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Initiative Tierwohl: "Stallhaltung Plus" heißt mehr Platz für das Tier.

Tierwohl

Premium ist nicht Bio

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Die Fleisch-Kennzeichnungen von Einzelhandel und Agrarministerium sollen für Klarheit bei der Tierhaltung sorgen ? tun sie aber nicht.

Die großen Bio-Verbände sehen sowohl die neue Fleisch-Kennzeichnung des Einzelhandels als auch das geplante staatliche Tierwohl-Label kritisch.

Am Wochenende hatte der Lebensmitteleinzelhandel angekündigt, ab April dieses Jahres flächendeckend ein vierstufiges System zur Kennzeichnung von Haltungsbedingungen einzuführen. Künftig soll ein kompassartiges Label auf allen Fleischprodukten von Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny und Rewe anzeigen, aus welcher Haltungsform das Fleisch stammt. Das von der „Initiative Tierwohl“ der Lebensmittelbranche entwickelte Stufensystem reicht von „Stallhaltung“ (rot) bis zu „Premium“ (grün). Unter letztere sollen auch alle Bio-Produkte fallen.

„Das ärgert uns“, sagt „Bioland“-Sprecher Gerald Wehde. „Damit kommen wir in diesem Kennzeichnungssystem praktisch nicht vor.“ Denn die Kriterien für die sogenannte „Premium“-Stufe lägen deutlich unter den Bio-Standards. So hätten beispielsweise Schweine in der Bio-Landwirtschaft 50 Prozent mehr Platz, als bei der „Premium“-Stufe des Einzelhandels gefordert sei, ergänzt Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Außerdem sorge Bio nicht nur für das Tierwohl, sondern auch für Umwelt und Gesundheit. Enttäuschend findet Bioland-Sprecher Wehde die Regelung auch deswegen, weil zu einem früheren Zeitpunkt geplant gewesen sei, eine der vier Kategorien ausschließlich für Bio-Produkte zu öffnen.

Verärgert sind die Verbände zudem darüber, dass es dem Bundeslandwirtschaftsministerium auch zwei Jahre nach den ersten Vorstößen nicht gelungen ist, ein staatliches Tierwohl-Label auf den Weg zu bringen. Zur jüngsten Meldung, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) habe sich mit einer Reihe von Verbänden „weitgehend“ auf Kriterien für ein solches Label geeinigt, sagt BÖLW-Geschäftsführer Röhrig: „Mit Blick auf ‚Tierwohl‘ sind die Vorschläge der Landwirtschaftsministerin, die jetzt auf dem Tisch liegen, eine Mogelpackung.“

Bioland-Sprecher Wehde moniert, sowohl der Einzelhandel als auch das Landwirtschaftsministerium belohnten durch ihre Kriterien bereits solche Betriebe, die für ihre Tiere nur minimal mehr täten als es die gesetzlichen Mindeststandards vorgäben: „Dabei müsste etwa in der Schweinehaltung mindestens 40 Prozent mehr Platz und ein Verbot des Schwänzeabschneidens vorgegeben sein.“ Wenn die Bundesregierung ihr eigenes Ziel, 20 Prozent Ökolandbau zu erreichen, ernst nehmen würde,müsste sie Bio als besten Teil des Labels separat kennzeichnen.

Die Bio-Verbände kritisieren außerdem, dass Klöckner den Herstellern freistellen will, ob sie ab 2020/21 am staatlichen Tierwohl-Label teilnehmen wollen. Sie fordern eine Kennzeichnungspflicht wie sie etwa für Eier gilt.

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