werden. Das schützt davor, dass selbst in die Jahre gekommene Produkte immer noch mit der begehrten Prüfplakette beworben werden.

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