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Enttäuschte Fans nach dem Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM 2018.

Sportpolicen

Profisport: Kein Erfolg? Hauptsache versichert

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Die Versicherung von Sportlern ist für die Assekuranz ein großes Geschäft - birgt aber auch große Risiken.

Die neue Saison der Fußballbundesliga steht am Freitag mit dem Auftaktmatch des Meisters FC Bayern München gegen Hertha BSC vor ihrem Start. Auf eine neue Spielzeit bereitet sich dabei auch die Assekurranz vor. Das gilt zumindest für den Teil von ihr, der wie die Allianz im großen Stil Sportveranstaltungen, Sportler oder Vereine versichert.

„Im Profisport wird immer mehr Versicherungsschutz nachgefragt“, sagt Michael Furtschegger. Er ist bei der Allianz-Tochter AGCS Leiter der Sparte Entertainment, die einmal mit der Versicherung von teurer Filmproduktionen aus der Taufe gehoben worden ist und mittlerweile jährliche Prämieneinnahmen von rund 200 Millionen Euro erzielt. „Der Filmbereich ist mittlerweile kleiner als die Versicherung von Sport-Veranstaltungen und anderer Großevents“, sagt Furtschegger.

Versichert wird in sportlicher Hinsicht dabei mittlerweile so gut wie alles vom Bau großer Sportstätten über namhafte Großereignisse wie eine Fußball-Weltmeisterschaft bis zur Gesundheit prominenter Sportler. Sogar Erfolg ist versicherbar geworden. „Es gibt Policen gegen Nicht- oder Mindererfolg“, erklärt Furtschegger.

Wenn beispielsweise ein Bundesliga-Club einen so teuren Kader hat, dass er jährliche Einnahmen aus der Champions League fest eingeplant hat, kann eine Police helfen. Das soll bei Borussia Dortmund vor ein paar Jahren der Fall gewesen sein, als der Club sich einmal nicht für den lukrativsten Wettbewerb für Vereinsmannschaften in Europa qualifizieren konnte und eine Versicherung eingesprungen ist.

Nicht immer bekommen Vereine aber die gewünschte Police gegen ausbleibende Einnahmen. So wollte sich ein Zweitligaclub vorige Saison dagegen versichern, nicht in die erste Liga aufzusteigen, was fest eingeplant war. Am Ende wollte aber kein Versicherer zeichnen, weil die Sache unter Assekuranzexperten als zu riskant galt. Der betreffende Club, dem Vernehmen nach aus dem hohen Norden, hat den Aufstieg dann in der Tat verpasst.

Kroatiens Fußballer brachten Versicherer ins Schwitzen

Sportversicherungen benötigen ein spezielles Knowhow, betont Furtschegger. Für die Allianz arbeitet für den Bereich ein etwa 40 Experten starkes Team. Außerdem gebe es einen auf das Thema spezialisierten Dienstleister in London, der umfangreiche Daten und Analysen zu einzelnen Sportlern und Sportarten bereithält. In einem Mix aus Expertenwissen und Datenanalyse werde dann von Einzelfall zu Einzelfall entschieden, zu welchen Konditionen die Allianz eine Sportpolice anbietet, oder ob sie wegen zu großem Risiko passt. Entsprechend stark gespreizt ist in diesem Spezialbereich der Assekuranz der Beitragssatz, der zwischen einem und bis zu 25 Prozent der zu versichernden Summe schwanken kann.

Versichern könne man auch unverhofft eintretende Erfolge und damit verbundene Prämien oder Rabatte, sagt Furtschegger. So habe ein Elektrohändler bei der vergangenen Fußball-WM in Russland eine beinahe fatale Werbeidee gehabt. „Er hatte seinen Kunden versprochen, den Kaufpreis von im Vorfeld der WM gekauften TV-Geräten komplett zu erstatten, falls Kroatien Weltmeister würde“, erzählt der Allianz-Experte. Der Händler habe einen Versicherer gefunden, der ihm das finanzielle Risiko abgenommen hat. Das Überraschungsteam aus Kroatien ist erst im Finale am späteren Weltmeister Frankreich gescheitert, was beim betroffenen Versicherer für großes Aufatmen gesorgt haben dürfte.

Bei der Versicherung von Profisport geht es mindestens um Millionenbeträge. Das gilt auch für verletzungsbedingte Ausfälle oder gar ein vorzeitiges Karriereende von Spitzensportlern, was beides versicherbar ist. Noch weit größere Summen stehen bei Ausfallpolicen für große Sportereignisse auf dem Spiel. So hat das Versicherungssyndikat Lloyds das gesamte Versicherungsvolumen für die Fußball-WM 2018 in Russland auf zwölf Milliarden Dollar geschätzt.

Bei der Versicherung von Profisport stehe zwar Fußball im Fokus, räumt Furtschegger ein. „Policen werden aber bei allen Sportarten nachgefragt, wo viel Geld im Spiel ist“, erklärt er und nennt Tennis, aber zunehmend auch Basketball, Leichtathletik oder Skifahren.

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