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Seit Ende 2006 müssen Banken alle Kosten beim Verkauf eines Anlageproduktes offen legen.
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Seit Ende 2006 müssen Banken alle Kosten beim Verkauf eines Anlageproduktes offen legen.

Anlagen

Das Problem mit den Provisionen

Banken und Vermittler verschweigen bei Anlageprodukten immer noch Details. Die seit Anfang 2010 obligatorischen Beratungsprotokolle helfen auch nicht.

Von Rolf Obertreis

Bei der Diba wird der Anleger fündig. Wer dort einen Investmentfonds kaufen will, stößt im Internet auf ein Infoblatt mit Angaben zu Anlagezielen, Risiken und vor allem auch zu den Kosten. Auch Hinweise auf die Vorteile für die Bank sind ersichtlich. Mitunter keiner, teils aber auch 50 Prozent der jährlichen Verwaltungsgebühr, die der Kunde an die Fondsgesellschaft zahlt. Dieser Anteil wird an die Bank „zurückgekickt“.

Offen agiert auch der Finanzdienstleister MLP. Er sagt sogar, wie viel genau er einnimmt. Die Transparenz weiß Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen, durchaus zu würdigen. Meist aber verschweigen Banken und Vermittler die Provision, die sie kassieren, wenn sie Fonds oder andere Anlageprodukte verkaufen. Dabei müssten alle Kosten offen gelegt werden. Aber selbst diverse Urteile, auch des Bundesgerichtshofs (BGH), schaffen keine Klarheit. „Kick-Backs und verdeckte Provisionen bleiben ein wichtiges Thema“, sagt Gottschalk.

Seit Ende 2006 müssen Banken alle Kosten beim Verkauf eines Anlageproduktes offen legen, auch Innenprovisionen, die sie vom Produzenten, also etwa einer Fondsgesellschaft für Verkauf und Verwaltung der Fondsanteile kassieren. Sind Interessenkonflikte im Spiel, etwa wenn die Bank von der Fondsgesellschaft für die Vermittlung eines Fonds eine Provision bekommt, muss dies für den Anleger erkenntlich sein. Nur dann kann er abschätzen, ob der Berater ihm ein Produkt gemäß seinen Wünschen verkauft, oder ob er nur auf den „Kick-Back“ der Fondsfirma schielt.

Weiteres Konfliktfeld

Sollte dies nicht ersichtlich sein, kann ein Anleger den Kauf rückgängig machen. Theoretisch. Aber was der 11. Senat des BGH für die Banken entschieden habe, sehe der 3. Senat bei Vermittlern ? also etwa auch Strukturvertrieben wie der Deutschen Vermögensberatung oder AWD ? anders, erklärt Gottschalk.

Bei Banken tut sich ein weiteres Konfliktfeld auf. Ein Institut kann zum Beispiel Zertifikate mit Rabatt einkaufen, gibt sie dann aber zum vollen Preis an den Anleger weiter. Aufklären muss sie darüber nicht, sagt der BGH. Das sei kein Vermittlungs-, sondern ein Kommissionsgeschäft wie es im Einzelhandel ganz normal ist. Dort muss der Händler den Kunden ja auch nicht über den Einkaufspreis aufklären.

Die Folge der unklaren und vieldeutigen Rechtsprechung: Klagen gegen Banken und Vermittler sind rar. Die seit Anfang 2010 obligatorischen Beratungsprotokolle helfen auch nicht. Zum einen werden sie, wie eine Studie der Verbraucherzentralen ergeben hat, nur zum Teil ausgestellt. Und wenn, wird auf versteckte Kosten gar nicht oder nur unzureichend hingewiesen. „Die Protokolle sind nicht brauchbar und helfen nicht weiter. Sie dienen nur der Absicherung der Bank,“ sagt Gottschalk. Auch mit Blick auf die Kosten.

Neue Allzweckwaffe

Sie seien die neue Allzweckwaffe der Banken gegen klagende Kunden, ärgert sich auch Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Selbst die Angabe einer Innen-Provision nützt dem Anleger nur bedingt. „Viel kann er mit diesen Prozentangaben nicht anfangen. Eigentlich muss eine komplette Rechnung für die voraussichtliche Laufzeit des Produktes mit Einrechnung aller Kosten angestellt werden. Und parallel eine Aufstellung ohne diese Kosten.“

Da tritt dann, wie Gottschalk weiß, mitunter Erstaunliches zutage. In einem Fall blieben am Ende gerade mal 21 Prozent des eingesetzten Kapitals. Ein fiktives Beispiel von Verbraucherschützern verdeutlicht die Auswirkungen von Provisionen: Wer 10.000 Euro in einen Aktienfonds investiert, zahlt oft einen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent, also 500 Euro. Zusätzlich behält der Vermittler, die Bank oder der Vermögensberater eine jährliche Verwaltungsgebühr von ein bis 1,5 Prozent der Anlagesumme. Bei einer Rendite nach Kosten von acht Prozent pro Jahr ergibt dies nach 30 Jahren ein Vermögen von nahezu 97.000 Euro. Ohne Ausgabeaufschlag und Innenprovisionen hätte sich ein Kapital von fast 133.000 Euro angesammelt.

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