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Kohlekraft: Für jede Tonne CO2 braucht’s ein Zertifikat. imago
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Kohlekraft: Für jede Tonne CO2 braucht’s ein Zertifikat. imago

Klimaschutz

Preisrallye im Emissionshandel

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Eine Tonne des Treibhausgases CO2 kostet erstmals mehr als 40 Euro. Eine Rolle dürfte spielen, dass die Industrie sich inzwischen vom Absturz im Frühjahr 2020 erholt hat. Es mischen aber auch Spekulanten mit.

Das Treibhausgas CO2 muss einen Preis bekommen, damit Unternehmen in Energieeffizienz und Ökoenergien investieren. Dieses Konzept steckt hinter dem EU-Emissionshandel (ETS), der 2005 eingeführt wurde. Doch jahrelang dümpelte der CO2-Preis bei fünf Euro pro Tonne – viel zu wenig, um Strom- und Industriekonzerne auf diesem Weg zu grünen Investitionen anzureizen. Das funktioniert laut Experten erst ab rund 30 Euro. Doch inzwischen läuft eine Preisrallye, jüngst kostete ein Emissionszertifikat erstmals mehr als 40 Euro.

Am Emissionshandel nehmen europaweit rund 11 000 Betreiber von Kraftwerken und Industriebetrieben sowie Fluggesellschaften für ihre innereuropäischen Strecken teil. Sie müssen, um produzieren oder verkehren zu können, für jede dabei entstehende Tonne CO2 ein Zertifikat besitzen. Im Jahr vor der Corona-Krise hatte der Preis schon deutlich angezogen, auf Werte um 25 Euro. Grund: Die Politik hatte Verknappungen der Zertifikate angekündigt, um den ETS effizienter zu machen. Mit Beginn der Corona-Lockdowns und der damit zurückgehenden Strom- und Industrieproduktion sank der Preis dann auf rund 15 Euro.

In diesem Jahr ging es dann plötzlich kräftig nach oben. Mitte Februar erreichte der CO2-Preis sein bisheriges Allzeithoch von über 40 Euro. Logisch erscheint das im ersten Moment nicht. Denn wegen des coronabedingt gesunkenen Stromverbrauchs brauchen zum Beispiel die Kraftwerksbetreiber weniger CO2-Zertifikate; so wurde 2020 in Deutschland bis zu einem Viertel weniger Kohle verstromt. Der CO2-Preis müsste wegen eines Überangebots eigentlich niedrig liegen. Doch das Gegenteil ist derzeit der Fall.

Eine Rolle dürfte spielen, dass die Industrie sich inzwischen vom Absturz im Frühjahr 2020 erholt hat. Dadurch werden die Zertifikate tendenziell wieder knapper. Hinzu kommt, dass die EU ihre Klimaziele für 2030 verschärfen wird und dies seine Schatten vorauswirft. Der CO2-Ausstoß soll voraussichtlich um rund 55 Prozent statt nur 40 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 gesenkt werden. Um dies zu erreichen, muss die Menge an Zertifikaten, die die EU-Staaten alle paar Wochen auktionieren, spürbar verknappt werden. „Die Regeln im ETS sind ja noch auf die 40 Prozent ausgerichtet. Soll jetzt eine CO2-Reduktion von 55 Prozent erreicht werden, kann das nur heißen, dass beim Emissionshandel noch einmal nachgezurrt wird“, sagte der Experte Simon Göß vom Berliner Beratungsunternehmen Energy Brainpool dem Onlinemagazin „klimareporter.de“.

Allerdings haben offenbar zudem Spekulant:innen den Preis für die CO2-Zertifikate gepusht, die auch von Anleger:innen gekauft werden können. Investmentfonds sind hier nach einer Analyse des Londoner Beratungshauses Icis eingestiegen. Große Mengen Zertifikate seien auf den Markt gekommen, nachdem Kraftwerksbetreiber ihre Stromerzeugung von Kohle auf Gas umstellten und frei werdende Emissionsrechte verkauften. Die Online-Aktienplattform „Montel“ zitierte einen Händler mit der Einschätzung, man sehe hier den Effekt des „billigen Geldes“, das von den Zentralbanken zur Verfügung gestellt werde und in die Rohstoffmärkte dränge.

Inzwischen haben offenbar einige Investoren und Investorinnen ihre Gewinne durch Verkauf der Zertifikate mitgenommen. Der Kurs sank wieder leicht, zuletzt auf 37,50 Euro. Historisch betrachtet immer noch ein hoher Wert.

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