Ölraffinerie von Shell in Deer Park, Texas.
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Ölraffinerie von Shell in Deer Park, Texas.

Coronavirus

Preiskrieg um Öl

Warum der Markt so heftig einbricht.

Das Coronavirus hat die weltweite Wirtschaft im Würgegriff. Der jüngste Streit innerhalb der Erdöl fördernden Länder führte zum Wochenauftakt zu einem Crash am Ölmarkt. Das Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Montag zeitweise nur noch gut 31 Dollar und damit 30 Prozent weniger als am Freitag. Rohstoff-Experten zufolge könnte der Preis auf 20 Dollar fallen. Während Anleger sich Sorgen um ihre Investments machen, freuen sich die Autofahrer. Sie können auf niedrigere Spritpreise an den Tankstellen hoffen. Benzin war bereits in der Vorwoche im bundesweiten Wochenvergleich so günstig wie zuletzt vor fast einem Jahr.

Der Mineralölwirtschaftsverband wollte zwar keine Prognose abgeben, betont aber, das zuletzt Spritpreise und Rohölpreise im gleichen Maße abgesackt sind. „Wegen der hohen Markttransparenz und der starken Konkurrenz um jeden Autofahrer sind die Preise für Benzin und Diesel seit Jahresbeginn eins zu eins mit den fallenden Einkaufspreisen an den Produktmärkten gesunken“, sagte ein Sprecher am Montag, nachdem die Preise für Rohöl aus der Nordsee und Rohöl aus den USA jeweils mehr als ein Viertel eingebüßt hatten.

Der Hintergrund: Wegen des Coronavirus sinkt die – zuletzt ohnehin schon schwächelnde – Nachfrage nach Rohöl. Die Preise für das schwarze Gold sinken deshalb, solange wie die Produktion konstant hoch bleibt. Doch auf eine Reduzierung der Fördermengen konnten sich die Opec-Staaten und ihre Verbündeten zuletzt nicht einigen. Die Organisation erdölexportierender Länder fördert circa 40 Prozent der weltweiten Erdölproduktion und verfügt über drei Viertel der bekannten weltweiten Erdölreserven. Ihr gehören 14 Staaten an.

Die Opec-Länder streiten sich in der „Opec+“-Gruppe, in der 24 Länder, darunter Russland, sitzen, um die weltweite Fördermenge von Öl. Angesichts der Nachfrageschwäche infolge der Coronavirus-Krise versuchten die Energieminister Ende vergangener Woche vergeblich, sich auf eine deutliche Senkung der Ölproduktion zu einigen. Man wollte innerhalb der Opec die Produktion um eine Million Barrel kürzen, um den Preisverfall zu stoppen. Zudem sollten die „Opec+”-Allianz, dazu verpflichtet werden, ebenfalls ihre Ölproduktion zu kappen.

Es kam zu keiner Einigung. Darüber hinaus scheint der Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland über die künftige Fördermenge weiter zu eskalieren. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf namentlich nicht genannte Insider berichtet, könnte Saudi-Arabien die Fördermenge in den kommenden Monaten erhöhen.

Das größte und einflussreichste Land der Opec+ ist Russland. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) berichtete, ist die Abkehr Russlands von dem Ölkartell auch als Kampfansage an die Vereinigten Staaten zu verstehen. In den vergangenen Monaten hatten demnach neue Sanktionen aus Washington für Unmut in der russischen Regierung gesorgt.

Saudi-Arabien senkt Preise

Saudi-Arabien als weltgrößter Ölexporteur hat seine Preise für sein Rohöl so stark wie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr gesenkt und damit auch in Kauf genommen, dass der staatliche Energiekonzern Saudi Aramco an der Börse unter Druck gerät. Der Schachzug der Saudis löste auch in der Region ein Börsenbeben aus, die Börsenindizes der Golfstaaten stürzten ab.

Das scheint aber Saudi-Arabien erst einmal egal zu sein. Es geht darum, Öl-Rabatte in den wichtigen Industrieregionen Asien, Europa und den USA anzubieten, um Raffinerien vor Ort zu motivieren, saudisches Öl von Aramco zu kaufen. Dafür will das Land Medienberichten zufolge seinen Ölausstoß von April an massiv ausweiten. Es könnte die bisherige Rekordmarke von zwölf Millionen Barrel am Tag fallen. Rohstoff-Experten sehen nun einen Preiskrieg kommen.

Das hängt damit zusammen, dass für Käufer in Europa die Sorte Arabian Light von Aramco mehr als zehn Dollar unter dem Preis für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent liegen könnte. Ein Riesenrabatt seitens Saudi-Arabiens – den sich das Land leisten kann, weil die Förderkosten deutlich niedriger sind als vom Streitgegner Russland.

Ein rückgängiger Ölpreis kann für die Wirtschaft durchaus positive Seiten haben. „Deutlich niedrigere Ölpreise sind auch ein riesiges Konjunkturpaket für die Weltwirtschaft. Verbunden mit zu erwartenden konzertierten Maßnahmenpaketen der Politik sollten sich die negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft begrenzen lassen“, so die Einschätzung von Thomas Böckelmann, leitender Portfoliomanager der Vermögensmanagement-Agentur Euroswitch.

Auf der anderen Seite ist ein niedriger Ölpreis auch ein Risiko. Er könnte nicht wenige Exportländer destabilisieren, die dringend auf die Öleinnahmen in Dollar angewiesen sind.

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