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Fast jede und jeder fünfte Beschäftigte arbeitet im Niedriglohnsektor.

Beschäftigung

Nur die Profitrate ist spitze

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Bei Arbeit muss man heute fast gleichberechtigt von prekären Verhältnissen reden. Die Kolumne.

Es mehren sich die Beiträge in den Medien, die von einer guten Entwicklung auf den Arbeitsmärkten und von steigenden Einkommen bei den Beschäftigten sprechen. Man muss sich fragen, wie das Menschen empfinden, die tief im Prekariat stecken. Auf den Arbeitsmärkten wird bei den Jubelmeldungen nur die quantitative Veränderung gesehen: Mehr Beschäftigung weniger Arbeitslose. Und wie sieht die Qualität der Veränderung aus? Sehr wohlwollend beurteilt: Bescheiden!

Unbefristete und sozialversicherungspflichtige sowie tarifvertraglich- und mitbestimmungsgesicherte Vollzeit kam beim Zuwachs so gut wie nicht vor. Zu Vollbeschäftigungszeiten, die hat es tatsächlich mal gegeben, nannte man das noch ein Normalarbeitsverhältnis. Heute muss man bei Arbeit fast gleichberechtigt von prekären Verhältnissen reden. Und was die Bezahlung von abhängiger Arbeit anbelangt, so arbeitet fast jeder fünfte Beschäftigte im Niedriglohnsektor. Auch insgesamt sind die realen Nettolöhne und -gehälter in den Jahren 2015 bis 2018 jahresdurchschnittlich nur um 1,5 Prozent gestiegen. Das ist ja richtig viel!

Vergleicht man dagegen die von der Deutschen Bundesbank für 2015 bis 2017 veröffentlichte Profitentwicklung der Unternehmen, dann fallen im Vergleich auf die abhängig Beschäftigten noch mehr Schatten. Die Unternehmen stoßen hier wegen der realisierten hohen Profite beim Eigenkapital bereits an „Sättigungsgrenzen“, so die Bundesbank.

Bis 2017 haben die Unternehmenseigner 1380 Milliarden Euro an Eigenkapital akkumuliert. Die Eigenkapitalquote kam auf einen Spitzenwert von 30 Prozent. Gleichzeitig fiel die Innenfinanzierung aus dem Cashflow höher aus als die Bruttoinvestitionen. Die Unternehmen waren also in Summe auf keine Außenfinanzierung - etwa durch Banken - angewiesen. Und allein die Geldvermögensbildungen (quasi die liquiden Mittel) lagen bei kumuliert 470,8 Milliarden Euro. Das sind absolute Spitzenwerte. Aber nur für die Unternehmenseigner!

Und schaut man sich dabei die für Kapitaleigner letztlich immer entscheidende Größe, die Profitrate an, also die Höhe der Verzinsung mit Gewinn bezogen auf den Eigenkapitaleinsatz, so sind in den Chefetagen die Champagnerkorken geflogen. Vor Steuern lag hier die Rendite im Durchschnitt von 2015 bis 2017 bei 20,2 Prozent und nach Steuern bei 15,8 Prozent. Das sind wirklich gute Werte!

Der Autor ist Sprecher der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik.

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