Investitionen

Professuren für Radverkehr

  • Tim Szent-Ivanyi
    vonTim Szent-Ivanyi
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Bundesverkehrsminister Scheuer fördert sieben Hochschulen mit acht Millionen Euro.

Radverkehr wird Uni-Fach an deutschen Hochschulen: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat in Berlin am Donnerstag Förderbescheide für sieben Stiftungsprofessuren übergeben. Damit möchte er Radfahrern den Rücken stärken: „Radverkehr muss als gleichberechtigtes Verkehrsmittel von Anfang an mitgedacht werden – sei es in der Gesetzgebung, in der Verkehrsplanung oder in der Innovationsforschung“, begründete er die Förderung. Mit einem Volumen von 8,3 Millionen Euro unterstützt das Bundesministerium für Verkehr erstmals Professuren dieser Art.

33 Hochschulen hatten zuvor ihr Interesse bekundet und sich für die Radverkehrs-Professuren beworben. An sieben werden nun spezialisierte Masterstudiengänge vorbereitet. Die Verfahren zur Einrichtung der Professuren beginnen noch in diesem Jahr. „Mich freut es sehr zu hören, dass bei einigen Hochschulen bereits die Ausschreibungen laufen“, sagte Scheuer bei der Übergabe.

Die Stiftungsprofessuren sind Teil des nationalen Radverkehrsplans 2020. Maximal gibt es für fünf Jahre einen jährlichen Höchstbetrag von 400 000 Euro je Professur. Die Folgefinanzierung muss von den Universitäten und Hochschulen gesichert werden.

Vom Bundesministerium gefördert werden die Bergische Universität Wuppertal, die Hochschule Karlsruhe, die Hochschule Rhein Main (Wiesbaden), die Ostfalia Hochschule (Wolfenbüttel), die Technische Hochschule Wildau, die Universität Kassel und die Frankfurter University of Applied Sciences. Die neu eingerichteten Professuren sollen zu wichtigen Aspekten des Radverkehrs ausbilden, darunter Verkehrsplanungen, Verkehrssicherheit und auch Logistik. Dabei verfolgt jede Hochschule ihre eigene Strategie.

An der Hochschule in Karlsruhe beispielsweise sollen neben einer Vertiefungsstufe im bereits bestehenden Bachelorstudiengang Verkehrssystemmanagement und einem neuen interdisziplinären Masterstudiengang Radverkehr auch berufsbegleitende Weiterbildungsangebote geschaffen werden. Kassels Uni-Präsident Reiner Finkeldey erhofft sich „bundesweit wahrnehmbare Forschungsbeiträge, die die Verkehrswende voranbringen werden.“ An dessen Hochschule sollen nicht nur der Radverkehr, sondern die aktive Mobilität im Allgemeinen – also auch Fußgänger und E-Roller – im Fokus stehen.

Die Studierenden Zoé Winkler und Maximilian Kirchner sind von der Förderung des Bundesministeriums begeistert. Beide befinden sich derzeit im zweiten Semester des Masters Infrastrukturmanagement an der Frankfurter University of Applied Sciences. Als sich herumgesprochen hatte, dass ihre Universität eine der Stiftungsprofessuren für Radverkehr erhält, seien sie unter den ersten gewesen, die vor der Tür von Professorin Petra Schäfer gestanden und gefragt hätten: „Dürfen wir in diesem Bereich arbeiten?“

Grund dafür sind die aktuellen Defizite im Radverkehr. „Ich will unbedingt in dem Bereich bleiben, da Sicherheit und Vernetzung oft problematisch sind“, erklärt Studentin Zoé Winkler. Das möchte sie ändern. Ob in der Forschung oder Stadtplanung wüsste sie dabei noch nicht. Ihre Ambitionen aber gehen in die Richtung von Andreas Scheuers großem Traum: einem lückenlosen Radnetz in ganz Deutschland.

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