+
Der Chef von Qatar Airways möchte gerne in die deutsche Lufthansa investieren.

Luftfahrt

Qatar Airways im Anflug?

  • schließen

Die Lufthansa hat derzeit viele Baustellen - eine Offerte schafft nun weitere Unruhe.

Das hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr gerade noch gefehlt. Akbar Al-Baker, Chef von Qatar Airways, hat eindeutige Avancen gegenüber der Kranich-Linie gemacht. Wenn es Möglichkeiten gebe, bei der deutschen Airline zu investieren, dann würde er dies gerne tun. Doch das Management hat ihm einen Korb gegeben. Wohl auch weil der Konzern gerade mit vielen anderen Baustellen zu kämpfen hat. Mehrere Tarifkonflikte schwelen. Und für die LH-Führungsriege geht es derzeit vordringlich darum, für Ruhe zu sorgen und Arbeitskämpfe zu vermeiden.

So legte das Management im Streit über die Zukunft der Catering-Tochter LSG am Wochenende ein neues Angebot vor. Die erhoffte Reaktion bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi stellte sich prompt ein. Sie sagte einen für Montag geplanten Streik ab. Flugausfälle auf Langstrecken-Verbindungen von und nach München und Frankfurt wurden so vermieden. Nun habe die Lufthansa die Gelegenheit, bei den nächsten Verhandlungen am Mittwoch soziale Verantwortung zu zeigen, sagte Katharina Wesenick.

Die Lufthansa hatte Anfang voriger Woche beschlossen, das europäische Geschäft des weltweit zweitgrößten Luftfahrt-Caterers an die Schweizerische Gate-Gruppe zu verkaufen. Verdi fordert, dass die Lufthansa vor dem Unterschreiben des Verkaufsvertrages die Gehälter für rund 7000 Beschäftigte absichert. Nun hat das Lufthansa-Management unter anderem Altersteilzeit-Modelle vorgeschlagen. Doch Verdi will den Druck hochhalten. Beim Thema Streik sei lediglich die Pausentaste gedrückt, so Wesenick – der LSG-Deal dürfte auch bei der LH-Aufsichtsratssitzung an diesem heutigen Dienstag auf der Tagesordnung stehen.

Welche Tasten gerade beim Dauer-Streit mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo gedrückt sind, ist schwer zu erkennen. Ende voriger Woche wurde ergebnislos verhandelt. Die Arbeitgeberseite habe die Gespräche über einer Schlichtungsvereinbarung nicht ernsthaft geführt, sagte Ufo-Sprecher Nicoley Baublies. Von einem Ausstand will die Unabhängige Flugbegleiter Organisation aber erst einmal absehen. Man setze stattdessen auf die bereits benannten Schlichter Matthias Platzeck und Frank-Jürgen Weise. Gestritten wird um Spesen, Zulagen, höhere Gehälter, die Bezahlung von Saison-Beschäftigten und über Arbeitsbedingungen bei der blau-gelben Kernfirma und bei anderen Marken des Konzerns. Seit nunmehr gut drei Wochen geht es aufgeregt hin und her. Verhandlungen wurden vereinbart und kurzfristig wieder abgesagt. Die Lufthansa zog vor Gericht. Die Querelen gehen auch auf das Konto der Arbeitsdirektorin und Vorständin Bettina Volkens.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Beschwerden gibt. Bei vergangenen Arbeitskämpfen kam immer wieder von der Gegenseite der Vorwurf, dass bei ihr eine klare Linie nicht zu erkennen sei. Nun soll der Stuhl von Volkens wackeln. In Branchenkreisen heißt es allerdings, dass Volkens erst einmal nicht gefeuert wird. Erstens wegen der laufenden Verhandlungen und zweitens weil dies bei Anlegern und Analysten nicht gut ankomme. Gut möglich, dass die Lufthansa-Spitze in den nächsten Wochen auf Zeit spielt, um Streiks im wichtigen Weihnachtsgeschäft zu vermeiden.

Für Spohr dürften indes ganz andere Themen wichtig sein. Er und seine Strategen basteln gerade an einem neuen Konzept für touristische Langstreckenflüge. Im Ansteuern der sogenannten Warmwasser-Ziele sieht der Lufthansa-Chef große Potenziale. Hier soll im neuen Jahr eine neue Marke kreiert und das operative Geschäft effizienter organisiert werden – dort sind einerseits mehrere Marken gleichzeitig unterwegs, was die Flexibilität deutlich einschränkt. Zugleich erwarten viele Beobachter, dass es bald Zuwachs geben könnte. Spohr hat schon mehrfach sein Interesse an Condor bekundet – beim Ferienflieger des pleitegegangenen Reisekonzerns Thomas Cook beginnt gerade die heiße Phase der Verhandlungen über eine Übernahme.

Al-Bakers Ansinnen liegt da einigermaßen quer. Er hat es vor allem darauf abgesehen, stärker auf dem europäischen Markt präsent zu sein, auch um seine staatlich kontrollierte Airline aus den roten Zahlen zu holen. Deutschlands größte Airline aber hält nichts von einem Einstieg von Qatar. Die Lufthansa sei hierzulande nicht privatisiert worden, um sie in Katar wieder zu verstaatlichen, sagte ein Konzernsprecher.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare