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Schreiender Protest vor der Zentrale von Vale in Rio de Janeiro.

Brasilien

Prüfsystem nicht in Ordnung?

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TÜV Süd stoppt Arbeiten bei Rohstoffkonzern Vale nach Dammbruch.

Der verheerende Dammbruch an einer Eisenerzmine in Brasilien hat nun auch Folgen beim TÜV Süd, der im Auftrag des Rohstoffkonzerns Vale für die Sicherheitsüberprüfung der Dämme zuständig war. Die brasilianische Tochter der Prüforganisation teilte mit, sie werde bis auf weiteres solche Kontrollen in dem Land nicht mehr vornehmen. Es gebe „eine erhöhte Unsicherheit“, ob das bestehende Prüfsystem eine zuverlässige Aussage über die Stabilität von Dämmen liefern kann. „Es ist inzwischen zweifelhaft, ob dieses System Menschen und Umwelt angemessen vor den ernsten Risiken ... schützen kann“, heißt es in der Erklärung.

Die TÜV-Tochter hatte den Bergwerksdamm bei Brumadinho im Südosten Brasiliens im vorigen September für sicher befunden. Ende Januar brach er dann; durch eine riesige Schlammlawine kamen wahrscheinlich mehr als 300 Menschen ums Leben. Der TÜV hat zwei Rechtsanwaltskanzleien damit beauftragt, die eigene Rolle im Vorfeld der Katastrophe zu untersuchen. „Für TÜV Süd wäre es inakzeptabel, wenn Erklärungen entgegen besseren Wissens unterschrieben worden wären. Ein solches Verhalten würde gegen alle Regeln des Unternehmens sowie sein Selbstverständnis verstoßen“, hieß es. Das staatliche Prüfsystem soll nun überprüft werden, dafür biete man Mitarbeit an.

Jüngst war aus Gerichtsakten zu dem Fall bekannt geworden, dass ein TÜV-Mitarbeiter offenbar bei der Untersuchung des Damms große Sicherheitsbedenken hatte. Trotzdem fiel das Testat positiv aus, allerdings verbunden mit 17 Verbesserungsvorschlägen. Vale berief sich nach dem Unfall auf das TÜV-Gutachten. Die Staatsanwaltschaft ließ jetzt Büros von Vale und TÜV Süd durchsuchen, außerdem wurden Mitarbeiter festgenommen und verhört.

Die Hilfsorganisation Misereor begrüßte, dass TÜV Süd seine Kooperation mit Vale zumindest vorerst beendet hat. Partnerorganisationen in Brasilien berichteten „seit vielen Jahren von teilweise schweren Menschenrechtsverletzungen durch Vale“, sagte Misereor-Mitarbeiterin Susanne Friess der FR. Brumadinho sei nur „die Spitze des Eisbergs“. Firmen und Banken in Deutschland sollten ihre Beziehungen zu dem Rohstoff-Konzern einer menschenrechtlichen Prüfung unterziehen. Der TÜV Süd sei nur eines von vielen Unternehmen, die mit Vale Geschäfte machten.

Misereor zufolge wollen weitere Prüffirmen in Brasilien dem Beispiel von TÜV Süd folgen und die Sicherheit von Vale-Dämmen nicht mehr zertifizieren.

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