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Mit amerikanischen Dollar kann man fast auf der ganzen Welt bezahlen ? er ist die unangefochtene globale Leitwährung.
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Mit amerikanischen Dollar kann man fast auf der ganzen Welt bezahlen ? er ist die unangefochtene globale Leitwährung.

Donald Trump

Das Privileg des US-Dollars

  • VonStephan Kaufmann
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Donald Trump schiebt mit massiven staatlichen Investitionen die US-Wirtschaft an - und erhöht die Verschuldung. Das kann der Präsident nur dank einer Zauberwaffe, die kein anderes Land der Welt hat: dem US-Dollar.

Donald Trumps ganzer Stolz ist die amerikanische Wirtschaft. Sie wächst und wächst immer schneller, die US-Konzerne weisen derzeit explodierende Gewinne aus. Der Konjunkturschub ist tatsächlich ein Verdienst des Präsidenten. Denn Trump nährt ihn mit Billionen neuer Schulden. Furcht vor einer Pleite müssen die USA nicht haben. Denn die Stellung des Dollar als Weltleitwährung eröffnet ihnen einen gigantischen Kredit und damit Möglichkeiten, die kein anderes Land der Welt hat.

Im ersten Quartal legte die US-Wirtschaftsleistung mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 2,3 Prozent zu, meldete am Freitag das Handelsministerium. Im Gesamtjahr soll das Wachstum drei Prozent betragen, prognostiziert das Congressional Budget Office (CBO). Gleichzeitig melden Amerikas Aktiengesellschaften sprudelnde Gewinne. Im ersten Quartal, so die Analystenprognosen, verdienen sie nochmal ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. „Unsere Wirtschaft ist so stark!“, brüstete sich Trump am Freitag.

Im Aufschwung sollen Staaten eigentlich sparen

Das offene Geheimnis der Sonderkonjunktur: Die US-Regierung fährt die Ausgaben hoch und hat die Steuern für Unternehmen drastisch gesenkt. In der vergangenen Woche legten 15 große US-Konzerne Zahlen für das erste Quartal vor und berichteten, dass sie allein zwischen Januar und März 6,2 Milliarden Dollar an Steuern gespart hätten – die Google-Mutter Alphabet sackte zusätzliche 1,01 Milliarden ein. Das ist Trumps großes Geschenk an die Aktionäre.

Die Kehrseite der Medaille: Geringere Staatseinnahmen und höhere Ausgaben lassen die Defizite der US-Regierung drastisch steigen. „Die Haushaltslage wird immer bedrohlicher“, mahnt Bastian Hepperle, Ökonom beim Bankhaus Lampe.

Über die kommenden fünf Jahre summieren sich die US-Defizite laut Hepperle auf rund 5,66 Billionen Dollar. Die von der Öffentlichkeit gehaltenen Staatsschulden würden in zehn Jahren doppelt so hoch liegen wie Ende 2017. Dank der „zügellosen Budgetpolitik“ erreiche die gesamte Staatsschuld dann 130 Prozent der Wirtschaftsleistung – mit solch einem Wert gilt Italien heute als Sanierungsfall.

Im Aufschwung sollen Staaten eigentlich sparen, um für die nächste Krise gerüstet zu sein. Nicht so die USA, die ihre Verschuldung ständig ausweiten. Anders als andere Länder haben Amerikas Politiker keine Angst davor, dass sich Investoren von den USA abkehren, keine Kredite mehr geben oder drastisch höhere Zinsen für ihr Geld verlangen. Denn Washington hat etwas im Angebot, das die Finanzwelt will: den Dollar. Die US-Währung wird rund um den Globus akzeptiert. Sie ist nicht nur das Geld der USA, sondern das der ganzen Welt. Unternehmen bezahlen grenzüberschreitend mit Dollar, Finanzinvestoren nutzen ihn als Basis für Spekulationsgeschäfte, Staaten und Private horten ihn. Auf Dollar lautende US-Staatsanleihen sind global das, was für deutsche Anleger Bundesanleihen sind: der sichere Hafen schlechthin.

„Letztlich braucht der globale Finanzmarkt diese sichersten Bonds der Welt“, erklärt Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Und das bedeutet: Je größer die Weltwirtschaft und der Weltfinanzmarkt, umso mehr Schuldscheine Washingtons werden benötigt. Die US-Regierung muss sich daher keine Sorgen machen, dass ihre Anleihen keine Abnehmer finden.

Damit haben die USA immer Kredit – ein „exorbitantes Privileg“ erkannte schon vor 50 Jahren neidvoll Frankreichs Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing an. Dieses Privileg würdigen auch Ratingagenturen, die die Kreditwürdigkeit von Staaten beurteilen. Am Donnerstag verlieh Moody’s den USA – trotz klaffender Budgetlöcher – die Bestnote AAA. Diese Einschätzung, so Moody’s, fuße vor allem „auf der Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft sowie der Position des US-Dollar als vorherrschende internationale Reservewährung“.

Damit bleibt auch Washingtons größter ausländischer Gläubiger – China – machtlos. Peking hat den USA mehr als 1400 Milliarden Dollar geliehen. Im aktuellen Handelsstreit könnten die Chinesen theoretisch ihre Position als „Bank von Uncle Sam“ ausnutzen und damit drohen, ihre US-Anleihen zu verkaufen. Doch diese Drohung ist leer. Ein Verkauf „wäre für China gefährlicher als für die USA“, so Weidensteiner.

Denn während Peking massive Verluste auf seine US-Anleihen erleiden würde, könnte Washington leicht andere Geldgeber irgendwo anders in der Welt finden. Schließlich gibt es zum Dollar keine globale Alternative – weder den japanischen Yen, noch den chinesischen Yuan, den Schweizer Franken und auch nicht den Euro.

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