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Kasse

Von gesetzliche in private Krankenversicherung: Wann ein Wechsel sinnvoll ist

  • Martin Staiger
    vonMartin Staiger
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Wer sich unter welchen Voraussetzungen wo krankenversichern kann oder muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Frankfurt - Auf den ersten Blick ist alles ganz einfach. Wer abhängig beschäftigt ist, ist Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse, wer selbstständig ist, ist privat versichert. Auf den zweiten Blick wird es schon komplizierter. Denn gutverdienende Angestellte können sich auch privat versichern und Selbstständige können freiwillig Mitglied in einer gesetzlichen Kasse werden. Nur: Was macht wann Sinn? Und ist heute billiger auch auf Dauer gut?

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, deren Einkommen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze von derzeit 64 350 Euro brutto im Jahr liegt, sind in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Sie müssen knapp acht Prozent ihres Bruttoeinkommens als Arbeitnehmerbeitrag bezahlen. Wer Einkünfte über der Versicherungspflichtgrenze hat, ist nicht mehr versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung, kann aber freiwilliges Mitglied bleiben und muss dann Beiträge für Einkünfte bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 58 050 Euro pro Jahr zahlen. Nach Ablauf des Jahres, in dem das Gehalt erstmals über der Versicherungspflichtgrenze liegt, besteht jedoch auch die Möglichkeit in eine private Krankenkasse zu wechseln.

Von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung: Wann ein Wechsel sinnvoll ist

Ob der Wechsel sinnvoll ist, hängt nicht nur davon ab, wie hoch der Beitrag heute ist. Denn die private Krankenversicherung ist für junge gutverdienende Versicherte zwar oft im Verhältnis zur gesetzlichen Krankenkasse deutlich günstiger, die private Krankenversicherung wird aber mit steigendem Alter kontinuierlich teurer. So kann selbst bei Gutverdienenden die private Versicherung ein teures Vergnügen werden, wenn sich das Gehalt nicht wie erträumt entwickelt. Außerdem lassen sich Ehepartner:innen ohne Einkommen und Kinder nicht wie bei der gesetzlichen Krankenversicherung kostenlos mitversichern.

Für Selbstständige, insbesondere wenn sie noch jung waren und (noch) nicht viel verdient haben, war lange die private Krankenversicherung die erste Wahl. Selbstständige können zwar freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse werden, sie mussten aber bis Ende 2018 auch bei geringen Einkünften hohe Beiträge bezahlen. Zusammen mit dem Beitrag für die Pflegeversicherung war damals ein Mindestbetrag von mehr als 400 Euro pro Monat an die Krankenkasse zu überweisen.

Bei der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung gibt es einiges zu beachten (Symbolbild).

Seit Anfang 2019 ist das anders. Inzwischen bezahlen freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige, die unter 1100 Euro brutto im Monat verdienen, etwas weniger als 200 Euro monatlich für die Kranken- und Pflegeversicherung. Bei steigendem Verdienst steigt allerdings auch der Beitrag. Für die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ist insgesamt knapp ein Fünftel des Bruttoeinkommens zu kalkulieren.

Wer privat krankenversichert ist, muss nicht zwangsläufig in der privaten Kasse bleiben. Ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung ist aber nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Beschäftigte unter 55 Jahren, die privat krankenversichert sind, werden wieder Pflichtmitglied in einer gesetzlichen Kasse, wenn ihr Gehalt unter 64 350 Euro brutto pro Jahr sinkt. Selbst wenn das Gehalt in der Zukunft wieder steigt, können sie als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Kasse bleiben.

Beitragsbemessung

Mit dem 1. Januar 2021 gelten neue Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung. Informationen der Bundesregierung dazu finden Sie unter https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/beitragsbemessungsgrenzen-2021-1796480

Von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung zurückwechseln: Darauf kommt es an

Privat versicherte Selbstständige unter 55 Jahren können nur in die gesetzliche Versicherung wechseln, wenn sie eine sozialversicherungspflichtige abhängige Beschäftigung aufnehmen und ihre Selbstständigkeit aufgeben oder maximal noch nebenberuflich ausüben.

Wer sich mit dem Gedanken trägt aus der privaten Versicherung zurück in die gesetzliche Krankenkasse zu wechseln, sollte auch die „Neun-Zehntel-Regelung“ beachten. Diese besagt, dass man mindestens neun Zehntel der zweiten Hälfte des Arbeitslebens in einer gesetzlichen Krankenkasse gewesen sein muss, um im Rentenalter Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung der Rentner zu werden. Wer mit 17 Jahren begonnen hat zu arbeiten und mit 67 in Rente geht, darf demnach im Alter zwischen 42 und 67 Jahren höchstens zwei Jahre und sechs Monate nicht gesetzlich versichert gewesen sein, um Pflichtmitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung der Rentner zu werden.

Mit dem 1. Januar 2021 gelten neue Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung.

Rentner:innen mit Kindern haben erleichterte Zugangsvoraussetzungen

Für Rentner:innen mit Kindern gelten seit 2017 etwas erleichterte Zugangsvoraussetzungen. Wer im Rentenalter Pflichtmitglied in der Rentenversicherung ist, bezahlt den halben Krankenversicherungsbeitrag von derzeit knapp acht Prozent. Wer die Neun-Zehntel-Regelung nicht erfüllt und sich freiwillig gesetzlich versichert, muss den doppelten Beitrag bezahlen.

Ab einem Alter von 55 Jahren ist der Rückweg in die gesetzliche Kasse weitgehend versperrt. Eine realistische Chance haben nur Verheiratete, die ihre Beschäftigung aufgeben und sich im Rahmen der Familienversicherung über ihren Ehemann oder ihre Ehefrau versichern lassen.

Private Krankenversicherung: Wer nicht wechseln kann, könnte Basistarif wählen

Wenn es nicht möglich ist, in die gesetzliche Kasse zu wechseln und die private Krankenversicherung nicht mehr bezahlbar ist, bleibt noch die Möglichkeit, in den Basistarif zu wechseln.

Die Leistungen des Basistarifs, den jede private Kasse anbieten muss, entsprechen den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Basistarif ist jedoch mit derzeit rund 770 Euro im Monat, zu dem noch Beiträge zur Pflegeversicherung in Höhe von monatlich ca. 150 Euro dazukommen, alles andere als günstig.

Wenn der Beitrag der privaten Krankenversicherung nicht mehr zu stemmen ist

Ist er nicht oder nur teilweise bezahlbar, ist anzuraten, einen Antrag auf Grundsicherung zu stellen. In diesem Fall ist das Versicherungsunternehmen verpflichtet, den Basistarif auf die Hälfte zu reduzieren. Dann übernimmt bei Erwerbsfähigen das Jobcenter und bei nicht Erwerbsfähigen, also zum Beispiel bei Rentner:innen, das Sozialamt den Teil der Versicherungsprämie, der nach den Regelungen der Grundsicherung nicht aufgebracht werden kann. So ist der Versicherungsschutz weiter gewährleistet, der Lebensstandard liegt dann allerdings auf Hartz-IV-Niveau.

Deswegen gilt schon bei jungen Menschen: Augen auf bei der Versicherungswahl!

Rubriklistenbild: © KH/imago

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