Private Krankenversicherung

Warum man sich den Wechsel in die private Krankenversicherung gut überlegen sollte

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Der Wechsel in die private Krankenversicherung sollte gut überlegt sein. Eine Rückkehr in die gesetzliche Versicherung ist mitunter schwierig.

  • Private Krankenversicherungen haben den Ruf, günstiger zu sein und mehr Leistungen zu bieten
  • Der Wechsel von einer gesetzlichen Krankenkasse in eine private will gut überlegt sein
  • Die Beiträge im Alter können in der privaten Kasse höher sein als in der gesetzlichen

Die gesetzlichen Krankenkassen haben zum Jahresbeginn ihre Preise erhöht. Private Kassen genießen demgegenüber den Ruf, für einige Versicherte günstiger zu sein und dabei mehr Leistungen zu bieten. Gleichzeitig wird oft vor einem Wechsel in eine private Kasse gewarnt, weil die Beiträge im Alter höher sein könnten als bei den gesetzlichen. Wir klären über die wichtigsten Fragen zum Wechsel in eine private Krankenkasse auf.

Wer kann sich in einer privaten Krankenkasse versichern?

Eine private Krankenversicherung kann jeder abschließen, der nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig ist. Das gilt zum Beispiel für Selbstständige, Freiberufler, Beamte und für Arbeitnehmer mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze, erklärt der Verband der privaten Krankenversicherungen. Die Grenze liegt 2020 bei 62 550 Euro pro Jahr. Eine weitere Gruppe sind Studenten. Sie können zu Beginn des Studiums entscheiden, welche Kassenform sie bevorzugen.

Für wen ist eine Versicherung bei einer privaten Krankenversicherung empfehlenswert?

Eine pauschale Antwort darauf lässt sich nicht geben, da dies eine hochindividuelle Entscheidung mit vielen Einflussfaktoren ist, erklärt die Verbraucherzentrale Hamburg. „Oft lohnt sich eine private Krankenversicherung für gutverdienende beihilfefähige Beamte“, heißt es weiter.

Wer sollte besser in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben?

Vorsicht sei bei Selbstständigen geboten, die kein hohes Einkommen haben, erklärt die Verbraucherzentrale Hamburg. Die anfangs niedrigeren Beiträge einer privaten Krankenversicherung könnten im Alter zu einer sehr großen Bürde werden, da sie später steil ansteigen. Stiftung Warentest, die kürzlich ein Spezial zu privaten Krankenversicherungen veröffentlichte, empfiehlt, frühzeitig zu sparen, um eventuell steigende Kosten abzufangen.

Zahlt der Arbeitgeber etwas zur privaten Krankenversicherung hinzu?

Wie auch bei der gesetzlichen Krankenversicherung leistet der Arbeitgeber einen Beitrag zur Versicherung. Er zahlt die Hälfte, jedoch höchstens 367,97 Euro (Stand 2020). An einem Selbstbehalt beteiligt sich der Arbeitgeber nicht. Rentner erhalten ebenfalls einen Zuschuss. Der beträgt die Hälfte des Beitrags, den ein gesetzlich Versicherter auf seine gesetzliche Rente zahlen müsste. Laut Stiftung Warentest macht das meist „deutlich weniger als die Hälfte des privaten Beitrags aus“.

Leisten private Krankenversicherungen mehr als gesetzliche?

Die Leistungen privater Kassen können die Kunden selbst bestimmen. Stiftung Warentest benennt drei Kategorien von Leistungen: Ambulant, Zähne und Krankenhaus. Zu den Ambulant-Leistungen können Brillen, Hörgeräte, aber auch Rollstühle und Gehhilfen gehören. Eine Kostenübernahme für Inlays und Implantate kann für die Zähne versichert werden, im Krankenhaus gibt es auf Wunsch Chefarztbehandlung. Wer eine große Zahl an Leistungen erhalten möchte, zahlt entsprechend mehr.

Manche Versicherte privater Kassen versichern bewusst wenig Leistungen, um Geld zu sparen. Eine weitere Möglichkeit, die Krankenversicherungskosten gering zu halten, ist ein Selbstbehalt. Dieser kann als Fixbetrag oder als prozentuale Beteiligung ausgehandelt werden.

Studie: Gesetzliche Krankenkassen sind den privaten überlegen

Die Verbraucherzentrale Hamburg warnt, dass besonders im Bereich der Hilfsmittel und rehabilitativen Behandlungen die Leistungen der privaten Krankenversicherungen tendenziell schlechter seien als jene der gesetzlichen Kassen. „Und natürlich verdient der Arzt am privat Versicherten mehr als am gesetzlich versicherten Patienten und versucht, dieses lukrative Klientel zu sich zu locken, wie etwa durch den Wartezeitenvorteil“, heißt es weiter. Stiftung Warentest weist darauf hin, dass niedergelassene Ärzte bei privaten Kassen abrechnen wie Chefärzte im Krankenhaus. In Fällen besonders schwieriger Behandlungen könne das Honorar auf das 3,5-fache des Grundhonorars steigern.

Kann ich in die gesetzliche Krankenkasse zurückkehren?

„Wer in eine private Krankenkasse wechseln möchte, sollte davon ausgehen, nicht wieder in die gesetzliche zurück zu können“, erklärt die Verbraucherzentrale Hamburg. Der Grund: Es ist nicht absehbar, ob man viele Jahre später die notwendigen Voraussetzungen für eine Rückkehr erfüllt. Generell sei eine Rückkehr nur für Angestellte möglich, die ihr Gehalt soweit reduzieren, dass sie unter die Krankenversicherungspflichtgrenze kommen.

Ab einem Alter von 55 Jahren ist eine Rückkehr nicht mehr möglich. Danach kommt nur derjenige in eine gesetzliche Krankenkasse, der mit einer Person verheiratet oder verpartnert ist, die in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist und der die Voraussetzungen für eine kostenlose Familienversicherung erfüllt. Dafür darf das Gesamteinkommen bei höchstens 455 Euro liegen.

Wo kann ich mich über einen Wechsel in eine private Krankenversicherung beraten lassen?

Die Verbraucherzentrale Hamburg rät dringend zu einem unabhängigen Berater, der auf Honorarbasis arbeitet, oder zur Beratung in einer Verbraucherzentrale. „Ein Vermittler verdient bis zu neun Monatsbeiträge an dem vermittelten Vertrag“, erklärt ein Sprecher. Die unabhängige Beratung kann die Frage klären, ob eine private Kasse wirklich günstiger ist und helfen, den passenden Tarif zu finden.

Früh Vorsorgen für steigende Krankenkassenbeiträge

Mithilfe eines Sparplans sollten privat Versicherte den steigenden Beiträgen vorbeugen, empfiehlt Stiftung Warentest. In einer Faustregel gehen die Tester davon aus, dass der Beitrag zur privaten Versicherung im Rentenalter mindestens dreimal so hoch ist wie bei Vertragsabschluss mit Mitte 30.

In einer Modellrechnung ergibt sich eine Sparsumme von 266 000 Euro bei einem privat Versicherten mit einer Lebenserwartung von 89 Jahren. Bei einem Zinssatz zwischen ein und zwei Prozent bedeutet das, dass der Versicherte ab seinem 35. Lebensjahr monatlich zwischen 330 und 500 Euro beiseitelegen sollte.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Arno Burgi

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