Gesetzesentwurf

Psychotherapie wird Studienfach

Regierung bringt Reform der Ausbildung auf den Weg.

Die Ausbildung von Psychotherapeuten in Deutschland soll künftig über ein eigenständiges Studium laufen und dann für Berufseinsteiger auch finanziell lohnender werden. Darauf zielt ein Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), den das Bundeskabinett am Mittwoch auf den Weg gebracht hat. Die neuen, auf fünf Jahre angelegten Studiengänge sollen zum Wintersemester 2020 starten. Vorgesehen ist ebenfalls, dass in der dann anschließenden Weiterbildung in Kliniken oder ambulanten Einrichtungen auch ein Gehalt bezahlt werden soll, worauf bisher kein Anspruch besteht.

Spahn sagte, mit der neuen Ausbildung würden die Qualifikation noch besser und der Beruf noch attraktiver. „Das ist gut für Therapeuten und Patienten.“ Die Bundespsychotherapeutenkammer sprach von einer wegweisenden Reform. Der bisherige Sonderweg, der den Zugang zur Ausbildung ungenügend regele und den Nachwuchs in eine prekäre Lebenslage zwinge, werde beendet, so Präsident Dietrich Munz.

Teil von Spahns Plänen ist nun auch ein neuer Anlauf, Patienten einen leichteren Zugang zu Psychotherapeuten zu verschaffen – darum hatte es zuletzt Ärger gegeben. Nun soll der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken bis Mitte 2020 Regeln zur besseren Zusammenarbeit zwischen Therapeuten und mit Ärzten erarbeiten. Zuvor waren solche Regeln direkt in einem anderen Gesetz vorgesehen. Es gab aber Proteste aus der Branche, dass dies neue Hürden schaffen würde.

Spahn betonte, er wolle eine bessere Versorgung für Menschen mit psychischen Erkrankungen, die „im System nicht von Pontius zu Pilatus laufen“ sollten. Sie sollten jemanden als ersten Ansprechpartner haben – einen Arzt, einen Psychotherapeut oder andere. Der Minister erläuterte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ), Therapeuten hätten die Sorge, es solle ein Gutachtersystem aufgebaut werden oder über die Notwendigkeit von Psychotherapie sollten wieder Ärzte entscheiden. „Aber diese Sorge ist völlig unbegründet.“ Bei Psychotherapeuten, die nicht Ärzte sind, solle es aber bei einer körperlichen Abklärung durch einen Arzt bleiben, sagte er in Berlin.

Vom Koalitionspartner SPD kam Widerspruch, dass nun die Akteure des Gesundheitswesens beauftragt werden sollen. „Die Versorgung schwer psychisch Kranker zu verbessern, ist eine politische Aufgabe“, sagte SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach der NOZ. „Die dürfen wir nicht an die Selbstverwaltung abschieben, weil wir uns nicht einigen können.“

Die neue Universitätsausbildung soll aus einem dreijährigen Bachelor- und einem zweijährigen Masterstudium bestehen. Nach der bestandenen Prüfung bekommen Absolventen eine Behandlungserlaubnis (Approbation). Es schließt sich aber noch eine Weiterbildung an, nach der sich Psychotherapeuten dann auch ins Arztregister eintragen lassen können. (dpa)

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