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Man weiß nie, was unterwegs passiert – besser, man ist versichert: Ein Elefant macht es sich in Thailand auf einem Auto bequem. 

Kfz-Policen

Preiskampf der Versicherer

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Ein scharfer Wettbewerb lässt die Tarife für Kfz-Policen fallen. Die Allianz will mit einer neuen Tochter den Markt aufmischen, doch auch Branchenführer Huk ist aggressiv unterwegs.

Es ist wieder Wechselsaison: Noch bis zum 30. November können Autofahrer sich für einen günstigeren Kfz-Versicherer entscheiden - und so eine Menge Geld sparen. Spätestens wenn die Beitragsrechnung für 2020 in der Post ist, dürften sich viele nach Alternativen umschauen. Denn rund 6,5 Millionen Autofahrer sollen mehr für die Kfz-Police zahlen, weil ihr Pkw in eine andere Typklasse eingestuft wird. Darauf reagieren auch die Versicherer. Um neue Kunden zu gewinnen, liefern sich die Assekuranzen in den Wochen vor dem Stichtag wieder einen regelrechten Preiskampf, wie der gemeinnützige Verbraucher-Ratgeber Finanztip feststellt.

Preisaggressiv sei vor allem die Huk24 im Markt unterwegs, sagt Kathrin Gotthold, Versicherungsredakteurin bei Finanztip. Doch dem hierzulande größten Kfz-Versicherer erwächst neue Konkurrenz. Die Allianz will angreifen. „Wir sind am 4. Oktober online gegangen“, sagt Harald Boysen und meint damit die Allianz Direct. Er ist Deutschland-Chef dieses neuen paneuropäischen Online-Versicherers des Assekuranzriesen Allianz. Einen öffentlich vernehmbaren Startschuss hat es nicht gegeben. Dafür ist Allianz Direct dort umso aktiver, wo Direktversicherer auf Kundenfang gehen – im Internet. Vorerst ist der digitale Angriff auf die Konkurrenz auf zwei Länder und ein Produkt beschränkt.

„Wir sind in Deutschland und den Niederlanden vorerst nur mit Kfz-Policen gestartet“, erklärt Boysen. Anfang 2020 sollen auch der italienische Allianz-Autoversicherer Genialloyd und sein spanisches Pendant Fenix Directo unter das paneuropäische Online-Dach von Allianz Direct schlüpfen. Boysen ist aber fest davon überzeugt, auf diesem Weg auch noch andere Policen an den Mann bringen zu können.

„Hausrat und Privathaft-pflicht sind auch reale Kundenbedürfnisse“, sagt er vorsichtig und deutet damit eine baldige Ausweitung des Direktgeschäfts darauf an. Dabei kommt es aber auf mehr als die Bedürfnisse von Kunden an. Denn das wirklich Neue an Allianz Direct ist der paneuropäische Gedanke. Bislang galt in der Assekuranz das Dogma, dass Versicherungsmärkte regional zu unterschiedlich seien, als dass man Kunden länderübergreifend mit einem identischen Produkt gewinnen könnte.

Allianz-Chef Oliver Bäte ist fest davon überzeugt, dass das zumindest nicht für alle Arten von Policen gilt. Deshalb hat er Allianz Direct auf den Weg gebracht. Geht der Plan auf, kann die Allianz in der Assekuranz per Massenproduktion bislang unbekannte Skalenvorteile heben.

„Kfz-Policen sind über Landesgrenzen hinweg zu über 90 Prozent gleich“, sagt Boysen und erklärt so, warum Allianz Direct ausgerechnet damit startet. Einen anderen Grund liefert der Chef der Allianz Deutschland, Klaus-Peter Röhler. Kfz-Policen hätten eine überragende Bedeutung für das Portfolio, betont er. Hat man an einen Kunden erst mal eine solche Police verkauft, hat man ihn am Haken und kann auch andere Policen losschlagen, meint der Manager damit.

Auf digitalem Weg lassen sie sich zudem kostengünstig an den Mann bringen. Allianz Direct arbeite mit einer Kostenquote von zwölf Prozent, hat Konzernfinanzchef Giulio Terzariol verraten. Das ist etwa die Hälfte dessen, was Allianz-intern üblicherweise an Kosten anfällt. In den ersten Jahren seien versicherungstechnische Gewinne bei Allianz Direct nicht so wichtig, betonte der Italiener. Das klingt nach Kampfpreisen. „Wir sind im Direktversicherungsmarkt preislich hoch wettbewerbsfähig“, sagt Boysen zur konkreten Vertragskalkulation zurückhaltend.

Wer für einen neuen 1er BMW bei Allianz Direct online 13 Fragen beantwortet und eine Vollkaskopolice will, erhält ein Angebot über 577 Euro. Das ist 36 Euro teurer als bei Branchenführer Huk. Der Preisunterschied fällt im Vergleich zu Vorjahren deutlich geringer aus. Ob das Rechenbeispiel im Vergleich zu Huk typisch für die Kalkulation bei Allianz Direct ist, verrät Boysen nicht.

Er räumt aber ein, dass Kunden zumindest derzeit bei Allianz Direct nur eine eingeschränkte Auswahl an Vertragsmerkmalen haben. Nicht wählbar ist beispielsweise ein Rabattretter. Der ist bei Autofahrern beliebt, weil er einen Schaden pro Jahr erlaubt, ohne dass man im Schadenfreiheitsrabatt nach oben gestuft wird. Auch ein Telematik-Tarif fehlt, wo man sich bei gesittetem Fahrstil spürbare Rabatte erfahren kann. Bei Bedarf könne man die Plattform, die in weniger als einem Jahr entwickelt und technisch auf die Beine gestellt wurde, aber täglich aktualisieren und weitere Vertragsmerkmale einführen, merkt Boysen an.

Billiger ist die Allianz mit ihrem neuen Direktversicherer bei Kfz-Policen fraglos geworden, wenn auch der genaue Umfang geheim bleibt. Das bleibt in der Branche nicht ohne Folgen, wie eine Studie des Rosenheimer Universitätsprofessors Wolfgang Bischof für das Onlineportal Verivox zeigt. Er sieht für die aktuelle Wechselsaison ein spürbares Absinken des Preisniveaus in der Kfz-Versicherung. Bei Kfz-Haftpflichtpolicen steuere die Branche verglichen mit Oktober 2018 im Schnitt auf eine Reduktion um drei und bei Vollkasko sogar auf Abschläge von fünf bis sechs Prozent zu.

Weder bei Verivox noch bei Konkurrent Check 24 sind die neuen Tarife von Allianz Direct in deren Preisvergleichen enthalten. Das gilt auch für die Huk-Tarife. Die beiden Branchengrößen lassen sich dort nicht listen, weil sie den Portalen für die Vermittlung von Policen keine Gebühr zahlen wollen und an die eigene Stärke glauben.

Die anderen bei Verivox gelisteten Anbieter würden aber den Markt und damit auch neue Gefahren wie Allianz Direct genau beobachten und preislich entsprechend reagieren, sagt ein Sprecher des Vergleichsportals. Damit ist klar, wohin die Reise auch künftig geht – zügig in Richtung branchenweiter Preiskampf.

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