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Wer nach jeder EC-Karten-Abbuchung einen kleinen Betrag aufs Sparkonto schiebt, spart relativ leicht.

Sparen

Die Psychologie des Sparens

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Wer seine Psyche überlistet, spart leichter.

Jedes Mal, wenn US-Präsident Donald Trump etwas twittert, wandert ein Euro vom Girokonto auf das Sparkonto. Zwei Euro sind es, wenn ein Fitnessstudio betreten wird. Welche Regeln gelten, kann jeder Nutzer der App Savedroid selbst festlegen. Das Frankfurter Fintech hat eine App entwickelt, die Nutzer zum Sparen animieren soll. Im Gegenzug sammelt Savedroid reichlich Daten von den Nutzern ein. Das Start-up ist nicht unumstritten und hat in der Vergangenheit Furore gemacht, mit einigen schiefgegangenen PR-Gags.

Konventioneller ist da das sogenannte Wechselgeldsparen, welches zum Beispiel die Hypovereinsbank unter dem Namen „Centsparen“ anbietet. Bei jeder Abbuchung oder Überweisung vom Girokonto wird auf den nächsten vollen Euro, oder wahlweise auch auf die nächsten fünf Euro aufgerundet. Die Differenz landet auf dem Sparkonto. Beispiel: Kostet der Wochenendeinkauf, der mit der EC-Karte an der Supermarktkasse bezahlt wird, 48,20 Euro, wandern mindestens 80 Cent direkt auf das Sparkonto.

Was nicht viel klingt, kann sich über die Zeit läppern. Wenn drei Mal am Tag die EC-Karte eingesetzt wird, dabei durchschnittlich 50 Cent Wechselgeld angespart werden, würden sich 45 Euro im Monat allein durch das Zusammenkratzen von Wechselgeld anhäufen.

Die Idee, Wechselgeld beiseite zu legen und quasi „nebenbei“ zu sparen, hat etwas für sich. Auch aus psychologischer Sicht, sagt Sebastian Ebert, Professor für Mikroökonomie an der Frankfurt School of Finance & Management.

Jede Sparentscheidung erfordert aktive Überwindung

Das hat unter anderem mit dem zu tun, was sich „abnehmende Sensitivität“ nennt. So werde eine negative Zahlung von 48,20 Euro schmerzlich wahrgenommen. Die Differenz von 80 Cent auf 49 Euro hingegen so gut wie gar nicht mehr. „Hingegen wird das Plus von 80 Cent im Vergleich zu null Cent auf dem Sparkonto durchaus wahrgenommen und verschafft dem Sparer ein positives Gefühl“, sagt Ebert. Denn im Kopf habe jeder zwei Konten: Das Ausgabenkonto und das Sparkonto. Mit beiden sind unterschiedliche Gefühle verbunden. Der Gedanke entspringt einer Theorie des Amerikaners Richard Thaler, der 2017 den Wirtschaftsnobelpreis bekam.

Es ist nicht der einzige verhaltensökonomische Aspekt, der beim Sparen zum Tragen kommt. „Menschen sind träge“, sagt Ebert. Jede Sparentscheidung erfordere aktive Überwindung. „Wenn man jedes Mal aktiv entscheiden müsste, die 80 Cent auf das Sparkonto zu überweisen, würde das schmerzen.“ Außerdem macht es Mühe. Es ist wie den Schweinehund zu überwinden, regelmäßig Sport zu treiben: Man weiß, dass es gut ist, macht es aber seltener als es möglich wäre. „Ein Dauerauftrag kann helfen“, sagt Mikroökonom Ebert auf die Konten bezogen.

Das hat dann auch einen weiteren Vorteil: Ein Dauerauftrag oder ein Sparplan wird immer für die Zukunft eingerichtet. „Der Mensch gewichtet sein Wohlbefinden in der Gegenwart stärker als in der Zukunft“, sagt Ebert. In der Verhaltensökonomie nennt sich das „Present Bias“. Ein für die Zukunft angelegter Dauerauftrag umgeht daher die unangenehme Entscheidung, sofort zu sparen. Nobelpreisträger Thaler hat das schon in seinen Sparempfehlungen unter dem Titel „Spar mehr morgen“ zusammengefasst.

Doch stößt man beim Wechselgeldsparen auch auf ein Problem. Bei solchen Produkten landet das Gesparte in der Regel auf dem Tagesgeld- oder Sparkonto. „Von dort ist es relativ einfach, das Geld aufs Girokonto zurückzuschieben. Oftmals muss man, befinden sich die Konten bei derselben Bank, noch nicht einmal eine TAN eingeben“, merkt Ebert an. Aus verhaltensökonomischer Sicht wäre es demnach viel sinnvoller, eine größere Hürde zu schaffen.

Besser in einen Fonds einzahlen als auf ein Sparkonto

Das ginge, indem das Wechselgeld nicht nur auf einem Spar- oder Tagesgeldkonto landet, welche sowieso nur mickrige Zinsen abwerfen, die derzeit noch nicht einmal die Inflationsrate übersteigen, sondern stattdessen regelmäßig in einem Fonds angelegt wird. „Da Aktienfonds zu verkaufen eine Ecke aufwendiger ist, ist man weniger versucht, das gesparte Geld doch direkt wieder auszugeben“, so der Ökonom.

Und ein zusätzlicher Vorteil winkt: Geld vermehrt sich im besten Fall. Die Aussichten, an der Börse mehr Gewinn zu erzielen als mit Sparzinsen von unter einem Prozent, sind hoch – natürlich bei höherem Risiko auch etwas zu verlieren.

Doch nach solchen Sparprogrammen, die Wechselgeld direkt in Fonds investieren, sucht man hierzulande vergebens. Die Hypovereinsbank teilt mit, sich bewusst gegen eine solche Variante entschieden zu haben. Man habe eine klassische Sparform gewählt, die kein Risiko von Kursschwankungen wie bei Investmentfonds beinhaltet.

In anderen Ländern ist man da weiter: Acorns, ein amerikanisches Fintech, koppelt das Wechselgeldsparen mit einer Anlage im Aktienmarkt. Immer dann, wenn der Sparer fünf Dollar zusammengesammelt hat, wird der Betrag automatisch investiert. Die App ist in Deutschland jedoch nicht nutzbar.

Und bei genauerem Hinsehen zeigen sich auch hier Hürden auf: Die Kosten, wie etwa die Depotkontoführungsgebühren, fallen im Vergleich zu den relativ gesehen kleinen Sparbeträgen hoch aus. Sie sind nicht wie die Sparkonten der Banken kostenlos. Das ist dann wieder eine willkommene Ausrede, gar nicht erst anzufangen mit dem mühsamen Sparen.

Zur Person: Richard Thaler

Nobelpreisträger: Der US-Ökonom Richard H. Thaler hat für seine Forschungen zur Psychologie wirtschaftlicher Entscheidungen 2017 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bekommen. Er habe die Wirtschaft menschlicher gemacht, begründete die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie die Auszeichnung.

Forschungsgebiet: Thaler beschäftigte sich vor allem damit, dass viele Verhaltensweisen im Alltag nicht so „vernünftig“ sind, wie man lange annahm. Er untersuchte unter anderem, warum Neujahrsvorsätze oft zum Scheitern verurteilt sind. Die gleiche mangelnde Selbstdisziplin mache es vielen Menschen schwer, für das Alter zu sparen, fand er heraus.

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