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Nur 300 der insgesamt 800 Flugzeuge der Lufthansa heben derzeit überhaupt ab.
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Nur 300 der insgesamt 800 Flugzeuge der Lufthansa heben derzeit überhaupt ab.

Krise der Lufthansa

Prinzip Hoffnung

  • VonRolf Obertreis
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Die Lufthansa weist für 2020 einen Milliardenverlust aus. Konzernchef Carsten Spohr ist trotzdem überzeugt, dass seine Airline gestärkt aus der Krise hervorgehen wird.

Nach dem Rekord-Verlust von netto 6,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr hofft Lufthansa-Chef Carsten Spohr in diesem Jahr auf eine deutliche Besserung und eine erhebliche Reduzierung der Einbußen. Er setzt darauf, dass die Menschen schon mit Beginn der Osterferien wieder mehr reisen und dass es vor allem ab dem Sommer zu einem Schub kommen wird. „Wir bereiten uns auf einen steilen Nachfrageanstieg im Sommer vor“, sagte er Donnerstag bei der Bilanzvorlage. Das sei aber natürlich abhängig von Reisebeschränkungen, von Impfungen und Tests.

Der Lufthansa-Chef appellierte eindringlich an die Politik, weniger auf Quarantäne und besonders auf Impfungen und Tests zu setzen und dies mit einheitlichen Regelungen in Europa. „International anerkannte, digitale Impf- und Testnachweise müssen an die Stelle von Reiseverboten und Quarantäne treten“, forderte er.

Im Jahresschnitt hofft Spohr, das Flugangebot wieder auf 40 bis 50 Prozent des Niveaus von vor der Krise hochfahren zu können. Bei entsprechender Nachfrage seien kurzfristig auch 70 Prozent möglich. Auf der Kurzstrecke werde die Kapazität Ende März um 50 Prozent höher liegen als Anfang des Monats. Genaue Buchungszahlen nannte Spohr nicht.

Durch die Krise würde mittlerweile immer kurzfristiger gebucht, im Schnitt erst zwei Wochen vor Abflug. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) ziehen die Buchungen erst langsam an. In den letzten Wochen hätten sie bei etwa 20 Prozent des Vorjahresvolumens gelegen. Dort hofft man auch auf einen Nachholeffekt, weil viele Menschen im vergangenen Jahr überhaupt nicht hätten verreisen können.

Noch freilich steckt die Lufthansa tief in der Krise. Aktuell stehen 500 der 800 Flugzeuge am Boden. Im vergangenen Jahr wurden 115 Jets ausgemustert. Nach Überzeugung von Spohr gibt es sehr wahrscheinlich auch keine Zukunft für die derzeit abgestellten 14 doppelstöckigen Airbus A380, die jeweils rund 500 Fluggäste transportieren können. „Nach heutiger Einschätzung werden sie nicht mehr fliegen“, so Spohr.

Der Lufthansa-Chef hofft, dass im Schnitt in diesem Jahr nur noch 350, im nächsten Jahr 220 und 2023 dann nur noch 150 Jets am Boden bleiben müssen. Allerdings werde auch 2024, so glaubt der Manager, das Vorkrisenniveau mit etwa 90 Prozent nicht erreicht.

Der Luftverkehr bleibe für die Globalisierung essenziell ist der Airline-Chef überzeugt. Lufthansa werde in Zukunft zwar kleiner, aber auch nachhaltiger sein und durch moderne Flugzeuge mit geringeren Belastungen für die Umwelt eine weltweit führende Rolle im Flugverkehr spielen. 2030 sollen die Emissionen der Lufthansa um 50 Prozent niedriger liegen als 2019, bis 2050 will die Airline klimaneutral werden.

Aber der Weg bis dahin und zurück in die Gewinnzone bleibe schwierig und zum Teil weiter schmerzhaft. Nachdem im vergangenen Jahr weltweit bereits mehr als 38 000 Jobs auf nur noch 110 000 weggefallen sind, soll es weiter runtergehen auf 100 000, auch durch freiwillige Vereinbarungen. Und selbst dann könne man nicht für jeden und jede eine Vollzeitstelle anbieten. Deswegen bedürfe es verpflichtender, flexibler Teilzeitmodelle, sagte Spohr.

Das vergangene Jahr war für die Airline dramatisch. „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich in einem fast leeren Terminal stehe, dass zwei Drittel unseres Umsatzes wegfällt, wir drei Viertel weniger Passagiere haben und ein Fünftel weniger Beschäftigte“, resümierte Spohr.

Nach 36,4 Milliarden Euro in 2019 verbuchte die Lufthansa nur noch einen Umsatz von 13,6 Milliarden Euro, die Zahl der Fluggäste bei Lufthansa, Austrian, Swiss, Eurowings und Brussels Airlines lag mit 36,4 Millionen nur bei 25 Prozent des Vorjahresniveaus.

Dies alles mündet in einem Betriebsverlust von 5,5 Milliarden Euro nach einem Gewinn von zwei Milliarden Euro im Jahr 2019. Unter dem Strich verbucht die Lufthansa einen Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro. 2019 war dagegen noch ein Überschuss von 1,2 Milliarden Euro erreicht worden.

Einziger Lichtblick war im vergangenen Jahr die Frachttochter Lufthansa Cargo. Sie flog mit 772 Millionen Euro nach einer Million im Vorjahr den höchsten Betriebsgewinn ihrer Geschichte ein, weil sie nicht nur wegen des Transports von medizinischem Material extrem stark gefragt war.

Spohr ist gleichwohl zuversichtlich, dass die Lufthansa gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Das werde offenbar mittlerweile auch am Kapitalmarkt so gesehen. Dort konnten seit Sommer 3,7 Milliarden Euro an frischem Geld aufgenommen werden. Den Kredit der Förderbank KFW in Höhe von einer Milliarde Euro hat die Lufthansa zurückgezahlt. „Wir sind fest entschlossen, diese einzigartige Krise als Chance für unser Unternehmen zu nutzen“, sagte Spohr.

Er ist sich sicher, dass das Hilfspaket des Bundes sowie der Schweiz, Österreichs und Belgiens (für die Lufthansa-Töchter) in Höhe von insgesamt neun Milliarden Euro nicht komplett gebraucht wird. Von den 6,8 Milliarden Euro aus Berlin habe man bislang 2,3 Milliarden Euro in Anspruch genommen.

Ende 2020 verfügte die Lufthansa über liquide Mittel von 10,6 Milliarden Euro. Lag der Mittelabfluss zu Beginn der Krise noch bei einer Million Euro pro Stunde seien es jetzt, so Spohr, nur noch zehn Millionen Euro pro Tag. Allerdings ist der Schuldenberg der deutschen Airline im vergangenen Jahr deutlich gewachsen – um 3,3 Milliarden auf 9,9 Milliarden Euro.

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